Christliche Gehörlosen-Gemeinschaft

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Projektinformationen: Meine ersten Eindrücke

Stefan Krähenbühl weilt zur Zeit in Riberalta. Er berichtet was er dort erlebt.

Hier sind meine ersten Eindrücke von tausend!

Seid gegrüsst im Namen des HERRN und mit der Sonne und Wärme Riberaltas. Nach dreitägiger Reise bin ich wohlbehütet, pünktlich und mit allem Gepäck angekommen. Mit Andreas und Josua fuhr ich zum Centro Sordos. Da stand das neue Haus, wunderschön, hell und kühl! Falls man bei dieser Hitze von kühl sprechen kann. Ein herzlicher Empfang von Sara, Noé, Fanny und Katarina! Am Nachmittag feierten wir ein Geburtstagsfest. Es waren viele Gehörlose und Hörende mit dabei.

Wie fangt ein normaler Tag an?

Montagmorgen: Um 4.00 Uhr krähten alle Hähne, um 5.00 aufstehen, 6.00 Uhr Sonnenaufgang. Zuerst gemeinsame Andacht, Bibellesen, Erklären, Beten, Singen. Dann ausgiebiges Morgenessen.

Die drei letzten Schultage

Alle Schüler kommen, sie haben eine hellbraune Hose oder einen hellbraunen Jupe und das Arca-T-Shirt an. Alle staunen, ein neuer ‹Weisser›. Da wird gebärdet und erklärt, alles in amerikanischen Gebärden und ohne Lautsprache. Um 8 Uhr beginnt der Unterricht. Wer früher kommt, bekommt eine Tasse Kakao. Antreten, der Grösse nach in einer Reihe, Morgengebet. Jeden Montag gebärden die Schüler die Nationalhymne und hissen die bolivianische Fahne.

Andreas, Delmira und Fanny haben je eine Klasse, Dilma gibt Einzelunterricht. Delmira beginnt mit der Frage: ‹Was ist heute für ein Tag?› Langes Überlegen, jeder sagt etwas anderes. Am Schluss sind sie sich einig: ‹Lunes!›‹und was war gestern?› Das Studieren beginnt wieder... ‹und was ist morgen?› Am Schluss wird alles schriftlich festgehalten.

Fanny hat die Kleinsten und lehrt sie, verschiedene Formen und Farben zu erkennen.

Bei Andreas sind die Ältesten. Sie haben eine Prüfung in Mathematik! So vieles muss vor den Ferien noch erledigt werden! Schulbücher von Hand zusammenbinden, Turnkleider und -Schuhe reinigen, Schulzimmer aufräumen und blitzblank putzen!

Elternabend

Bis auf eine Ausnahme kommt mindestens ein Elternteil, und natürlich auch die Schüler. Das ist ein Wunder, wenn man bedenkt, wie es früher ganz anders war. Es gibt einige Kommunikationsprobleme. Doch im allgemeinen sind die Eltern und Lehrer zufrieden mit dem vergangenen Schuljahr. Wer das Schulgeld bezahlt hat, bekommt das Zeugnis...

Abschluss

Der letzte Schultag ist da. Es gibt einen gemeinsamen Gottesdienst mit der Hörenden-Schule Maranatha. Dann geht es im kleinen Kreis weiter mit Käsetäschchen und Kakao, Torte und Limonade. Der schwierigste Teil kommt noch. Andreas muss den Kindern sehr ausführlich und lange erklären, dass jetzt Ferien sind, November, Dezember, Januar – keine Schule. Im Februar dürfen sie wieder kommen!

Schule = viel Verwaltungsarbeit!

Für Andreas ist das Schuljahr noch lange nicht beendet. Er muss noch viele Abschlussberichte schreiben, das Inventar erstellen, Besprechungen abhalten,... Fanny hilft ihm dabei sehr. Auch für verschiedene Umbauten und Reparaturen ist Andreas zuständig. Ich helfe ihm dabei.

Die Lehrerin Fanny gebärdet ihren Namen

Die Lehrerin Fanny gebärdet ihren Namen

Auto-Transport

In der Kirche hat Andreas viele Aufgaben, sei es den Bibelabend vorbereiten oder Gottesdienst halten (Thema: Arche Noah). Und immer ist sein Auto voll "hermanos" und "hermanas" (Brüder und Schwestern), die Andreas nach der Kirche heimfährt (am Sonntag sind zwei Gottesdienste, am Morgen und am Abend).

Und nebenbei hilft Andreas beim Zügeln oder braucht sein Auto als Sargwagen! Ja, ehrlich, gestern wurden wir gebeten, einem Trauerzug voranzufahren. Quer durch die Stadt im Schrittempo.

Mit der Hilfe Gottes können Andreas, Sara und Fanny viel Not lindern. Sei es ganz praktisch oder auch in der Fürbitte. Die Gehörlosen sind sehr froh für die Liebe und Fürsorge, die sie im Centro Arca erfahren. So ist der Gehörlosentreff am Donnerstag-Abend auch immer ein Höhepunkt. Ganz, ganz viele kommen zum Spielen, Plaudern und Gemeinschaft haben.

Jetzt ist es 12.00 Uhr, 35° C im Schatten, Zeit, um Saras superfeines Essen zu geniessen. Siesta zu machen. Uns allen geht es gut, Noé entwickelt sich prächtig (hat ein wenig Übergewicht, Andreas auch!)

Noé Kolb, Juli 1999

Noé Kolb, Juli 1999

Siehe auch den Schlussbericht: 3monatigen Einsatz

 

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