Christliche Gehörlosen-Gemeinschaft

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Projektinformationen: Bolivien: Rückblick 2011

Ein Rückblick auf das Jahr 2011 in Riberalta

Privates

2011 wurde Daniel Gil neuer Schuldirektor. Andreas konnte sich aus dem Schulbetrieb etwas zurückziehen. Er hatte sich schon immer gewünscht, weniger als Schuldirektor tätig zu sein, dafür mehr als Missionar. Damit Familie Kolb etwas Abstand von der Schule hat, zügelten sie auf den September 2011 in die 700 Meter entfernte ‹Casa Sol›. Sie fühlen sich dort wohl. Das ist auch für die Stiftung FADES gut: die Einheimischen sollen lernen, auf eigenen Füssen zu stehen. Die Stiftung braucht auch mehr Büroräume.

Kolbs haben immer noch das gleiche Auto. Sie benützen es seit Oktober 2011 nicht mehr. Es wird immer schwieriger, das Auto zu reparieren. Dafür hatten sie für sich und für den neuen Schulweg der Buben ein Töffli gekauft.

Familie Kolb war über Weihnachten 2011 in der Heimat von Sara, in Tarija. Carole war einen Monat mit ihren Eltern in Patagonien. Inzwischen sind alle wieder zurück.

Schule / Werkstatt

Das Schuljahr 2011 begann am 14. Februar. Es kamen nur zwei neue Schüler. Ingesamt werden nun 47 Schüler/innen betreut, wovon 17 Schüler/innen in hörende Regelschulen integriert sind und für die Aufgabenhilfe in die Arca kommen.

Im Dezember 2011 bestanden fünf Gehörlose die dreijährige Lehrerausbildung. Sie können nun im Lehrerberuf arbeiten.

Auf dem ‹Casa Sol› wurde eine Werkstatt errichtet. Im Moment arbeitet dort nur ein Gehörloser (gläubig).

Mit den integrierten Schülern ist es manchmal nicht einfach, denn einige haben Probleme mit der Disziplin. Ihre Eltern sind oft überfordert und können ihnen während der Pubertät nicht helfen, weil die Kommunikation fehlt.

Gehörlose Kinder sind leichte Opfer für sexuellen Missbrauch. Im Bordell kann man schnell und leicht Geld verdienen. Daher ist diese Alternative für junge gehörlose Frauen attraktiv.

Die Schule arbeitet hier präventiv: durch Sexualkunde und Aufklärung über Geschlechtskrankheiten. Die Mädchen lernen, wie man sich gegen Übergriffe verteidigen kann. Durch die Vermittlung von biblischen Grundlagen, wird jeder Schüler in seiner Einzigartigkeit sowie sein Selbstwert gestärkt.

Traurig ist, dass wiederholt Diebstähle innerhalb der Räumlichkeiten von FADES stattfanden, wobei der Dieb vermutlich aus den eigenen Reihen kommt. Als Folge wurden die Sicherheitsmassnahmen verstärkt.

Gebärdensprache

Unter der Leitung des Gehörlosenbunds Bolivien wurden Kursunterlagen für die Gebärdensprachlehrer erstellt und nationale Weiterbildungskurse organisiert. Im Januar 2012 absolvierten 60(!) Teilnehmer den zweiten Kurs für Gebärdensprachlehrer. Ein wichtiges Ziel in den vom Erziehungsministerium unterstützen Kursen ist, dass in ganz Bolivien die gleichen Gebärden verwendet werden.

Geistlicher Bereich

Jeden Sonntag findet ein Gehörlosen-Gottesdienst statt. Meistens unterrichtet Andreas anschaulich biblische Geschichten. Vier Gehörlose, davon drei Jugendliche, machen den Lobpreis. Carole übersetzt für Hörende oder übernimmt die Stellvertretung von Andreas, wenn er nicht anwesend ist. Der Gottesdienst wird von durchschnittlich 21 Besuchern besucht.

Daneben gibt es Gebetstreffen der Mitarbeiter der Gehörlosen-Gemeinde. Einmal im Monat findet dort ein Abendmahl statt. Carole übernahm von Sara den Religionsunterricht. Sie freut sich, dass die Kinder offen sind und mitmachen. Während den Schulferien im August führte sie ein christliches Lager durch, in dem sechs Mädchen und ein Bub mitmachten. Daneben organisierte die Gemeinde weitere Anlässe. Zum Beispiel christliche Filmabende, an denen für die Gehörlosen übersetzt wird. Ein weiteres Experiment besteht darin, die ‹Gemeinschaft› in einfache Gebärdensprache zu übersetzen. So sollen gehörlose Gläubige ermutigt werden.

In Bolivien sind die Zeugen Jehovas sehr aktiv. Andreas und seine Leute benötigen Gebet, damit die Gehörlosen nicht auf die Zeugen Jehovas reinfallen und dass diese, die bereits bei den Zeugen Jehovas sind, den Ausstieg finden. So darf man sich freuen, dass eine hörende Lehrerin der Arca den Ausstieg geschafft hat.

Weitere Punkte

In der Stadt Riberalta gab es Öffentlichkeitsarbeiten zum Thema «Ohr». Das Interesse war gross, und als Folge davon sind einige Kinder neu in das Schuljahr 2012 eingetreten. Das Fernsehen hat einige integrierte Schüler interviewt.

Wenn man über Bolivien berichtet, muss man auch fast immer die politische Situation erwähnen. Immer wieder gibt es Streiks. Dann fällt die Schule aus, die Banken werden geschlossen und auf den Strassen sind keine Fahrzeuge erlaubt. Es gab Konflikte zwischen verschiedene Gruppen von Campesinos = «Indianer», Lehrer, Fabrikarbeiter, usw. und der Regierung. Warum? Durch einen Nationalpark soll eine Strasse gebaut werden, damit es eine direkte Verbindung zwischen Cochabamba und Trinidad gibt (heute muss man einen grossen Umweg über La Paz machen). Dieser Park wurde von früheren Regierungen immer geschützt, weil der Park ökologisch wertvoll ist und die Einheimischen befürchten, dass ihr Lebensraum damit zerstört wird. Doch man hört, dass der Präsident Evo Morales die Wahlen gewinnen konnte, weil er genau dieses Land den Coca-Bauern versprochen hatte. Leider denkt die Regierung nicht an die Zukunft, sondern nur daran, wie sie jetzt schnell zu Geld kommen kann.

Danke!

Eure Spenden machen dies alles möglich. So konnten die Kosten für die Internatskosten für einen Schüler (Noe Grover, der Bub auf dem Prospekt), für Schulmaterial, Medikamente und für die Pflege der Gehörlosengemeinschaft in Riberalta gedeckt werden.

Familie Kolb und Carole Lehmann danken

Vergelt’s euch Gott!

Sie geben uns noch folgenden Bibelvers mit (Ps 136,1):

Dankt dem Herrn, denn er ist gut zu uns!
Seine Liebe hört niemals auf!

 

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