Christliche Gehörlosen-Gemeinschaft

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Loslassen

Regula erzählt über ihre Probleme am Arbeitsplatz.

Probleme am Arbeitsplatz

Regula mit Familie
Regula mit Familie

Ich habe kürzlich in der Zeitung von unserer Gemeinde (Pfimi Bern) ein Zeugnis geschrieben zum Thema ‹Gott ist gut›. Ich habe von meiner Arbeit als Gehörlosenlehrerin erzählt und dass es für mich ein grosses Wunder ist, auf diesem Beruf wie meine hörenden Kolleginnen und Kollegen arbeiten zu können. Noch heute ist es ein Problem für Gehörlose, ein Lehrpatent zu erhalten. In meinem Fall ist vor acht Jahren beim Ausbildungsabschluss scheinbar (??) ein juristischer Fehler gemacht worden, denn man wollte mir kein Patent geben. Trotzdem bekam ich das Diplom ohne grosse Diskussionen und Probleme. Heute weiss ich: Es war kein Fehler von der Erziehungsdirektion, sondern Gottes Wirken!

Prompt nach diesem Zeugnis in der Gemeindezeitung erlitt ich beruflich einen grossen Tiefschlag. An einem schönen Tag, drei Stunden vor der Konferenz an welcher das neue Schuljahr besprochen werden sollte, bekam ich einen Brief. Darin teilte mein oberster Chef mir mit, dass ich mein Pensum um die Hälfte auf sieben Lektionen pro Woche reduzieren muss. Der Grund war, dass meine Schule im kommenden Jahr eine Gehörlosenklasse weniger führt. Meine 7. Klasse wird nach den Ferien in die Sekundarschule für Gehörlose übertreten.

Ich verstand nicht, warum ich diese Kündigung so kurz vor der Konferenz bekam, in der man über die neue Stundenverteilung diskutieren wird. Ich verstand nicht, warum mein Chef nicht im voraus mit mir sprach. Ich verstand nicht, warum man mich teilweise ‹hinauswarf›, obwohl eine andere Lehrerin gekündigt hatte. Ich verstand überhaupt nichts mehr und war sehr, sehr wütend auf die Haltung der Schulleitung.

Im Nachhinein stellte sich noch heraus, dass ich wirklich wegen meiner Gehörlosigkeit diese Kündigung bekommen habe. Es wäre eine Stelle frei in einer Klasse mit CI-Kindern. Aber man sagte mir: ‹Du kannst nicht mit CI-Kindern arbeiten. Du bist kein sprachliches Vorbild für sie ...!›

Die ganze Geschichte war so schmutzig und ungerecht. Es war so wie wenn wir ins vorletzte Jahrhundert zurückkapituliert sind. Um 1880, als am Mailänder Kongress an allen europäischen Gehörlosenschulen die Gebärdensprache verboten wurde, wurden auch alle gehörlosen Lehrer entlassen. Seitdem gab es bis vor 15 Jahren fast keine gehörlosen Lehrkräfte mehr.

Die Anfrage bei der Rechtsauskunft für Lehrer half mir auch nicht weiter. Sie gaben mir zu, dass mein Chef so handeln darf.

Inmitten in diesem Durcheinander rief ich immer wieder zu Gott und bat ihn, mir einen Weg aus all dem heraus zu zeigen. Ist meine Zeit als Lehrerin zu Ende? Will Gott mir etwas Neues zeigen? Wichtig war auch, dass ich der Schulleitung vergeben musste.

Einige Nächte nach diesem Schrecken hatte ich einen Traum. Ich wusste, dass er von Gott war. In diesem Traum hatte ich in der Schule kein kleines Pensum. Als ich aufwachte, wusste ich, dass die Situation von mir für das kommenden Schuljahr sich noch ändern wird.

Ich wurde auf harte Probe gestellt. Die ganze Sache zog sich in die Länge. Sogar vor den Frühlingsferien, als alle meine Kolleginnen und Kollegen wussten, was sie im nächsten Schuljahr machen, war ich immer noch bei meinen sieben Lektionen.

Ich musste warten...Inzwischen kam wieder die zweite Gemeindezeitung von der Pfimi Bern. Darin war das Thema ‹Loslassen›. Ein Bekannter von mir schrieb hier sein Zeugnis, wie ihm auch von heute auf morgen gekündigt wurde und wie Gott ihn trotzdem wunderbar an eine neue Stelle geführt hat. Ich merkte: Ich muss loslassen. Gott wird so oder so auf seine Art und Weise einen Weg zeigen und für meine Familie sorgen.

Allmählich war es mir egal, was im neuen Schujahr mit mir passieren wird. Ich gab weiter Unterricht, als ob nie etwas geschehen war.

Dann kam wieder eine Konferenz. Ich dachte: Endlich weiss ich, was mit mir geschieht. Aber ich musste wieder warten, warten. Es gab tatsächlich keine Arbeit für mich. Andere bekamen die Arbeit in den CI-Klassen. Es kam nun nur noch drauf an, ob ein Kind integriert wird oder nicht. Falls dieses Kind an unserer Schule bleiben würde, wären wieder sieben Lektionen frei.

Dann hiess es: Die Entscheidung wegen diesem Schüler wurde verschoben. Wieder warten, warten ...

Schliesslich stand endlich fest, dass dieses Kind an unserer Schule bleiben wird. Es gab eine Sitzung in der Pause. Endlich konnte man mir Arbeit zuteilen und ich werde jetzt im nächsten Schuljahr nur zwei Lektionen weniger arbeiten wie bis jetzt.

Ich bin Gott sehr dankbar für seine grosse Hilfe. Er machte mir in diesen schwierigen Wochen immer wieder Mut. Er zeigte mir auch, dass ich nicht gegen meine Schule einen Groll hegen muss. Ich lernte auch wieder, loszulassen und Gott ganz zu vertrauen. Manchmal ist längeres Warten angesagt ...

Aus der Gemeinschaft Juli 2001