Christliche Gehörlosen-Gemeinschaft

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Projektinformationen: Heimaturlaub von Andreas Kolb in der Schweiz vom 26.8.2000 bis 8.1.2001

Rückblicke aus seiner Heimaturlaub.

Wo und was hat bis jetzt Andreas Kolb gearbeitet?

Bekanntlich ist vor mehr als sechs Jahren ein Schweizer Gehörloser, Andreas Kolb, nach Bolivien ausgereist. Nach drei Jahren ‹Akklimatisierung› in Boliviens drittgrösster Stadt, Cochabamba, ist er in den Urwald nahe an die brasilianische Grenze in die Stadt Riberalta umgezogen und hat dort eine Schule für gehörlose Kinder wieder eröffnet, die seit mehreren Jahren geschlossen war. Am 26. August 2000 kam er zusammen mit Frau Sara und den Söhnen Josua (5) und Noé (2) erstmals seit der Ausreise wieder in die Schweiz. Er verbrachte viereinhalb Monate Heimaturlaub hier. Am 8. Januar 2001 ist er wieder zurückgeflogen nach Riberalta.

Noch ein letztes Gruppenbild vor dem Abschied

Noch ein letztes Gruppenbild vor dem Abschied

Wie ist dieser Heimaturlaub abgelaufen?

Vor allem und zuerst: ganz herzlichen Dank an alle!

Die Schweizer Gehörlosen haben Andreas Kolb nicht vergessen. Ganz im Gegenteil! Es war ein grosses Interesse vorhanden. Schon am Flughafen Kloten warteten über 40 Personen auf ihn, nicht nur Eltern und Geschwister, sondern auch viele Gehörlose. Mehrere Gehörlosenvereine, Institutionen und Pfarrämter haben ihn zu Vorträgen über seine Schule eingeladen. Dabei kamen immer sehr viele Leute, in Bern z. B. über 100! Auch eine Einladung aus der französischen Schweiz war dabei. Andreas Kolb konnte so im Gehörlosenzentrum Lausanne zum ersten Mal überhaupt sein Projekt auch den Westschweizern vorstellen. Die Fernsehsendung ‹Signes› (ist ungefähr das selbe wie früher in der deutschen Schweiz ‹Sehen statt Hören›) nahm den Vortrag auf und machte ein Interview mit ihm. Auch bei seinen Eltern in der Ostschweiz konnte Andreas mehrmals von seiner Schule erzählen. Lokalzeitungen aus dem Rheintal berichteten von ihm. Bei allen Vorträgen stellten die Zuschauer viele Fragen. Oft mussten die Organisatoren abbrechen, weil der Abend zu lang wurde. Und überall kamen sehr grosszügige Spenden zusammen. Das ist für die Zukunft der Schule in Bolivien sehr wichtig. Denn alles läuft nur dank Schweizer Spenden. Der bolivianische Staat zahlt nicht einen roten Rappen an die Schule. So viel Interesse und so viel Grosszügigkeit haben wir nicht erwartet. Die Gehörlosen in der Schweiz können solidarisch sein, das haben sie bei Andreas Kolb bewiesen!

Aber auch Eltern und Geschwister Kolb haben sich viel Mühe gegeben.

In diesem Sinne: Allen einen ganz, ganz herzlichen Dank für die wertvolle Unterstützung, den Organisatoren für Vorträge, den Spendern und allen, die irgendwie mitgeholfen haben, dass Andreas Kolbs Heimaturlaub in der Schweiz ein sehr schönes Erlebnis wurde!

Stellvertretung in Riberalta

Während Andreas Kolb in der Schweiz war, hat eine junge hörende Schweizer Kindergärtnerin, Mirjam Weber, die Stellvertretung in Riberalta übernommen. Mirjam war schon früher in Südamerika und auch in Riberalta bei Andreas. Sie hat als Praktikantin an der Gehörlosenschule in Zürich Wollishofen Gebärden und Gehörlosenkultur gelernt. In Riberalta hat sie sich sofort sehr wohl gefühlt und die Stellvertretung ausgezeichnet erfüllt. Sie hat die Erwartungen der CGG weit übertroffen. Nach der Rückkehr von Andreas nach Riberalta wird Mirjam in die Schweiz zurückkommen. Wir hoffen aber fest, dass sie wieder nach Bolivien geht. Sie war eine ausserordentlich wertvolle Hilfe für die Schule.

Unter Mirjam haben wir von allen Schulkindern erstmals ein Audiogramm erstellen lassen. Einige Kinder haben noch ganz beachtliche Hörreste. Das sollte man ausnützen. Leider haben wir im Moment keine Fachperson für Hörgeräte, Lautsprache usw. Wir hoffen, dass wir in nächster Zeit jemanden finden.

Wie weiter im Jahr 2001

Es gibt noch viel zu tun in Riberalta! Aber man muss alles in kleinen Schritten und langfristig planen. Jedes Schuljahr dauert von Mitte Februar bis Mitte November. Das Schuljahr 2001 hat am 12. Februar 2001 begonnen. Alle Kinder vom Schuljahr 2000 sind wieder gekommen, mit einer Ausnahme. Dafür ist ein neues Kind dazu gekommen. Die Lehrerin Dilma ist nicht mehr bei uns. Statt Dilma arbeitet jetzt eine Hörende, Bebi, für uns. Sie hat keine Lehrerinnen-Ausbildung, aber sie kann Gebärden und hilft auch in der Gemeinde Maranatha. Auch Stefan Krähenbühl arbeitet jetzt mit. Er war drei Monate in Cochabamba, hat Spanisch und Gebärden gelernt. Jetzt hilft er bei vielen Arbeiten aus.

Idee Pflegefamilie

Wir haben verschiedene Ideen, die wir verwirklichen möchten: Bisher haben wir nur Schüler aus Riberalta selber aufgenommen. Sie kommen am morgen zur Schule und gehen am Mittag wieder heim. Wir haben kein Internat. Ein Internat bauen und führen ist im Moment auch nicht unser Ziel. Dazu müssten wir zuerst Schlafräume, Küche, Personalwohnungen usw. bauen und viel mehr Personal anstellen. Aber wir haben nicht genug Geld und nicht genug Land dafür. Wir haben schon mehrmals Anfragen von Eltern aus andern Städten (z.B. aus Guayaramerin, über 60 km Urwald-Schlammstrasse entfernt, oder aus Reyes, 400 km Urwaldstrasse weit weg) erhalten. Solche Kinder möchten wir auch aufnehmen. Aber wo sollen sie schlafen? Wir hoffen, dass wir im Jahr 2001 Pflegefamilien in Riberalta finden, die bereit sind, während der Schulzeit ein gehörloses Kind aufzunehmen.

Integration

Andreas möchte versuchen, die besten der gehörlosen Schüler mit Dolmetschern in eine hörende Schule zu integrieren. Dazu braucht es gute Dolmetscher/innen. Die Dolmetscherausbildung ist ein wichtiges Projekt im Jahr 2001.

Wenn die gehörlosen Kinder erwachsen werden und aus der Schule kommen, was passiert dann? Ein grosses Problem...Arbeitsplätze in Riberalta gibt es nur sehr wenige, an den meisten Stellen wird man von reichen Arbeitgebern schamlos mit Hungerlöhnen ausgebeutet. Gehörlose haben es noch viel schwerer. Wir denken, es ist am besten, wenn wir selber Arbeitsplätze für Gehörlose schaffen. Wir möchten eine Schreinerei einrichten. Holz gibt es im tropischen Urwald genug. Die einheimischen Schreinereien arbeiten zum Teil lausig und mit viel Verspätung. Wenn die Gehörlosen gute Qualitätsarbeit anbieten, haben sie sicher Chancen gegen die hörende Konkurrenz. Dank den vielen Spenden, die Andreas Kolb auf dem Heimaturlaub bei seinen Vorträgen erhalten hat, können wir 2001 vielleicht mit dem Bau einer Werkstatt beginnen. So hätten wenigstens die Knaben/jungen Männer eine Berufsmöglichkeit.

Dann müssen wir überlegen, was wir mit den jungen Frauen machen. Auch sie brauchen Lebensunterhalt. Vielleicht nähen, sticken... Wir überlegen noch und brauchen Gebet.

Zum Abschluss: Einige persönliche Gedanken des CGG-Präsidenten zum Heimaturlaub von Andreas Kolb

Ich habe Andreas Kolb auf seinen Vorträgen meist begleitet und mitgeholfen bei der Organisation. Auch im Namen der CGG möchte ich allen herzlich für die viele Unterstützung danken. Es war sehr angenehm, mit den verschiedenen Organisatoren zusammen zu arbeiten.

Es war der erste Heimaturlaub von Familie Kolb überhaupt. Bei solchen erstmaligen Anlässen sammelt man so seine Erfahrungen. Auch wir von der CGG haben einiges dazugelernt, was wir nächstes Mal besser machen sollten.

Ein Aufenthalt von sechs Jahren in Bolivien ohne Heimaturlaub in der Schweiz ist zu lang. Das nächste Mal sollte Andreas nach drei oder höchstens 4vier Jahren wieder zu uns kommen. Wir müssen aber auch dann wieder eine gute Stellvertretung finden.

Ein Heimaturlaub von vier Monaten ist zu kurz. Neben einem Monat ‹Angewöhnung›, zwei Monaten Vortragstournee und einem Monat Ausreise-Vorbereitung bleibt zu wenig Zeit für Privates übrig. Einige Freunde von Andreas Kolb konnten ihn nicht oder nur kurz sehen. Das tut uns allen leid. Wir waren von dem riesigen Interesse selber überrascht. Nächstes Mal sollte Andreas wenigstens ein halbes Jahr hier bleiben.

 

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