Christliche Gehörlosen-Gemeinschaft

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Projektinformationen: Drei Monate in Riberalta

Stefan Krähenbühl (hörend) hat während drei Monaten im Gehörlosenzentrum Arca mitgeholfen. Er hat allerhand vieles erlebt.

Siehe auch sein erster Bericht: Meine ersten Eindrücke

Mein dreimonatiger Einsatz im Gehörlosenzentrum ‹Arca› ist leider vorbei. Ein grosses Stück von meinem Herzen blieb bei Familie Kolb und ihren gehörlosen und hörenden Freunden! Ich habe erlebt, wie Gott in kleinen Dingen Grosses macht. Psalm 8 ist mir dabei sehr wichtig geworden: Vers 2:

Herr, unser Herrscher, wie herrlich ist Dein Name in allen Ländern, der Du zeigst Deine Hoheit am Himmel!

Wer das Projekt Riberalta beobachtet, sieht: aus einem kleinen Samen wächst ein grosser Baum heran (Alles hat klein angefangen. Aber es wird grösser). Die Arbeit von Andreasund Sara Kolb in Riberalta trägt schon viele Früchte.

Je eine Torte für Josua und Noé!

Schulbetrieb (Schule)

Im Schulzimmer: Josua als «Lehrer»

Im Schulzimmer: Josua als «Lehrer»

Iglesia (= Kirche auf Spanisch)

Die Gehörlosen treffen sich in der hörenden Gemeinde ‹Dios es amor› (Gott ist Liebe). In der Hitze (Tag und Nacht!) erfrischen uns die biblischen Geschichten von Andreas. Jeden Mittwoch und Sonntag ist Bibelstunde. Andreas erzählt alle wichtigen Geschichten von der Schöpfung bis zur Geburt Jesus Christi. Die Zeichnungen stellt Andreas selber zusammen. Die Gehörlosen bekommen die Bildergeschichten im Kleinformat kopiert zum selber ausmalen zu Hause (Hausaufgaben).

Familie Kolb in den Ferien = Kirche geschlossen?? Nein, zum Glück nicht. Dilma und ich machen die Einleitung. Fanny und Erica (hörend) vertreten Andreas. Mittwoch Abend: Als wir mit Gebärdenlieder die Bibelstunde starten wollten, kamen die Hörenden und sagten, es gebe einen Film. Thema: Kommunikation...Da es in der Kirche nur einen Hauptschalter hat und alles stockdunkel wird, mussten wir wohl oder übel den ‹Film› anschauen (Wir unterhalten uns im bisschen Licht vom Film mit etwas grösseren Gebärden!).

Das Gehörlosen-Zentrum Arca. Der erste Stock mit der neuen Wohnung für Familie Kolb wurde im Oktober 1999 fertig gebaut

Das Gehörlosen-Zentrum Arca.
Der erste Stock mit der neuen Wohnung für Familie Kolb
wurde im Oktober 1999 fertig gebaut

ASL... (= Amerikanische Gebärdensprache)

Im Centro de Sordos werden Gebärdensprachkurse angeboten. Die Kurse sind schon gut besucht und dauern zwei Wochen. Pro Kurs lernt man ca. 250 neue Gebärden. Viele Hörende aus der Kirche lernen Gebärdensprache. Das ist sehr erfreulich. Die Gehörlosen werden besser verstanden und wertgeschätzt. Ich habe selber erlebt, wie wohltuend ein Dolmetscher ist. (ASL war für mich total neu, Andreas übersetzte zu Beginn). Ich besuchte auch Gebärdensprachkurse bei Fanny und Andreas. Im ersten Kurs fiel ich durch, im zweiten bestand ich die Prüfung! Wer übersetzt in der Kirche? Elisabeth, Erica, Delmira, Beby, Flavio und José.

Ohne Worte

Mit Fanny (gehörlos) und Stefan (hörend) in ASL:

Plasticksäcke

Fanny: Ich brauche Plastiksäcke. Gehst du einkaufen?
Stefan: Ja! Bald.

Fanny denkt: Der hat mich nicht verstanden. Kauft Plastiksäcke. Stefan ist mit der Arbeit fertig, kauft Plastiksäcke. Fanny und Stefan vom Einkaufen zurück, haben Plastiksäcke für ein Jahr.

Zucker

Fanny: Kannst Du mir Zucker bringen?
Stefan: Was??
Fanny: Zucker! Er steht im Trockenraum!
Stefan: Ja?

Denkt: wieso braucht sie Jogurt?

Wohnen

Zusammen mit Andreas, Sara, Josua, Noé und Fanny wohnte ich in der neuen 4-Zimmer-Wohnung. Wir hatten eine sehr gute Gemeinschaft und erlebten viele lustige Sachen, z.B. Stromausfall beim Nachtessen, kein Wasser am Sonntagmorgen. Die Gemeinschaft beim Fruchtsaft auspressen und beim Essen war uns allen sehr wichtig. Auch die Lichtklingel wurde von Besuchern und Notleidenden oft benutzt! Sara verwöhnt mit feinem Essen. Die Kinder geniessen ihre Erziehung, und mit den gehörlosen Frauen hat Sara viele tröstende, ihnen Mut machende Gespräche! (Seelsorge). Candelaira, unser ‹Goldschatz› und ‹Hausmädchen›: frische, saubere und glänzende Wohnung, Kleider, Fenster, Geschirr, Küche, Bad, Kinder, Hund... Fanny (Lehrerin) führte mich mit viel Geduld in die ASL (siehe oben) und hilft auch sonst überall mit, wo es Probleme gibt.

Josua und Noé als «Empfangskomitee» für Stefan

Josua und Noé als «Empfangskomitee» für Stefan

Essen und trinken

Morgens zwischen 06.00 und 07.00 Uhr kommt immer ein Brotjunge mit frischen Brötchen. Er wartet vor dem Centro mit seinem Horn und hupt und hupt und hupt... Ganz laut und lange. Der Milchmann macht es nicht besser. Er wartet leider nicht so lange und fährt davon. Beim Metzger (vor dem Haus hängt ein frischer Kuhkopf) sieht man vor lauter Fliegen das Fleisch nicht. Auf dem Markt mit den vielen tropischen Früchten: Ananas, Mango, Papaya, Bananen, Zitronen, Iguaisu, Kokosnuss, Garambola... Die Erfrischungsgetränke aus diesen Früchten schmecken wunderbar. Nicht nur weil man immer Durst hat, sondern weil die Zubereitung (von Hand) viel Kraft (auspressen) und Zeit erfordert. Das Hauptnahrungsmittel von Riberalta ist Reis, Poulet, Yucca und Kochbananen. Das gibt es überall. Im Restaurant kostet das Mittagessen ca. 5 Bolivianos = 1.25 Sfr. Sara kocht natürlich auch Pizza, Spaghetti, Polenta, Kartoffelstock...

Einkaufen

Wer hat was, wann und wo??? Mit Andreas auf Einkaufstour: jedesmal ein verrücktes Erlebnis. Geduld und Ausdauer sind wertvoller als Geld. Wir brauchten unbedingt Farbe, um das Centro zu verschönern. Von einen Eisenwarengeschäft ins andere, ohne Erfolg. Diese Farbe hatte es nicht mehr in Riberalta! Dafür kaufte ich eine Gitarre. Zuhause bemerkte ich den schrägen Klang. Umtauschen. Gitarre Nr. 2 ging kapputt. Ersatzgitarre Nr. 3 verschenkte ich, um Nr. 4 mit nach Hause zu nehmen.

Gehörlosentreff

Im Centro, beim Spiel-, Sport-, Gesprächs-, oder Filmabend, kommt keiner zu kurz. Auch nicht beim Schoggispiel. Andreas ist Schiedsrichter, damit nicht irgendwer eine halbe Tafel Schokolade in den Mund stopft (mit den Händen). Auch mit Messer und Gabel umzugehen ist für viele neu. Am beliebtesten ist das Löffelspiel, doch das müsst Ihr in Riberalta mitspielen, das kann ich nicht einfach so beschreiben. An einem Donnerstagabend gab Palmero bekannt, dass in zwei Tagen seine Hochzeit mit Sirlene sei! Darauf ‹erklärte› Andreas den Jungs, von jetzt an Sirlene in ‹Ruhe› zu lassen, und an der Hochzeit mit schönen und sauberen Kleidern zu erscheinen.

Sonne und Regen

Bei starken Regenfällen ‹schwimmen› die Kinder auf den Strassen. Das heisst: wo eigentlich die Strassen sind gibt es nur noch Bäche und Seen. Alles ist unter Wasser. Nur das Centro de Sordos nicht. Dachkännel und Abwasserrohre sorgen für trockenen Boden. So schnell die Gewitter kommen, ziehen sie auch vorbei. Die Sonne scheint und brennt vom Morgen bis zum Abend. Schattenplätze und Sonnenhut schützen gut, doch die enorme (hohe) Luftfeuchtigkeit und die Hitze bringen einem trotzdem ins Schwitzen.

Feiertage

Der wichtigste Tag in Riberalta ist...??... die Wahl des Bürgermeisters! Jedes Geschäft bleibt geschlossen, die Töfftaxis haben Fahrverbot, niemand darf arbeiten. Zur Stadt hinaus darf nur, wer abgestimmt hat. An Weihnachten, Ostern oder Silvester bleiben die Geschäfte geöffnet, all die vielen Töfftaxis sind auch unterwegs. Den ganzen Tag bis spät in die Nacht ‹chlepfen› und krachen Frauenfürze und Tonnenkracher. Aber nicht am Tag der Bürgermeister-Wahl!

Arbeit

Im Centro de Sordos führte ich unter anderem folgende Arbeiten aus: diverse Malerarbeiten, Herstellen von Moskitoschutzgittern, Instandhalten von Mobilien und Immobilien, Fotografieren, Überwachung der Maurerarbeiten, Werkzeugausleihung, Service am Auto.

Stefan auf der Leiter beim Fahnenmast-Anstreichen

Stefan auf der Leiter beim Fahnenmast-Anstreichen

Auto

In Riberalta gibt es fast nur Motorräder. Das Auto von Andreas ist sehr wichtig und wird oft gebraucht! Beispiele: Zügeln: die alte Frau im Rollstuhl, Möbel, Bett, Hühner, Kisten und Taschen hintendrauf (ich als Spanngurt). Kirche: die Geschwister von zu Hause abholen und auch zurückbringen (maximal 30 Personen auf ein Auto!!). Ferien: das Auto stand für drei Wochen in der Garage. Danach waren die Sitze ganz weiss! (Schimmel wegen der hohen Luftfeuchtigkeit).

Urwald

Die zwei wichtigsten Einnahmequellen von Riberalta sind das Exportieren von Almendras (Paranüsse) und Tropenholz. Da arbeiten auch viele Gehörlose mit. In Sägereien und Nussfabriken oder im Urwald, um die Nüsse zu sammeln. Mit Elias und Tim (beide hörend) machte ich eine zweitägige Velo-Tour quer durch den Dschungel (Urwald). Die Vielfalt und Grösse der Bäume und Pflanzen ist sehr eindrücklich. Obwohl es stark regnete und wir durch knietiefes Wasser mussten, war es ein Super-Erlebnis. Bei der Heimfahrt hatte Elias einen ‹Platten›, der Kettenwechsler von Tim zerbrach, und mein Zahnkranz am Velo machte es auch nicht mehr lange...

(Bolivianische Studenten behandelten die Schüler gratis)

Schwierigkeiten

Die Probleme der Gehörlosen sind in Bolivien viel schlimmer als in der Schweiz.

Letzter Schultag des Schuljahres 1999: die Buben in Uniform

Letzter Schultag des Schuljahres 1999: die Buben in Uniform

Kein Benzin

Kommt in Riberalta öfters vor. Es gibt jeweils nur noch in kleinen Mengen Benzin oder gar keines mehr.

Lösung: wir Menschen (Christen) können immer bei Gott auftanken. Gottes Gnade und Liebe gibt uns neue, frische Kraft. Hier in der Schweiz, dort in Bolivien!

Hiermit möchte ich auch Andreas und Sara, allen Hermanos y hermanas (= Geschwister), sordos y oyentes (= Gehörlose und Hörende) ganz herzlich danken für die Herzlichkeit und Gastfreundschaft in Riberalta!

Stefan bekommt zum Abschied von Andreas ein Diplom und ein T-Shirt

Stefan bekommt zum Abschied von Andreas ein Diplom und ein T-Shirt

Stefan Krähenbühl geht erneut nach Bolivien: Neuer Einsatz

Letzte Nachrichten aus Riberalta

Das Schuljahr 2000 hat begonnen – mit 29 SchülerInnen!! (1999 = 16) und fünf LehrerInnen (ein hörender Lehrer mehr).

 

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