Christliche Gehörlosen-Gemeinschaft

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Zeugnis: Wie wunderbar ist Jesus!

Wie Jesus das Leben von Giuseppe veränderte.

Ich komme aus einer von Italien eingewanderten Familie und kam am 29. April 1972 in der Schweiz zur Welt. Ich wuchs römisch-katholisch auf und wurde als Kind bereits getauft.

Im Alter von 7 Monaten erkrankte ich an Hirnhautentzündung und seit der Krankheit bin ich schwerhörig. Für meine Familie war das ein Schock. Ich war 40 Tage lang im Spital.

Meine Eltern gingen mit mir zu Ärzten nach Frankreich und Italien. Überall untersuchten mich Ärzte und Akustiker. Für meine Familie war das eine schwierige Zeit.

Ich trage seit meiner Kindheit im Alter von 6 Jahren Hörgeräte. Meine Mutter investierte viel Zeit für mich, weil sie mich sehr liebt.

Meine Kindheit in der Schweiz war schön. Ich hatte in der Schweiz viele Verwandte. Ich konnte mit ihnen viele schöne Momente erleben. Sie kamen auch zu meinen Eltern auf Besuch. Wir hatten eine wundervolle Gemeinschaft. Zwei meiner Verwandten hatte ich sehr gern. Sie sind inzwischen gestorben. Aber ich erinnere mich immer noch an sie. Sie behandelten mich wie einen eigenen Sohn.

Ich besuchte zuerst eine italienische Schule in Biel. Für diese Schule war die ‹Missione Cattolica Italiana Biel› (italienische und katholische Mission), die mit dem italienischen Konsulat in Bern zusammen arbeitete, zuständig. Die italienischen Kinder gingen dort zur Schule. Tagsüber war ich in der Schule und konnte am Nachmittag dort die Hausaufgaben machen. Meine Mutter holte mich stets nach ihrer Arbeit ab.

Ich erinnere mich noch an das Theater spielen in der Schule dort. Ich musste einmal ein Weihnachtsgedicht auswendig aufsagen. Während der Probe merkten die Erwachsenen, dass meine Stimme nicht laut genug war. Damals gab es kein Mikrofon (das wäre für mich sicher einfacher gewesen). Ich setzte meine ganze Energie und Kraft ein, um laut zu sprechen.

Später musste die Schule aus verschiedenen Gründen schliessen. Die Kinder wurden in die öffentliche Schule in Biel eingegliedert.

Und ich? Wie sollte es mit mir weitergehen? Meine Lehrer und Ärzte empfahlen meinen Eltern, mich nach Italien in die Schule zu schicken. Dort hätte ich den Unterricht auf italienisch, meiner Muttersprache. Für meine Familie war diese Entscheidung schwierig, vor allem meine Mutter weinte fast jeden Tag, weil sie mich nach Italien gehen lassen musste.

Ich war in verschiedenen strengen, von Nonnen geführten Internaten. Ich war sehr traurig, weil ich meine Familie sehr vermisste. Ich konnte am Wochenende nicht nach Hause zu meinen Eltern in die Schweiz gehen. Ich verbrachte 12 Jahre meines Lebens in Italien. Zum Glück bekam ich von einigen Familienmitgliedern aus Italien Unterstützung. Ich erinnere mich noch gut an die Besuche von meinem verstorbenen Onkel, er war katholischer Pfarrer.

Als ich in die Schweiz zurückkam, musste ich Deutsch lernen. Für mich war das sehr schwierig. Mein Leben war nicht einfach. Trotzdem schaffte ich es, einige Ziele zu erreichen. Ich machte in der Schweiz verschiedene Ausbildungen: Koch, Diätkoch und die Berufsprüfung zum Gastronomiekoch mit eidgenössischem Fachausweis. Ich lernte Französisch und machte Sprachdiplome. Ich besuchte auch Zuckerartistikkurse. Das ist bis heute ein Hobby von mir geblieben. Ich hatte es in den letzten Jahren gar nicht einfach. Ich machte schlechte Erfahrungen und wurde sehr oft verletzt.

Nun begann Jesus mein Leben zu verändern

Ich bewarb mich mit meinen Diplomen mehrmals für eine Kaderposition. Ich bekam nur Absagen, und zwar wegen meiner Hörbehinderung. Deshalb sah ich in meinem Beruf als Koch keine Möglichkeiten mehr für eine Karriere. Ich entschied mich, etwas Neues zu machen. Im Januar 2008 beschloss ich, die BMS (Berufsmittelschule) zu machen. Zuerst muss ich den Schulstoff für die Aufnahmeprüfung und für die BMS nachholen.

Ich lernte in Italien einige Fächer wie Mathematik nicht so gut. In Italien ist das Schulsystem anders als in der Schweiz. Dort wurde ich wegen meiner Behinderung von verschiedenen Fächern dispensiert. Deshalb fehlt mir heute teilweise Grundlagewissen. Ich brauchte für mein Ziel mit der BMS professionelle Hilfe. Die Fachstelle in Bern fand eine gehörlose Frau, die mit mir lernen kann. Ich war sehr glücklich, als ich diese Nachricht per Mail bekam. Als ich Regula traf, war ich sehr berührt, was sie trotz ihrer Hörsehbehinderung in ihrem Leben erreicht hat.

Bei unserem ersten Treffen sah ich, wie schwierig die Situation für mich war. Ich konnte die Aufgaben nicht gut bewältigen. Die Welt ging für mich unter. Ich sah alles negativ. Regula erzählte mir von Jesus, obwohl ich ‹gläubig› und in der katholischen Kirche war. Aber was sie mir erzählte, berührte mich sehr. Schon als kleines Kind liebte ich Jesus sehr. Ich zeichnete ihn oft. Jesus war für mich schon immer wichtig. Ich merkte aber, dass es noch mehr gab.

Wir sprachen sehr viel über den Glauben an Jesus und die Bibel. Eine Bibelstelle begleitete mich (Joh 14,6, Luther 1984):

Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben, niemand kommt zum Vater denn durch mich.

Regula gab mir eine DVD über Jesus. Als ich den Film sah, beschäftigte es mich sehr, wie Jesus damals lebte und starb. Ich sah Jesus als einen einfachen Menschen. Er hatte ein sehr grosses Herz für alle Menschen. Viele Menschen wurden von Jesus geheilt. Jesus sagte am Kreuz (Lk 23,34.35, Luther 1984):

Vater, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun.

Er hat unsere Sünde auf sich genommen. Das hat mein Herz sehr bewegt. Jesus ist für uns gestorben. Er hat unsere Sünde am Kreuz getragen. In der katholischen Kirche lernte ich viele negative Aspekte, zum Beispiel, wenn wir Gott und Jesus beschimpfen, würden sie uns bestrafen. Als ich begann, die Bibel zu lesen, spürte ich, dass Gott und Jesus uns vergeben. Deshalb liebe ich Jesus über alles.

Auf der DVD waren noch Erklärungen und dieses Gebet:

Herr Jesus, ich brauche Dich.
Ich danke Dir, dass Du am Kreuz
für meine Sünden gestorben bist.
Ich öffne die Tür zu meinem Leben und
nehme Dich an als meinen Retter und Herrn.
Bitte regiere mein Leben
und hilf mir, so zu leben,
wie Du es geboten hast.
Amen

Ich entschied mich, Jesus in mein Leben zu bitten. Ich betete dieses Gebet auf den Knien. Langsam spürte ich, wie der Heilige Geist zu mir kam.

Regula merkte, dass ich Jesus ‹schon aufgenommen› hatte. Wir wollten es noch gemeinsam fest machen. Einen Tag später besuchte ich Regula und Willi bei ihnen zu Hause. Ich erzählte ihnen über meine Entscheidung. Wir beteten gemeinsam.

Nach meiner Bekehrung half Jesus mir wirklich viel. Es gibt noch Probleme, wie zum Beispiel meine Schlafstörungen. Ich bat Gott und Jesus, in meinem Leben zu wirken. Ich kann nun besser schlafen. Manchmal habe ich Angst oder Panik. In solchen Situationen bete ich oder informiere meine Glaubensgeschwister, die für mich beten. Das hilft immer wieder, diese Ängste zu besiegen.

Regula half mir in verschiedenen Situationen. Im Hauskreis fand ich eine Familie. Ich spürte dort auch Wärme, Kraft und viel Hoffnung. Dort lernte ich zum ersten Mal das freie Beten. In der katholischen Kirche sind die Gebete von Priester, Bischöfen und vom Papst vorgeschrieben. Mit dem freien Beten lernte ich auch, Gott ganz zu vertrauen. Bis jetzt hat Gott viele meiner Gebete erhört. Ich lernte, ihn sehr zu lieben.

Manchmal bete ich so: lieber Vater, weisst Du, dass ich Dich fest umarmen möchte? Du bestraft die Menschen nicht, sondern Du liebst sie sehr. Bitte vergib meine Sünden. Ich weiss: für mich ist es nicht einfach so zu leben wie du es wünschst. Gib mir bitte die Kraft, am Glauben fest zu halten. Im Namen Jesus Christus. Amen.

Ich kann den Stoff für die BMS jetzt schrittweise besser bewältigen. Ich bin auch sehr glücklich. Einige Kollegen bemerkten sofort meine Veränderung. In diesem Jahr hatte ich bereits viele positive Erlebnisse. Zum Beispiel als ich diesen November den Zuckerartistikkurs besuchte, merkte ich, wie motiviert ich war, diese schönen Sachen zu machen. Gott half mir immer. Ich spürte auch seine Nähe.

Ich besuche den Gottesdienst in der Pfingstgemeinde Bern und auch die anderen Veranstaltungen der CGG und den Hauskreis. Ich bin glücklich, wenn ich im Hauskreis bin. Dort fühle ich mich sehr wohl.

Ich machte auch einen zweiten Schritt. Ich wollte mich taufen lassen. Ich beschäftigte mich mit dieser Entscheidung. Ich sprach mit Willi und Regula darüber. Ich spürte sofort, dass meine Kindestaufe aus der katholischen Kirche nicht ‹gültig› war.

Taufen (griechisch ‹baptizo›) bedeutet: ganz in das Wasser getaucht zu werden, nicht mit Wassertropfen besprengt zu werden.

Vor der Taufe ist zuerst die Bekehrung. Kann ein Säugling Sünde erkennen, hassen und lassen? Nur wer das Wort Gottes gehört hat, kann diese Entscheidung treffen. Das kann ein Säugling noch nicht. Taufe ist eine persönliche und freiwillige Entscheidung.

Der Hauskreis und ich beteten für Bewahrung und Schutz vor und nach der Taufe. Am 9. November 2008, neun Monate nach meiner Bekehrung, durfte ich diesen Schritt machen.

Als ich ins Wasser stieg, sprach Tom Lehmann (Jugendpastor der Pfimi Bern) ein Gebet. Ich spürte, wie der Heilige Geist auf mich kam. Ich hatte grosse Freude. Es war ein sehr schönes Erlebnis für mich.

Jetzt gehöre ich ganz zu Jesus. Jesus ist wirklich wunderbar!

Jesus, ich möchte Dir von ganzem Herzen danken. Du hast mein Leben verändert. Ich erlebte in der Vergangenheit viele Verletzungen. Ich lernte von dir, anderen zu vergeben. Ich bitte dich, mich weiterhin zu führen und zu beschützen. Amen.

Giuseppe Ferrante

Aus der Gemeinschaft Januar 2009