Christliche Gehörlosen-Gemeinschaft

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Zeugnis von Ana Maria (Buenos Aires)

Eine argentinische gehörlose Frau erzählt aus ihrem Leben.

Im Osterlager 2003 haben wir Ana Maria eingeladen. Sie ist gehörlos und arbeitet als Gebärdensprach-Lehrerin in Buenos Aires, Argentinien. Sie hat uns von ihrem Leben erzählt. Hier eine leicht gekürzte Zusammenfassung ihres Vortrages.

Wie habe ich Gott kennengelernt?

Vor 25 Jahren führte meine Schwester ein katastrophales Leben. Sie war im Drogen-Milieu. Meine Familie hat sehr darunter gelitten. Meine Schwester wurde immer wieder von der Polizei erwischt. Ich habe oft die Nerven verloren und meine Schwester geschlagen. Im Laufe der Jahre hat meine Schwester sich verändert. Sie hörte auf zu trinken. Ich fragte sie, was denn passiert sei. Sie antwortete, dass ein Freund ihr geholfen habe. Ich sagte, ich möchte diesen Freund kennen lernen. Die Schwester war einverstanden. Sie hat sich sehr schön angezogen. Dann gingen wir zum Haus dieses Freundes. Es war eine Kirche. Dort haben die Leute gesungen. Ich fragte meine Schwester: «Wo ist dein Freund?» Die Schwester antwortete: «Es ist Jesus selbst». Die Lieder haben mich sehr beeindruckt. Ich spürte es stark im Herzen. Der Pastor hat gepredigt, und während der Predigt spürte ich ebenfalls einen Drang im Herzen. Der Gottesdienst dauerte drei Stunden, ich fühlte mich gerührt, super und habe geweint. Dann fragte der Pastor, ob jemand Jesus aufnehmen möchte. Ich sagte sofort: «Ja, ich will» und ging nach vorn.

Bisher lebte ich anständig. Als Jesus in mein Leben kam, änderte sich nicht viel. Ich hatte vor allem Mühe, andern Leuten zu vergeben.

Andere Gehörlose in Argentinien haben sich auch bekehrt. Ich hatte einen Freund. Nach einem Jahr ging es auseinander. Und so kam ich auf eine schiefe Ebene. Ich war sehr aktiv in den Gehörlosenvereinen und -verbänden. Aber dort habe ich viel schlechten Einfluss erlebt. Ich tat viele schlimme Sachen, und wusste, dass sie Gott nicht gefielen. Ich spürte, wie Gott mich anschaute. Aber ich machte weiter falsche Dinge. Mit einer Gruppe von Gehörlosen lernte ich im Casino um Geld spielen. Wir spielten viel, aber wir verloren auch viel. Ich machte hohe Schulden. Früher war mein Vater reich. Er hatte z.B. drei Häuser. Wegen meiner Schulden hat er zwei verkauft. Und ich musste viel Geld ausleihen bei Freunden. Ich verkaufte auch das Auto, trotzdem blieben immer wieder Spiel- und andere Schulden.

Ana Maria

Ana Maria

Ich hatte eine jüdische Freundin. Sie reiste oft nach Israel. Dann gab sie mir den Schlüssel für ihre Wohnung. Ich war dann oft in Versuchung zu stehlen, hin- und her gerissen. Zwei meiner gehörlosen Kollegen und ich beschlossen einmal, in der Wohnung der Jüdin Geld zu stehlen. Ich betrank mich vorher, um nicht Angst zu haben. Ich drang ins Haus ein – uff, die Jüdin war zu Hause! Ich habe 2000 Dollar gestohlen und gehofft, die Jüdin habe mich nicht erkannt, weil ich verkleidet war. Die 2000 Dollar musste ich dann noch mit den zwei Gehörlosen teilen. Und ich hatte so hohe Schulden. Als ich nach Hause kam, fühlte ich mich schlecht. Ich hatte meine jüdische Freundin bestohlen und trotzdem nur so wenig Geld erhalten. Langsam beruhigte ich mich, da kam eine gehörlose Frau aus dem Gehörlosenverein zu mir und klopfte ans Fenster. Etwa 100 Gehörlose waren draussen. Ich fühlte mich komisch, ging hinaus - und wurde sofort von der Polizei verhaftet! Auf dem Kommissariat kam meine gläubige Schwester und sagte mir, ich soll die Bibel lesen. Ich lehnte ab. Danach kam ich provisorisch in ein Frauengefängnis. An einem Türeingang war an die Wand geschrieben:

Vertrau auf Gott, ER wird dir helfen

O nein, das wollte ich nicht…

Ich musste übers Wochenende im Gefängnis bleiben; erst am Montag sollte ich vor Gericht kommen. Im Gefängnis war es furchtbar: keine Dusche und wenig Essen. Und wieder an der Wand dieser Vers:

Vertrau auf Gott, ER wird Dir helfen

Ich wollte nicht da bleiben. Meine Mutter war zu dieser Zeit krank, und ich wollte sie doch pflegen…Ich konnte wenigstens nach Hause telefonieren lassen. Meine Schwester kam und brachte mir Essen und warme Kleider. Ich spürte, wie meine Schwester mich anschaute. Im Gefängnis gab es nichts, kein TV, keine Bücher, nur eine Bibel. Aus Langweile begann ich halt doch, die Bibel zu lesen. Dazu rauchte ich Zigaretten. Als ich die Bibel öffnete, spürte ich etwas wie ein Licht. Ich erinnerte mich an damals, als ich mit meiner Schwester in jene Kirche gegangen war. Und wie glücklich ich mich damals gefühlt hatte. Ich habe dann mit dem HERRN gesprochen. Gleich fühlte ich mich innerlich frei, obwohl ich im Gefängnis war. Meine Seele kam frei. Ich spürte, dass Gott mich liebte. Ich sah IHN nicht, aber ich spürte IHN und hatte Freudentränen. Die andern Frauen kamen zu mir und sagten, du wirst lange im Gefängnis bleiben. Ich antwortete: «Der Herr wird mir helfen». Alle Frauen schauten mir zu, wie ich die Bibel las, und ich erklärte ihnen von Gott. Beim Putzen betete ich, dass ich schnell wieder nach Hause gehen darf. Und wirklich, jemand kam und sagte mir: «Ana Maria, du bist frei!» Zuerst glaubte ich, man wolle mit mir böse Spässe machen. Aber nein, ich wurde wirklich abgeholt.

Ich musste aber zuerst noch zu einer Behörde, ein Papier holen. Dort sagten sie mir, in 20 Minuten sei alles in Ordnung. Aber nein…ich kam in eine kleine Zelle ohne Licht: Dort soll ich warten..nicht nur 20 Minuten, es wurden sieben Stunden. Ich ging auf die Knie und betete zum Herrn. Endlich, um drei Uhr morgens, kam jemand: Du bist frei…

Ich hatte kein Geld, nahm ein Taxi nach Hause. Meine Schwester war noch wach und bezahlte. Mein Vater war schwer krank und hat nichts begriffen. Die Mutter hatte schon gespürt, dass ich nach Hause kommen werde. Am nächsten Tag kamen etwa 20 Leute, auch Gläubige. Sie sagten: «Wir haben die ganze Zeit für dich gebetet», genau so wie damals (Apostelgeschichte), als Paulus und Petrus im Gefängnis waren.

Wirklich, diese Geschichte ist kein Märchen, sie ist wahr. Gott ist wirklich lebendig.

Nun hatte ich immer noch viele Schulden. Ich sprach mit meinem Pastor. Der sagte, nur ruhig und Geduld, Gott wird schon eine Lösung geben.

Kurz danach lag mein Vater im Sterben. Er war im Koma. Ich betete bei ihm und hoffte, er werde noch vorher Jesus aufnehmen. Wirklich, der Vater wachte nochmals auf, ich sagte ihm: «Jesus ist für dich gestorben». Der Vater blickte noch auf zu mir, dann starb er.

Wir sollen erzählen, was wir mit Jesus erleben. Er ist für unsere Sünden gestorben und kann uns von Schuld freimachen.

Nach langem Bemühen gelang es mir, mit der Jüdin zu sprechen. Sie wollte zuerst nichts von mir wissen, auch die Mutter der Jüdin nicht, Zuletzt haben wir doch miteinander gesprochen. Als Jüdin versteht sie die Vergebung nicht. Aber ich habe meine Schulden inzwischen alle zurückbezahlt. Die Bibel sagt:

Die Wahrheit macht uns frei

Jetzt will ich noch die Sekundarschule machen. Ich hatte vorher nur die Primarschule.

Ana Maria

Aus der Gemeinschaft Oktober 2003