Christliche Gehörlosen-Gemeinschaft

CGG Schweiz

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Taufe

Am 1. Juli 2001 haben sich in Luzern zwei Gehörlose taufen lassen: Jakob Bieri und Isabel Vitorio.

Taufe am 1. Juli 2001 im Vierwaldstättersee

Jakob Bieri schreibt selber:

«Am Sonntag 1. Juli trafen wir uns um 7.45 Uhr im Seebad Luzern am Vierwaldstättersee. Das Wetter war sehr schön, kaum einige Wolken. Fünf Hörende, eine Gehörlose und ich wollten uns taufen lassen. Es kamen viele gläubige Leute zum Zuschauen. Wir Täuflinge zogen alle weisse Kleider an. Am Anfang beteten wir und sangen zusammen einige Lieder. Danach wurden wir sieben Personen getauft. Ich kam als Vierter an die Reihe und stieg in den See. Das Wasser war nicht so kalt. Der Pastor der hörenden Gemeinde Luzern und der Präsident der CGG beteten mit mir, dann tauchten sie mich ganz unter das Wasser und hoben mich sofort wieder auf. Schon war ich getauft! Ich bin sehr froh, dass ich jetzt getauft bin. Nach der Taufe gingen wir in die Kirche und feierten zusammen einen Taufgottesdienst. Nach der Kirche gingen wir hinauf zu mir nach Hohenrain, wo wir grillierten und einen sehr schönen Nachmittag verbrachten. Ich danke Gott, unserem Schöpfer, für alles, was Er für mich getan hat.»

Es ist immer eine grosse Freude, wenn sich Gehörlose taufen lassen. Wir taufen keine Säuglinge, sondern Erwachsene. Das hat verschiedene Gründe:

Jakob Bieri hat in der Zeitschrift ‹Ethos› von seinem Leben erzählt. Es war nicht immer einfach für ihn. Er wollte lange nichts von Gott wissen. Im Jahr 2000 hat er eine grosse Krise erlebt. Dann hat er gemerkt: nur Gott kann noch helfen. Er hat sich für Jesus entschieden. Und Gott hat Jakob viel geholfen. Darum will Jakob auch Gott gehorchen. Er hat sich taufen lassen. Es ist ein Wunder!

Zeugnis von Isabel Vitorio

Meine Kindheit

Mein Name ist Isabel Vitorio und ich kam am 26. September 1978 in Recife (Brasilien) zur Welt. Meine Eltern sind Brasilianer, und deshalb bin ich Brasilianerin. Meine Geburt war sehr schwierig. Ich kam schlussendlich durch Kaiserschnitt auf die Welt. Von Geburt an bin ich gehörlos. Ich war damals sogar am ganzen Körper gelähmt. Meine Mutter hatte zwei Möglichkeiten. Sie konnte mit mir eine aktive Therapie machen oder die Lähmung einfach akzpetieren. Bei einer Therapie war es möglich, dass ich vielleicht eines Tages meinen Körper bewegen lernen könnte. Meine Mutter wollte jede Gelegenheit nützen, dass mir geholfen wird, und dass ich eines Tages gehen konnte. Ich machte die Therapie. Meine Tante ist gläubig. Sie betete sehr oft für mich. Nach 1½ Jahren war ich nicht mehr gelähmt. Das war ein Wunder Gottes. Deshalb hatte ich schon früh eine Verbindung zu Gott.

Ich blieb aber gehörlos. Weil das Schulwesen für Gehörlose in Brasilien nicht gut war, besuchte ich gemeinsam mit Hörenden den Kindergarten. Dort wurde meine Sprache nicht gefördert. Meine damalige Kindergärtnerin empfahl mir die Gehörlosenschule in Rio de Janeiro. Mit vier Jahren bekam ich meine ersten Hörgeräte. Sie waren leider oft defekt. Die Schule in Rio de Janeiro war für unsere Familie viel zu teuer und ziemlich weit weg. Ich blieb in Recife und bekam keine Schulbildung.

Als ich sieben Jahre alt war, liessen sich meine Eltern scheiden. Der Grund war unter anderem auch der Glaube. Mein Vater war katholisch und meine Mutter reformiert (ich selber wurde katholisch getauft). Nach der Scheidung entschied meine Mutter, dass ich reformiert sein soll. Meine Tante ging mit mir jeden Tag zur Kirche. In der Kirche waren mir die Leute sympathisch. Besonders die Jugendlichen im Chor. Ich wollte trotz meiner Hörbehinderung um jeden Preis im Kirchenchor dabei sein. Meine Tante, die sehr streng gläubig ist, befahl mir, ich soll zuerst mein Leben in Ordnung bringen. Nachdem ich das gemacht hatte, kam ich in den Kirchenchor.

Bis zu meiner Ausreise in die Schweiz besuchte ich keine Schule. Ich war Analphabetin. Das bedeutet: ich konnte weder schreiben noch lesen und nicht sprechen.

Auswanderung nach Schweiz

Meine Mutter lernte einen Schweizer kennen. Sie verliebte sich in ihn. Der Schweizer kannte unsere schlechte Situation und wollte uns helfen. Er empfahl uns, zu ihm in die Schweiz auszuwandern. Meine Mutter, meine Schwester und ich wanderten im November 1989 in die Schweiz aus.

Im Frühling 1990 besuchte ich zum ersten Mal eine Schule. Es war die Kantonale Sprachheilschule in Münchenbuchsee. Meine damalige, holländische Lehrerin war sehr streng. Sie brachte mich oft an den Rand des Wahnsinns. Aber ich bin ihr heute dankbar. Denn nur durch ihre strenge Art habe ich so gut sprechen, lesen und schreiben lernen können.

Meine Glaubenerfahrung

Als ich in die Schweiz kam, verlor ich den Kontakt zu Gott und auch meinen Glauben. Ich weiss nicht mehr genau warum.

Zu Hause (damals noch in Spiez) erschien mir einmal nachts im Traum ein Engel. Er sagte mir, ich soll ihm folgen. Ich kam zu einer langen Treppe. Oben angelangt, sah ich viele Menschen. Nach einer Weile stand mir Gott gegenüber. Er begrüsste mich und sagte: «Du musst keine Angst haben, ich werde Dich heilen. Du sollst sprechen, lesen, hören und schreiben können. Du musst nur den richtigen Weg gehen!» Diese Erscheinung wird mir immer in Erinnerung bleiben. Ich merkte, dass ich den Weg zu Gott verloren hatte. Gott zeigte mir den richtigen Weg. Ich erzählte diesen Traum den Kollegen von meiner Wohngruppe. Sie zeigten sich unbeeindruckt. Sie lachten mich aus und sagten: «Das alles ist Unsinn!» Ich war über das Verhalten meiner Kollegen enttäuscht und traurig.

Mit der Erscheinung Gottes in meinem Traum wurde mir bewusst, dass es Gott wirklich gibt. Er ist lebendig. Das hat meinem Leben einen neuen Schub gegeben. Ich wusste nun, woran ich war.

Gehörlosen-Gottesdienst

An einem Wochenende im Jahr 1995 besuchte uns eine Kollegin meiner Mutter. Sie ist gläubig. Sie erzählte meiner Mutter, dass jeweils an einigen Sonntagen in Steffisburg Gottesdienste speziell für Gehörose gehalten werden. Ich war begeistert und ging dorthin. Dort traf ich Regula Hiltebrand (heute: Regula Herrsche). Sie war meine Lehrerin in der Sprachheilschule Münchenbuchsee. Ich wusste vorher nicht, dass sie gläubig war. Ich war sehr überrascht, dass ich sie dort traf.

Ich versuchte wieder mit Gott zu leben, und mir von der Bibel zeigen zu lassen, was ich tun soll. Ich besuchte regelmässig den Hauskreis und die Bibelschule der CGG. Ich lernte mehr und konnte den Glauben zu Gott, Jesus und dem Heiligen Geist festigen und ausbauen.

Heute danke ich Gott, dass mir damals die Kollegin von der Gehörlosengemeinde in Steffisburg erzählt hat. Heute bin ich eine überzeugte Christin. Ich bin seit über sechs Jahren in der Christlichen Gehörlosengemeinde. Ich fragte mich, ob ich mich taufen lassen soll. An Ostern 2001 gab es eine Freizeit der CGG Schweiz in Passugg. Dort nützte ich die Gelegenheit, mein Anliegen zu besprechen. Ich wurde ermuntert, mich taufen zu lassen. Ich entschied mich, diesen wichtigen Schritt zu machen. Ich liess mich am 1. Juli 2001 in Luzern taufen. Ich möchte mein Leben Jesus widmen und ihm ewig treu sein.

Meine Seele hängt an DIR, DEINE rechte Hand hält mich Psalm 63,9

Aus der Gemeinschaft Oktober 2001