Christliche Gehörlosen-Gemeinschaft

CGG Schweiz

Quick-Links

Das Gleichnis vom barmherzigen Samariter

Gedanken zum Gleichnis: machen wir den Samariterdienst?

Bibelabschnitt

Lukas 10,30-27 (Luther 1912)

30 Da antwortete Jesus und sprach: Es war ein Mensch, der ging von Jerusalem hinab gen Jericho und fiel unter die Mörder die zogen ihn aus und schlugen ihn und gingen davon und ließen ihn halbtot liegen. 31 Es begab sich aber ungefähr, daß ein Priester dieselbe Straße hinabzog und da er ihn sah, ging er vorüber. 32 Desgleichen auch ein Levit da er kam zu der Stätte und sah ihn, ging er vorüber. 33 Ein Samariter aber reiste und kam dahin und da er ihn sah, jammerte ihn sein, 34 ging zu ihm, verband ihm seine Wunden und goß darein Öl und Wein und hob ihn auf sein Tier und führte ihn in die Herberge und pflegte sein. 35 Des anderen Tages reiste er und zog heraus zwei Groschen und gab sie dem Wirte und sprach zu ihm: Pflege sein und so du was mehr wirst dartun, will ich dirs bezahlen, wenn ich wiederkomme. 36 Welcher dünkt dich, der unter diesen Dreien der Nächste sei gewesen dem, der unter die Mörder gefallen war? 37 Er sprach: Der die Barmherzigkeit an ihn tat. Da sprach Jesus zu ihm: So gehe hin und tue desgleichen!

Textzusammenhang

Ein Mann kommt zu Jesus. Jesus sagt ihm: «Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben mit ganzem Herzen und mit deiner ganzen Seele und mit deiner ganzen Kraft und deinen Nächsten wie dich selbst.» (Luk. 10,27)

Der Mann fragt Jesus: «Wer ist mein Nächster?»

Jesus erzählt ihm dann die Geschichte vom barmherzigen Samariter, um zu erklären, wer ‹der Nächste› ist.

Ein brutaler Überfall

Ein Mann (im Zusammenhang merkt man, er war ein Jude) geht von Jerusalem nach Jericho. Dieser Weg führt durch die felsige Wüste von Juda. Diese Gegend war bekannt als sehr unsicher. Der Mann wird überfallen, ausgeraubt und zusammengeschlagen.

Verletzt in der Wüste

Der Mann lag nach dem Überfall verletzt in der Wüste. Er konnte nicht erwarten, dass bald andere Menschen vorbeikommen, um ihm zu helfen. Es war selten, dass Menschen diesen Weg gingen, weil er so gefährlich war.

Jemand kommt...

Etwas Unerwartetes geschieht: Jemand kommt denselben Weg, den der Mann gegangen war.

Eine Person kommt, ein Priester!

Wenn jemand einem anderen Mensch helfen sollte, dann doch sicher ein Priester. Er ist ja ein Diener Gottes! Endlich kommt jemand der ihm die Wunden verbinden wird. Jemand der ihm Wasser bringt gegen den grossen Durst. Der verletzte Mann hat nun Hoffnung: Jetzt wird mir jemand helfen. Er denkt: Jetzt bekomme ich bestimmt Hilfe!

Aber der Priester geht vorbei!!!

Wie enttäuscht muss der verletzte Mann gewesen sein!

Dann kommt ein Levit...

Leviten sind Mitarbeiter im Tempel sind Menschen, die Gott dienen.

Der verletzte Mann bekommt neue Hoffnung. Aber auch der Levit geht vorbei.

Warum sind sie vorbei gegangen?

Vielleicht dachten sie: der Mann ist selber Schuld. Vielleicht hatten sie keine Zeit. Vielleicht hatten sie Angst, dass sie auch zusammengeschlagen werden. Auch der Levit geht vorbei. Schade.

Der verletzte Mann ist sehr enttäuscht.

Dann kommt ein Samariter

Die Juden verachteten die Samariter.

Aber der Samariter sah den Mann und tat alles, um diesem Mann zu helfen: Er verband die Wunden. Er gab ihm zu trinken. Er brachte ihn in ein Gasthaus, damit der Mann dort weiter gepflegt wird. Er bezahlt für die Pflege des Mannes.

Wer handelte so, wie Gott es gefällt?

Sicher der Samariter.

«Geh hin und tue es wie er»

Jesus beendet das Gleichnis und sagt: «Geh hin und handle so wie der Samariter.»

Echte Christen müssen dafür bekannt sein, dass sie anderen helfen. Nicht nur mit Worten und Gebet, sondern ganz praktisch.

Das kostet Zeit und manchmal Geld...

Bist Du bereit dazu?

Wie sieht es in Deinem / unserem Leben aus?

Sind wir bereit, anderen zu helfen, die in Not sind?

Sind wir bereit, anderen zu helfen, auch wenn wir sie nicht so gerne haben?

Ausländer?

Bibelverse zum Merken

«Wohl dem, der sich des Schwachen annimmt. Den wird der HERR erretten zur bösen Zeit.» (Psalm 41,2)

« Selig sind die Barmherzigen denn sie werden Barmherzigkeit erlangen. » (Matthäus 5,7)

Vielleicht denkst Du, ich bin nicht so...

Testfrage: Sagst Du deinen gehörlosen Freunden, dass sie Jesus brauchen? Damit sie nicht ewig verloren gehen.

Einige praktische Beispiele für Samariterdienst

Kürzlich wollte in München in einer S-Bahn ein 50-jähriger Geschäftsmann ein junges Mädchen vor Belästigungen von einer Gruppe junger Männer schützen. Als der Mann an einer Haltestelle ausgestiegen war, stiegen auch die jungen Männer aus. Sie haben den Geschäftsmann mit einer solchen Brutalität niedergeschlagen, dass er auf das schwerste verletzt wurde. Viele Menschen an der Haltestelle haben nur weggeschaut. Keiner dachte daran, dem Geschäftsmann zu helfen. Er starb noch an der Stelle. Hier fehlten ‹Samariter›, die dem Geschäftsmann geholfen, ihn geschützt hätten.

Bei einer Freizeit mit Taubblinden erzählte mir eine ältere taubblinde Frau: Zu Hause bekommt sie zu essen und zu trinken. Aber niemand kommt, um die Frau besuchen, niemand kommt, um sich mit ihr zu unterhalten, niemand, um mit ihr spazieren zu gehen. Niemand schreibt ihr. Die Frau leidet sehr unter der Einsamkeit. Auch hier fehlen ‹Samariter›.

Vor 200 Jahren lebte Louis Braille. Mit 3 Jahren verletzte er sich beim Spielen an einem Auge so schwer, dass es nicht mehr sehen konnte. Im späteren Leben dachte Louis an die Blinden. Sie konnten nicht lesen. Sie waren ihm nicht gleichgültig. Er dachte viel nach, wie man ihnen helfen kann. Sicher betete er auch. Er erfand die Blindenschrift. Louis ging nicht lieblos an den Blinden vorbei wie der Priester oder Levit. Louis tat einen Samariterdienst. Heute sind viele Blinde froh, dass sie durch Blindenschrift lesen können.

Hieronymus Lorm ertaubte mit 15 Jahren nach langer Krankheit und musste sein Musikstudium aufgeben. 1856 heiratete er. Knapp 25 Jahre später, 1881, verlor er sein Augenlicht, nachdem er etliche Jahre zuvor nur noch schlecht sehen konnte. Die Taubblinden konnten nicht mit anderen kommunizieren. Sie waren ihm nicht gleichgültig. Er dachte viel nach, wie man ihnen helfen kann. Sicher betete er auch. Er erfand die das Lormen, das Tippen der Buchstaben in die Handflächen. Hieronymos Lorm ging nicht lieblos an den Blinden vorbei wie der Priester oder Levit. Er tat einen wertvollen Samariterdienst.

In der Bibelfreizeit schreibt Hilde Pfänder die Predigten in Blindenschrift. Sie tut es, damit viele Taubblinde die Predigten lesen können. Auch das ist ein Samariterdienst.

Es gibt viele Möglichkeiten, einen Samariterdienst zu tun. Man kann zum Beispiel zu Hause für andere beten. Einsame, Kranke besuchen. Oder man kann mit einem Brief Freude bereiten. Jeder kann Samariterdienst tun. Man braucht keine besondere Ausbildung. Man braucht keine besondere Anstellung. Wir brauchen nur offene Augen, wo wir helfen können. Möglichkeiten gibt es viele.

Schlimmer ist, wenn wir wie der Priester oder Levit gar nichts tun. Jeder sollte nachdenken: wie bin ich?

Aus der Gemeinschaft April 2010