Christliche Gehörlosen-Gemeinschaft

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Zeugnis und Erlebnisse an der WorldSkills in Seoul (5. – 23. September 2001)

Eine besondere 'Arbeits' -Reise...

Mein Leben

Als ich etwa sechs oder sieben Jahre alt war habe ich Gott zum ersten Mal gespürt. Als ich einmal lange krank, war fragte ich meine Mutter, warum ich eigentlich so lange krank sei. Da sagte sie, dass dies nur Gott selber wisse. Und sie empfahl mir zu beten, damit ich wieder gesund werde. Tatsächlich, am nächsten Tag wurde ich wieder gesund. Doch dann vergass ich dieses Erlebnis schnell wieder. Zwar hatte ich in meiner ganzen Jugend eine Art Angst vor Gott gehabt, ich konnte niemals schlecht über ihn denken, doch ich habe auch nicht erkannt, wer Gott eigentlich ist. Jesus war für mich einfach ein ‹guter Mann›, der uns helfen wollte. Mehr nicht.

Dann, am Pfingsten 2000, hat mir ein Mitschüler, als ich ihn besuchte, genauer erklärt, was es mit Jesus eigentlich auf sich hat. Ich war beeindruckt von seinen Erklärungen. Ich bin aber noch mehr verwirrt gewesen. Ich brauchte lange, um diese Eindrücke zu verarbeiten. Ich versuchte auch in der Bibel zu lesen. Doch der ‹Kick› kam nicht. Ich liess meine Beschäftigung mit Jesus wieder liegen.

Als ich im November 2000 erfuhr, dass ich in meinem Beruf, Elektroniker, Schweizer Meister wurde, war bei mir die Freude riesengross. Denn dies bedeutete die Teilnahme an der WM in Seoul. Im Frühling merkte ich, dass der Druck von allen Seiten auf mich gross war: Mannschaft, Verband, Firma, Schule und Kollegen. Ich fragte mich schon, warum ich diese Tortur eigentlich durchmachen muss. Ich war sehr unsicher.

Der Mitschüler überredete mich, nach Passugg ins Osterlager 2001 zu gehen. Dort erkannte ich, dass eine schöne Gemeinschaft herrscht und ich auch viel lernte. Die Erfahrungen waren eindrücklich. In der Folge darauf bekehrte ich mich einige Wochen später. Es war wirklich etwas Eindrückliches, man kann es nicht beschreiben. Denn nur Jesus schafft es, das Leben einer Person so zu verändern, so dass man das Gefühl hat, ein neuer Mensch zu sein. So begriff ich auch, was mit ‹ neugeboren› gemeint ist.

Gregor

Gregor

Nach der Bekehrung konnte ich ohne Probleme Jesus fragen, ob ich an der WM teilnehmen soll oder nicht. An einem Zusammentreffen der Teilnehmer zwei Wochen später bekam ich die Antwort aus dem Epheserbrief. Jeder Mensch habe seine Aufgabe, jeder Mensch habe eine andere Aufgabe als ein anderer Mensch. So erkannte ich, dass es meine Aufgabe ist, nach Seoul zu gehen, um als Gehörloser den Mitmenschen zu zeigen, dass Gehörlose auch existieren. Ich nahm die Herausforderung an und lernte für die WorldSkills.

Am Mittwoch, dem 5. September 2001, trafen wir uns, das heisst die 37 Kandidaten aus 35 Berufen, die Mannschaftsführer und die Experten in Kloten. Um ca. 23 Uhr, mit 2 Stunden Verspätung, flogen wir Richtung Hongkong ab. Also, die MD-11 der Swissair ist wirklich viel zu eng und man kann dort unmöglich schlafen. Der Flug dauerte ganze 12 Stunden. In Hongkong mussten wir sputen, damit wir den Flieger nach Südkorea noch erreichten. Mit der Cathay Pacific Airways, wirklich viel besser als die Swissair, sind wir in Seoul angekommen. Als wir dort ankamen, war es schon wieder Nacht, genauer: Donnerstag um ca. 23 Uhr.

Wir blieben drei Tage bis zum Sonntag in einem Pre-Camp, im Swissôtel Seoul. Für die meisten von uns war ein solches Fünfstern-Hotel einfach ungewohnt, und wir mussten uns richtig anpassen. Dort haben wir uns mental vorbereitet und hatten noch ein bisschen Freizeit. Doch dummerweise plagte mich am Samstag eine Art Grippe, so dass ich den ganzen Tag im Bett lag und die nächsten Tage geschwächt war. Ich machte mir anfangs schon etwas Sorgen, doch ich vertraute Jesus, dass Er das Beste für mich machen wird und den besten Weg für mich ebnet.

Dann am Sonntag mussten wir das Hotel wechseln, ins offizielle Hotel der Organisatoren, ins Olympic Parktel. Vom Swissôtel dorthin sind es etwa 30 km durch die Stadt und durchs Häusermeer. Das Olympic Parktel liegt mitten im Olympischen Park von Seoul, es ist also in etwas ruhigerer Lage. Dort sahen wir erstmals die Kandidaten der anderen Länder. Ich knüpfte hier die ersten Kontakte mit meinen Konkurrenten.

Der Austragsort von der Berufsolympiade in Seoul

Der Austragsort von der Berufsolympiade in Seoul

Montags wurden wir zu einem Ausflug in einen Palast und ins Seoul Tower ‹gezwungen›. Am Dienstag begann der Ernst. Wir dürften zum ersten Mal zum Wettbewerbsort, zum COEX-Gebäude, und die Atmosphäre dort ein bisschen schnuppern. An diesem Tag und am darauf folgenden Mittwoch mussten wir unsere Arbeitsplätze einrichten.

Am Mittwochabend war die Eröffnungsfeier. Wir mussten lange draussen warten, ehe wir mit der Schweizer Fahne hineinmarschieren durften. Wir waren mitten auf der Bühne vor ein paar Tausend Zuschauern, dies war ein spezielles Gefühl. Aber sonst war die Feier eher langweilig, viel Blabla (vom OK bis zum Premierenminister von Korea) und viel Musik.

Am Donnerstag begann der Tag, auf den alle von uns monatelange gewartet hatten: der Wettbewerbsbeginn. Ich war wieder gesund. Der Feedback am Abend bewies mir, dass ich an diesem Tag relativ gut arbeitete. Am Freitag dagegen war ich bei der Arbeit innerlich häufig blockiert. Ich konnte die Blockaden erst am Abend nach einem Gespräch mit den Mannschaftsführern lösen. Der Haken war nur, an jenem Freitag konnte man die meisten Punkte im Wettbewerb holen. Nach dem Gespräch ging es mir am dritten und vierten Tag viel besser. Ich wusste am Sonntag, also nach dem 4. Tag bereits, dass ich nicht viel erreichen werde. Ich hoffte innerlich aber noch auf ein Diplom.

Montag und Dienstag hatten wir frei. Wir besuchten am Montag mit dem Schweizer Team die Autofabrik Kia und das Fussball-Stadion von Seoul für die WM 2002. Dienstag jedoch werden die meisten Kandidaten wohl nie vergessen. Wir durften an die Grenze zu Nordkorea und wurden vom Schweizer General und der dort ansässigen Schweizer Friedenstruppe zu einem Essen eingeladen. Dort gab es endlich wieder normales Schweizer Essen, zum ersten Mal seit fast zwei Wochen. Der Besuch an die Grenze war speziell, da kein normaler Tourist dorthin gehen darf. Und man erlebt spezielle Eindrücke über die Situation der beiden Länder, welche offiziell immer noch im Krieg sind.

Am Mittwoch war die Schlussfeier, dort wusste ich bereits, dass ich kein Diplom bekommen werde, dazu fehlten mir 17 Punkte (ich hatte 483 Punkte, für ein Diplom wären 500 Punkte nötig). Ich war zuerst ein bisschen enttäuscht, ich fragte auch Jesus, warum es so kommen musste. Später war es mir klar: Wenn ich besser wäre, dann gäbe es einen noch grösseren Rummel um mich, v.a. wegen der Gehörlosigkeit, dies wäre auch nicht förderlich für mich gewesen und ich könnte so auf den falschen Weg kommen. Doch Jesus hat mich davor bewahrt. Dafür bin ich IHM dankbar. Und so konnte ich das Resultat problemlos akzeptieren.

Ich bin elfter von 15 Kandidaten geworden. In meinem Beruf als Industrieelektroniker haben der Liechtensteiner Thomas Hohl und der Deutsche Martin Grafmüller Gold gewonnen. Der Koreaner wurde ‹nur› Dritter. Die Schweizer haben insgesamt drei Goldmedaillen geholt (Landschaftsgärtner, Mechatroniker (= Automatiker) und Modellbauer).

Donnerstags flogen wir zurück nach Hongkong. Wir blieben dort bis Samstag. Dann ging es über London nach Zürich.

In Zürich gab es einen riesigen Empfang, es waren Tausende von Fans dort. Wegen mir kamen ca. 15 Gehörlose, meine Eltern und mein Lehrmeister. Es war sensationell.

Ankunft in Zürich - wo ist Gregor ?

Ankunft in Zürich - wo ist Gregor ?

Ich war froh wieder ‹back at home› zu sein, vor allem wegen dem Essen!

Übrigens: In zwei Jahren sind die WorldSkills in St. Gallen. Dort könnt Ihr selber Eindrücke einer Berufsweltmeisterschaft sammeln.

Aus der Gemeinschaft Januar 2002