Christliche Gehörlosen-Gemeinschaft

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Besuch bei der Gehörlosenschule in Lubumbashi, Demokratische Republik Kongo

Die Christliche Gehörlosen-Afrika-Mission CGAM e.V., Deutschland, unterstützt drei Gehörlosenschulen in der Demokratischen Republik Kongo. Vom 27.8. bis 3.9.2000 reiste eine Delegation der CGAM nach Lubumbashi.

Vorgeschichte

Die Arbeit von Dr. Andrew Foster

Dr. Andrew Foster (1925-1987)
Dr. Andrew Foster (1925-1987)

In den Jahren 1957 - 1987 gründete der gehörlose, schwarze Amerikaner Dr. Andrew Foster (1925 - 1987) insgesamt über 30 Gehörlosenschulen in 13 verschiedenen mittelafrikanischen Ländern.

Zwölf davon befanden sich im Zaïre, dem ehemaligen Belgisch-Kongo. Als tief gläubiger Christ stellte Dr. Foster sämtliche Schulen unter die Verwaltung einer evangelischen Kirche.

1987 stürzte Dr. Andrew Foster mit dem Flugzeug in der Nähe von Goma, Zaïre, ab und kam ums Leben. Damit wurde es schwierig für die Gehörlosenschulen. Die Witwe, Frau Berta Foster, vermochte nicht mehr so viel Spendegeld aufzutreiben wie früher ihr Ehemann.

Viele Gehörlosenschulen mussten andere Sponsoren suchen, wurden teils verstaatlicht, einige sogar geschlossen. Fünf Schulen im Zaire kamen zur Zentralafrika-Mission (ZAM), einer deutschen Missionsgesellschaft. In der ZAM sind nur Hörende dabei. Der Geschäftsführer, Martin V., kannte aber Josef. Martin V. war immer der Meinung, dass Gehörlose die Gehörlosenschulen übernehmen sollten. Nur Gehörlose verstehen die Bedürfnisse der Gehörlosen wirklich. Auf seinen Rat reisten 1996 vier Gehörlose in den Zaire. Sie wollten sich von den Schulen selber ein Bild zu machen: Josef, zwei Hörbehinderte aus Norddeutschland und ein Dolmetscher für Deutsch-Französisch. Denn im Zaire spricht man französisch, ferner Suaheli und andere afrikanische Sprachen. Deutsche Gehörlose aber lernen an ihren Gehörlosenschulen keine Fremdsprachen oder höchstens Englisch, aber kaum Französisch.

Der 1. Besuch der Gehörlosenschulen in Kongo im 1996

Diese Delegation besuchte die Gehörlosenschulen von Lubumbashi, Kamina und Kolwezi. Ferner traf sie den Direktor der Schule von Kalemie. Sie stiess auf eine riesige Armut. Diktator Mobutu hatte das Land ausgebeutet. Es herrschte ein politisches Chaos.

Die vier Europäer erlebten manch gefährliches Abenteuer. Sie trafen aber auch vorbildliche Gehörlosenlehrer. Mit grossen finanziellen und persönlichen Opfern versuchten sie, die gehörlosen Kinder zu erfassen und zu schulen. Diese Lehrer waren alle hörend. Aber alle beherrschten die von Dr. Foster eingeführte amerikanische Gebärdensprache ausgezeichnet. Alle wussten, wie man mit Gehörlosen umgeht. Die harte Schule von Dr. Foster zeigte hier ihre Früchte. Auch die Direktoren beeindruckten durch ihre Gehörlosenkenntnis und ihren Einsatz.

Eine ehemalige Schülerin
Eine ehemalige Schülerin

Denn im Zaire wurden gehörlose Kinder meist verachtet und beiseite geschoben. Sie galten und gelten auch heute noch als minderwertig. Die Eltern bevorzugen die hörenden Kinder. Sie glauben, gehörlose Kinder könnten sowieso nie einen Beruf lernen und nie etwas zum Familienunterhalt beitragen. Die meisten dieser Kinder litten unter Hunger und Krankheiten. Medikamente waren nicht vorhanden, Geld fehlte auch. Viele Soldaten aus Mobutus Truppen warteten seit mehr als einem Jahr auf den Sold (Lohn). Sie verhafteten beliebig Leute auf freier Strasse. Unter solchen Umständen versuchten die Direktoren und Lehrer, das Beste für die gehörlosen Kinder herauszuholen. Die vier Europäer kehrte mit dem festen Willen heim, den afrikanischen Gehörlosen zu helfen.

Die Schulen in Lubumbashi und Kamina konnten dank der Unterstützung von World Vision bzw. des Rotary Clubs in neuen Gebäuden unterrichten. In Kolwezi stand es besonders schlimm. Dort mussten die Gehörlosen zusammen mit mehreren hörenden Klassen ein Gebäude teilen. Dieses ‹Haus› hätte man in Europa nicht einmal als Schweinestall benutzen dürfen. Es war daher notwendig, Geld zur Seite zu legen, um in Kolwezi ein neues Schulhaus zu finanzieren.

Gründung des Vereins CGAM

In der Folge gründeten die norddeutschen Christlichen Gehörlosengemeinschaften die ‹Christliche Gehörlosen-Afrika-Mission e.V.› (CGAM). Die CGAM ist ein eigenständiges Missionswerk. Sie wird nur von Gehörlosen geleitet. Ziel der CGAM ist, die Gehörlosenschulen im Zaire zu unterstützen. Die CGAM gilt als e.V. (eingetragener Verein), d.h. sie ist als wohltätig anerkannt. Sie zahlt keine Steuern. Sie übernahm 1997 die Schulen von Lubumbashi, Kamina, Kolwezi und Kalemie. Sie bezahlte jetzt die Löhne für die Lehrer und Direktoren, richtete Geld für die Verpflegung der gehörlosen Kinder und aus und stellte einen bestimmten Betrag für Medikamente und Schulmaterial zur Verfügung.

1997 starb Diktator Mobutu. An seiner Stelle kam Laurent Désiré Kabila an die Macht. Der Name ‹Zaire› wurde ersetzt durch ‹Demokratische Republik Kongo›. Der neue Staat geriet bald in den Krieg. Seit 1994 bekämpften sich im Gebiet von Ruanda/Burundi die Völkergruppen der Hutu und Tutsi. Diese kriegerischen Auseinandersetzungen übertrugen sich auf den Kongo. Auch dieser geriet in die Kriegswirren, die bis heute anhalten. Die Schule in Kalemie, nahe am Kriegsgebiet gelegen, wurde zerstört. Ein Lehrer kam um, eine Lehrerin verschwand spurlos, und der Direktor landete in einem Flüchtlingslager in Tansania. Die CGAM musste diese Schule schliessen.

Die Schulen in Lubumbashi, Kamina und Kolwezi werden weiterhin unterstützt. Obwohl alle drei Schulen immer wieder einen Besuch aus Deutschland wünschten, reiste bis 2000 keine Delegation der CGAM mehr in den Kongo. Denn die Aussenministerien aller europäischen Länder rieten dringend ab. Dieses Land sei zu gefährlich.

Die Situation im Jahr 2000

Erste Aklärungsreise in April 2000

Im April 2000 flogen Josef, inzwischen Präsident der CGAM, sowie der Vizepräsident der CGAM und seine Frau nach Lusaka, Sambia, einem Nachbarland des Kongo.

Lusaka ist nicht allzu weit von Lubumbashi entfernt. Dort trafen sie Ngoy. Ngoy ist Vertrauensmann der ZAM und der CGAM. Auf Ngoys Bankkonto werden die Löhne und weiteren Zahlungen überwiesen. Ngoy hatte bereits 1996 die erste Reise ausgezeichnet organisiert. Er hat viele wertvolle Beziehungen. Ngoy überzeugte uns, nach Lubumbashi zu reisen und dort die Direktoren und Lehrer aller drei verbliebenen Schulen zusammen zu rufen. In Lubumbashi sei die Lage sehr ruhig und ungefährlich. Hingegen wäre es gewagt, nach Kamina und Kolwezi zu reisen. Ngoy erwies sich als ausgezeichneter Kenner der Gehörlosen, der Gehörlosenschulen und ihrer Sorgen. Er empfahl, neue Strukturen einzuführen und die Zusammenarbeit mit den Schulen neu und klar zu regeln. Während der vergangenen vier Jahre hatten sich viele Fragen und Probleme aufgestaut. Denn der Briefkontakt zwischen dem Kongo und Deutschland funktionierte nur mit Lubumbashi einigermassen, mit Kamina und Kolwezi praktisch nicht. Faxen war für die Afrikaner zu teuer. Hauptproblem waren die von der CGAM bezahlten Löhne. 1996 waren die Lehrer und Direktoren der Gehörlosenschulen vergleichsweise noch sehr gut bezahlt. Sie erhielten 50 Dollar im Monat (Direktoren 70 Dollar). Demgegenüber bekamen die Lehrer an den staatlichen Schulen umgerechnet etwa 1.50 Dollar als Monatslohn! Diese Lehrer mussten von den Eltern Gebühren verlangen, um überhaupt überleben zu können.

Dies hat sich bis 2000 verändert. Die Inflation hat alle Preise stark in die Höhe getrieben, während die Löhne gleich geblieben sind. Ngoy rechnete vor: ein Lehrer mit Familie im Monat wenigstens 200 Dollar, um das Wichtigste zum Leben zu zahlen. Die Regierung plane sogar gesetzliche Mindestlöhne. Der absolut tiefste Lohn in den am schlechtesten bezahlten Arbeiten soll 152 Dollar betragen. Die Lehrer und Direktoren waren somit in den vergangenen vier Jahren völlig verarmt!

Die Reise nach Kongo im August 2000

Sie fand alle Angaben von Ngoy bestätigt. In der Stadt herrschte Ruhe und Ordnung. Die Militärs aus der Mobutu-Zeit waren verschwunden; es gab wieder internationale Flugverbindungen. Man konnte sich frei auf den Strassen bewegen. Einzig die Ein- und Ausreiseformalitäten waren etwas mühsam und zeitraubend. Denn offiziell ist der Kongo immer noch im Kriegszustand. Dank den guten Beziehungen von Ngoy gab es aber keine ernsthaften Probleme.

Sämtliche Lehrer und Direktoren aus Lubumbashi, Kamina und Kolwezi waren anwesend und wurden zu Gesprächen empfangen. Es zeigte sich, dass vor allem die Lehrer beinahe Übermenschliches geleistet hatten. Obwohl sie viel zu wenig verdienten, unterrichteten sie weiter gehörlose Kinder. Sie nahmen oft verwaiste, ausgestossene und kranke gehörlose Kinder bei sich privat auf. Sie bemühten sich um guten Kontakt zu den Eltern. Sie opferten fast ihre ganze Freizeit für die gehörlosen Kinder.

Die Lehrer in Kamina hatten freiwillig und ohne zusätzlichen Lohn eine Sekundarschulstufe eingeführt. Das wusste die CGAM nicht, da die Post von Kamina nicht nach Europa durchgekommen war.

In Kolwezi arbeiteten nur noch zwei Lehrer und ein Direktor.

Die Lehrer von Kolwezi

Die Lehrer von Kolwezi

Beide Lehrer unterrichteten je drei Primarklassen zugleich. Der Direktor hatte bis vor kurzen ebenfalls unterrichtet. In den letzten Monaten war er mit einem Projekt beschäftigt. Er wollte ein neues Schulhaus bauen. Der Bürgermeister von Kolwezi hatte ein Terrain zur Verfügung gestellt, dazu einige Lastwagen mit Baumaterialien. Eltern und Firmen hatten mündlich versprochen: sie wollten beim Bau helfen. Es fehlte aber die Zustimmung der CGAM. Die CGAM hatte nur eine schlechte Dokumentation über das Projekt, weil mehrmals Briefe nicht ankamen.

In Lubumbashi hatten Lehrer und Direktoren ebenfalls viel geleistet.

Die Lehrer von Lubumbashi

Die Lehrer von Lubumbashi

In einer normalen Berufsschule hatten sie eine Gehörlosenklasse eröffnet Dort lernen erwachsene Gehörlose Schneider. Dank World Vision erhalten sie zur Zeit ein Gebäude für eine Berufsschule.

Die Berufsschule Lubumbashi im Bau

Die Berufsschule Lubumbashi im Bau

Ferner hatten sie auf dem Schulareal Gemüse angepflanzt und einen Fischteich angelegt. Sie können sich jetzt teilweise selber versorgen und einiges auf dem Markt verkaufen. Allerdings fehlt es überall am Geld.

Die Berufschulklasse hat oft keinen Stoff und kein Nähwerkzeug mehr. Sie funktioniert nicht richtig.

Die Lehrer können ihre eigenen Kinder nicht zur Schule schicken. Sie haben zu wenig Geld. Sie müssen mit zerschlitzten Hemden unterrichten und können keine Medikamente bezahlen.

Eine kleine Schülerin

Eine kleine Schülerin

Die CGAM konnte dieses Problem bis heute nicht lösen. Sie erhielt bis jetzt fast nur Spenden von norddeutschen Gehörlosen und einigen Taubblinden. Alle diese Spender sind nicht reich. Sie können nicht noch mehr geben. Seit Anfang 2000 ist der Dollarkurs stark gestiegen. Das frass einen grossen Teil der Einnahmen weg. Die Geldüberweisung in DM/Euro klappt nicht. Es geht nur in Dollar. Es ist klar: eine Lohnerhöhung ist dringend notwendig. Aber die CGAM braucht dafür zuerst mehr Spenden. Sie hat fast keine Reserven. Alles wird für die laufenden Kosten gebraucht.

Ehemalige gehörlose Schüler aus Lubumbashi

Ehemalige gehörlose Schüler aus Lubumbashi

Die CGAM-Delegation hat neue Strukturen geschaffen. Jede der drei Schulen bekommt einen Verwaltungsrat. Der besteht aus dem Direktor, einem Lehrer, einem Eltern- und zwei Kirchenvertretern. Der Verwaltungsrat macht die Supervision (Kontrolle) über die Schulen. Er erledigt auch administrative Aufgaben. So werden die Direktoren entlastet. Sie hatten bisher zuviel zu tun. So mussten die Direktoren von Kamina und Kolwezi bisher alle drei Monate nach Lubumbashi reisen. Sie mussten bei Ngoy das Geld abholen. Die Wechselstuben öffnen und schliessen nach Belieben. Manchmal sind sie eine ganze Woche geschlossen. Oft haben sie kein Bargeld und können kein Schulgeld auszahlen. So blieben die Direktoren oft lange weg. Daher wird in Zukunft ein Kirchenvertreter des Verwaltungsrats das Geld abholen. Eine Banküberweisung direkt nach Kamina und Kolwezi ist nicht möglich.

Ngoy bleibt als unabhängiger Berater bei der CGAM. Er und ein Vertreter von World Vision überwachen das Bauprojekt in Kolwezi. Die CGAM kann nur wenig finanziell helfen. Wir hoffen, dass weitere Spenden eintreffen und die mündlichen Versprechen von Eltern und Firmen auch eingehalten werden.

Ein besonderer Höhepunkt der kurzen, aber intensiven Woche in Lubumbashi war der Empfang beim Bürgermeister von Lubumbashi. Dieser zeigte sich beeindruckt von der Arbeit der CGAM. Er versprach, die Gehörlosenschule zu besuchen und nach Möglichkeit zu unterstützen. Der Auftritt beim Bürgermeister wurde im lokalen TV übertragen, ebenso ein Interview mit dem Direktor der Schule Lubumbashi. Hoffentlich bringt es etwas. Der Bürgermeister ist gläubiger Christ.

Das Schlussessen mit allen Lehrern und Direktoren am 31. August 2000

Das Schlussessen mit allen Lehrern und Direktoren am 31. August 2000

Wichtig war auch eine direkte Begegnung mit den Eltern der gehörlosen Kinder von Lubumbashi. Die Eltern hatten viele Fragen. Sie wollen sich organisieren und eine Elternvereinigung gründen.

Eine Sitzung mit Eltern von gehörlosen Kindern

Eine Sitzung mit Eltern von gehörlosen Kindern

Eine Reiseteilnehmer erzählt ihre Eindrücke

Ich, Catherine war zum ersten Mal dabei auf einer Reise in den Kongo. Ich möchte erzählen, wie ich dieses Land erlebt habe und meine Eindrücke schildern.

Die Realität in Kongo

Die typische Kongo-Frisur
Die typische Kongo-Frisur

Will man auf Kongos Strassen überleben, fährt man im Slalom um die Löcher herum und hofft, die entgegenkommenden Autos können ausweichen. Wenn es dunkel wird, tauchen plötzlich unbeleuchtete Autos auf. Auf den Strassenrändern sitzen oft Menschen, die etwas verkaufen: ein Glück, wenn man sie in der Dunkelheit sieht.

Will man in Kongo überleben, ist man zur Gratwanderung zwischen Recht und Unrecht gezwungen.

Hat man Arbeit ist der Lohn meistes klein. Sozialleistungen (AHV, IV...) gibt es keine. Viele Kinder sind die einzige Sicherheit, im Alter ein Bett und Essen zu haben. Stirbt der Vater, wird der älteste Sohn zum Vater. Er ist verpflichtet, für seine Mutter und seine oft noch kleinen Geschwister zu sorgen. So kann sich eine Familie mit fünf Kindern nicht durchschlagen, denn der Lohn bleibt gleich.

Will man in Kongo überleben, muss man lernen zu hungern, zu frieren und mit der Malaria zu leben.

Dies gilt für die ganze Bevölkerung, mit Ausnahme der wenigen Reichen, der Mafia und der gut geschulten Spezialisten. Diese hatten das Glück, zur Schule gehen zu können und eine Ausbildung zu erhalten. Die Landbevölkerung, die Randbevölkerung und die Behinderten sind von diesen Vorteilen meistens ausgeschlossen.

Dies gilt auch für die gehörlosen Kinder in den drei Schulen, die wir übernommen haben.

Unsere Kinder haben durchschnittlich vier Malariaanfälle pro Jahr. Für Medikamente haben die Familien kein Geld. Die Kinder haben Schulwege von 3 - 11 Km. Manchmal kippen sie in der Schule von der Bank oder, falls sie auf dem Boden sitzen, kippen sie einfach um. Grund: der Hunger.

Im Winter wird es sehr kalt. Letztes Jahr hat es geschneit. Ein Leben ohne Heizung, ohne Decke, und mit leerem Bauch. (Lubumbasi liegt auf 1200 M.üM.)

Lubumbashi

Das Schuldach ist undicht, es muss erneuert werden. Das Geld haben wir gesandt. Wir können aber nur reparieren, wir haben kein Geld, ein neues Dach zu bauen. Immerhin etwas können wir tun, das hilft schon sehr.

Kolwezi

In einer Schule, falls man so sagen darf (das ‹Haus› ist mehr ein Schweinestall), müssen die Zimmer mit hörenden Kindern und dem Chor geteilt werden. Eine Kirchgemeinde hatte Erbarmen, und die Räume zur Verfügung gestellt. Die gehörlosen Kinder haben dort von 12.30 bis 16.30 Schule. Ab 18.00 ist es stockdunkel. Strassenlaternen gibt es nicht, und wenn schon, hätte es keine Elektrizität; Stromausfall ist normal.

Kamina

Zuviel Arbeit, doch es braucht eine Sekundarschule. Diese wird zusätzlich in der Freizeit der Lehrer angeboten. Was machen die Jungen später? Berufsschule ? Schön wäre es. Wir sind dran.

Alle Menschen in Kongo

Die Lehrer verdienen wenig, sie versuchen, sich durchzuschlängeln. Sie leben in einem korrupten Land und sind dort gross geworden. Wir können nicht mit unseren Massstäben messen.

Sie haben die Kinder sehr lieb und sind sehr kompetent. Oft nehmen sie noch ein Kind mit sich nach Hause, wenn es zu spät geworden ist, oder sie holen es ab, wenn die Eltern finden, es brauche doch keine Bildung.

Die Not ist unbeschreiblich. Ein behindertes Kind ist eine Schande für die Familie. Schuld ist die Frau. Das führt oft zur Scheidung. Der Mann verschwindet und mit ihm der magere Lohn. Die Frau steht oft da mit einigen 'normalen' Kindern und dem behinderten dazu.

Die Gehörlosen-Schule ist gratis. Hörenden müssen pro Quartal 30 Dollar bezahlen. Dazu kommen Hefte, Schreibzeug, Uniform usw. Die Eltern können oft nur für ein/zwei Kinder bezahlen, für alle reicht das Geld einfach nicht. Wir können nichts fordern, die Eltern würden und könnten die Kinder nicht zur GL-Schule schicken. Sie kommen oft ohne Uniform, ohne Heft, ohne Bleistift, ohne gegessen zu haben.

Lubumbashi hat eine Berufschule. Die Schneiderabteilung hat eine alte Maschine für 15 Schüler. Die Schüler kommen ohne Stoff, ohne Schreibzeug, usw. zum Unterricht. Eine afrikanische Firma, die grosszügig unterstützte, ist nahe am Bankrott. Der Krieg frisst grosse Löcher in die Wirtschaft.

In der Berufsschule in Lubumbashi: alle abgebildete Personen sind gehörlos

In der Berufsschule in Lubumbashi: alle abgebildete Personen sind gehörlos

Eine junge Gehörlose zeigt uns, was sie in der Berufsschule genäht hat

Eine junge Gehörlose zeigt uns, was sie in der Berufsschule genäht hat

Es kommen Europäer, die Waffen verkaufen. Darum wurden wir auch ausgefragt. Umgekehrt mussten wir den Lehrern auch sagen, dass in Europa viele Ausländer kamen, die bettelten grosse Summen zusammen, welche nicht die Armen bekamen, sondern die Mafia kaufte Waffen.

Die Vorstellung vom reichen Ausland, das alle Probleme lösen kann, ist vorbei. Man muss alles gut begründen und dokumentieren. Die afrikanische Mentalität will das nicht verstehen. Dies ist unser Dauerkampf. Aber ich verstehe es auch. Nach einem Schultag mit ca. 6 - 20 Km und einer Klasse von 25 gehörlosen Kindern hätte ich auch keine grosse Lust mehr, Berichte zu schreiben. Zudem hat nur Lubumbashi eine Schreibmaschine, eine mechanische Schreibmaschine.

Lichtblicke (= Positives)

Wir haben drei Schulen, wir haben gute Lehrer, wir haben Ideen. Wir trafen auch motivierte Eltern, die voller guter Fragen sind, sie wollen mitmachen. Sie haben gesehen, was aus ihren Kindern werden kann, und wollen ihnen helfen.

Der Stadtpräsident von Lubumbashi hat uns empfangen. Er hat versprochen, die Gehörlosen-Schule zu besuchen. (N.B.: Inzwischen hat er die Schule tatsächlich besucht!) Er hat genickt, als wir ihm die Ehrenmitgliedschaft offerierten.

Hoffnung

Gott hat uns diese Not als Auftrag gegeben. Mit dem Auftrag wird er uns die Kraft und den Mut geben. Wir können etwas tun, und wir wollen es auch. Wir müssen mit einem reinen Herz an die Arbeit. ER hat in der Bibel versprochen: Wenn wir uns demütigen, wird ER unser Land heilen. Deutschland, die Schweiz und auch den Kongo. Unser Herz schlägt für unser Land, es schlägt für unsere Arbeit in Bolivien, es schlägt aber auch für den Kongo.

Die Bibel sagt: Wenn wir unser Herz vor den Hungrigen nicht verschliessen, werden auch wir in der Not gesättigt. Unsere Not muss nicht körperlich sein. Not hat viele Gesichter. Aber eines ist sicher, was wir säen, werden wir ernten. Mit Tränen säen wir, und mit Freunden ernten wir. ER hat den Kongo nicht vergessen. Wir wollen es auch nicht.

Aus der Gemeinschaft Januar 2001