Christliche Gehörlosen-Gemeinschaft

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Projektinformationen: Der erste Rundbrief von Stefan Krähenbühl

Stefan Krähenbühl ist jetzt in Bolivien. Hier sein erster Bericht.

Stefan Krähenbühl war schon drei Monaten in Riberalta gewesen, siehe Neuer Einsatz. Er geht nochmals dort.

Rundbrief

Sprüche 15,30:

Ein freundliches Antlitz erfreut das Herz.Eine gute Botschaft labt das Gebein

Meine liebe Freunde

Als Erstes möchte ich meinen Dank aussprechen für die grossartige Hilfe, die ich in der Vorbereitungszeit dieses Einsatzes erfahren durfte! Durch das Gebet, in der Beratung, mit der Auflösung und Reinigung der Wohnung, in all den schriftlichen Formalitäten, mit Einladungen zu Abschiedsessen und nicht zuletzt durch die finanzielle Unterstützung habt ihr mir wunderbar geholfen.

Der Abschied fiel mir schwer. Fünf, zehn, oder 33jährige Freundschaften nicht mehr nahe zu wissen ist gar nicht so einfach.

Land Bolivien

Nun gebe ich euch einige Gedanken und Erlebnisse von Bolivien weiter.

Die Hauptreligion ist der Katholizismus. Dieser ist jedoch stark vermischt mit der Kultur der Vorahnen. So werden z.B. die Opfergaben der Mutter Erde (pacha mama) überbracht. Aber auch die Sonne und andere Götter haben einen hohen Stellenwert. Die Landesprache ist Spanisch. Es gibt aber noch ganz viele Ursprachen, die wichtigsten sind Quechua, Aimara und Guarani.

Stefan Krähenbühl

Stefan Krähenbühl

Mein Zuhause

Das ist jetzt eine Grossfamilie. Die Grosseltern bestimmen über finanzielle und erzieherische Entscheidungen. Eine Tochter mit ihrem Mann und drei Kinder, die Älteste aus erster Ehe, ohne Ehemann, mit Tochter. Dazu noch drei Enkelkinder ohne Eltern. Eine solche Familiensituation ist typisch für Bolivien. Es sieht kompliziert aus, ist aber ganz einfach – die werdenden Väter fühlen sich nicht wohl in ihrer Haut, sie hauen ab. Die Mütter und Kinder finden Unterschlumpf bei dein Grosseltern. Zu berücksichtigen ist aber auch die grosse Armut. Viele Männer arbeiten im Ausland um die Familie ernähren zu können. Der erste Ausflug mit 13 Personen im Kombitaxi ist für meine Familie so normal wie de Kartoffel als Zugemüse zu jeder Mahlzeit!

Sprachschule

Für drei Monate widme ich mich ganz der spanischen Sprache und der bolivianischen Gebärdensprache. Im Einzelunterricht mit 12 verschiedenen Lehrerinnen kriege ich auch viel über die Kultur mit. Meine neuesten sprachlichen Erkenntnisse kann ich beim ‹Tschutten› mit den Nachbarkids einüben.

Gehörlose

Sonntags treffen wir uns in der Kirche. Der Gottesdienst dauert gut drei Stunden mit Singen, Predigt, Sonntagsschule und Diskussionen. Als der Hermano (Bruder) mit der offenen Bibel auf mich zukam, konnte ich nicht ahnen, dass er damit die Kollekte einsammelt. Im Stadttheater ACHA führten gehörlose Kinder das Stück ‹Villadormida› auf. Es wurde begleitet mit lauter Musik, welche die Gehörlosen durch die Vibration aufnehmen. Wunderschöne Szenen aus dem bolivianischen Alltag. Eine grosse Uhr als Sinnbild des Lebensrhythmus. Alles hat seine Zeit: schlafen, sprechen, arbeiten, feiern (lies in Prediger 3,1-22). Doch eines Tages war den Menschen die Uhr überdrüssig, zu genau und zu laut. Nun begann das Leben in Unordnung zu geraten: Diebstahl, Schlaf- und Trunkenheit usw. Als Lösung musste die Uhr wieder her, zum Wohl der Diebe und Schlafenden.

Politik

Bolivien ist eine ???? Die Korruption ist ein grosses Übel für die Bevölkerung. Viele Hilfsgelder landen in den Taschen der oberen Zehntausend, welche sehr sicher im Sattel sitzen. Wer in der Politik mitmachen will muss schon sehr reich sein um eine Wahl zu gewinnen. Die Landbevölkerung kann sich nur durch Streiks und Demos wehren, obschon sie die Mehrheit ausmachen.

Coca-Drogenkrieg

Auf Druck der Weltbank privatisierte Bolivien alle Zinn- und Silberminen. 30 000 Minenarbeiter wurden entlassen (1975). Viele zogen in den Chapare (Ort) um Coca anzubauen, für die Cocain-Herstellung. (Coca ist legal und in der bolivianischen Kultur tief verwurzelt. Es wird gekaut oder als Tee getrunken. Das Cocain ist jedoch illegal). Der damalige und jetzige Präsident Hugo Banzer förderte den Coca Anbau. Da die USA wegen des Drogenhandels und der damit verbundenen Kriminalität Druck auf Bolivien auszuüben begann, mussten die Cocaplantagen vernichtet werden. Die Existenzgrundlage der Cocabauern wurde damit zerstört. Ihren Unmut und ihre Wut zeigen sie in Demonstrationen, Strassensperrrungen, Entführungen und Ermordungen.

Wie weiter?

Wie überall in der Welt bereichern sie die Reichen und Mächtigen zu Lasten der Armen. Lösungen und Antworten sind rar. Ich trage jedoch Verantwortung für meine Mitmenschen. So liegt es an mir, den Trost durch Wort und Tat weiter zu geben. Psalm 9,10-13.

Weihnachten

Der Retter ist da. Lassen wir uns helfen? Ich selber bin in diesem fremden Land auf die Hilfe anderer angewiesen. Auch Gottes Hilfe erfahre ich täglich, z.B. im Strassenverkehr. Am 28. Oktober wurde ich haarscharf nicht überfahren.

Meine Lieben, in dieser Adventszeit wünsche ich euch Leben bringende Gemeinschaften wie helle Lichter in der Dunkelheit. Frohe Weihnachten und ein gesegnetes neues Jahr!

Herzlichst euer Stefan

Freundlichkeit ist eine Sprache die Blinde lesen und Taube hören können

 

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