Christliche Gehörlosen-Gemeinschaft

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Projektinformationen: Warum die Schule in Riberalta «Arca Maranatha» heisst?

Ein komischer Name? Nicht unbedingt. Man muss nur wissen: warum hat Andreas Kolb diesen Namen gewählt?

Die alte Gehörlosenschule in Riberalta hiess ‹Logos›. Logos ist Griechisch und bedeutet ‹Wort›. Das ist ein Hinweis auf das Wort Gottes, die Bibel. In dieser Schule sollten die Gehörlosen das ‹Logos›, das Wort, lernen: sprechen lernen, und die Bibel kennenlernen. Ein guter Name für eine christliche Gehörlosenschule. Aber... ‹logos› tönt fast gleich wie ‹locos›. Das ist spanisch. In Riberalta spricht man Spanisch. ‹Locos› heisst: ‹die Verrückten›. Diese Verwechslung ‹logos› - ‹locos› ist für Gehörlose peinlich. Gehörlose sind doch nicht verrückt! Es ist ein ähnlich ‹dummes› Sprach-Spiel wie im Deutschen ‹taubstumm-taubdumm›. Also passt der Name ‹logos› in spanischsprachigem Gebiet nicht für eine Gehörlosenschule.

Darum wählte Andreas einen andern Namen: ‹Arca›. Arca heisst ‹Arche›, die Arche Noah. Die Arche Noah war ein Fluchtort. Dort konnte Noah mit seiner Familie hingehen und Schutz finden. Schutz vor der Sintflut. Als die Sintflut vorbei war, konnte Noah wieder hinaus. Die Gehörlosenschule Riberalta ist ähnlich. Sie ist ein Zufluchtsort für gehörlose Kinder. Dort können die gehörlosen Kinder hingehen. Sie bekommen dort Schutz, Schutz vor der Gesellschaft in Riberalta. Die Leute in Riberalta haben kein Verständnis für Gehörlose und für andere Behinderte. Gehörlose sind nichts wert, man kümmert sich nicht um sie. Man legt gehörlose Babies einfach auf die Strasse und lässt sie dort liegen. Man missbraucht Gehörlose für die Kinder-Prostitution. Man tötet manchmal gehörlose Kinder einfach. Dazu verkauft man manchmal ihre Nieren und Herzen auf dem Schwarzmarkt nach Amerika und Europa. Für Transplantationen in Spitälern. Es sind schreckliche Zustände. Die Gehörlosen gehen unter, ähnlich wie die bösen Menschen zur Zeit Noahs. Da ist das Zentrum ‹Arca› wie eine Rettung, wie ein Zufluchtsort. Erst wenn die Schule fertig ist, wenn die Gehörlosen gelernt haben, sich zu wehren, erst dann gehen sie wieder hinaus. Ähnlich wie bei Noah, erst nach der Sintflut geht er wieder zur Arche hinaus. Der Name ‹Arca› passt also gut. Und auch ‹Arca› ist ein Name aus der Bibel.

Das Ganze heisst ‹Gehörlosen-Zentrum›, nicht Gehörlosen-Schule. Denn Andreas führt nicht nur eine Schule für Kinder, sondern auch einen Treffpunkt für erwachsene Gehörlose, organisiert Gebärdenkurse für Hörende und unterrichtet Gehörlosenkultur. Es ist also mehr als nur eine Schule. Daher besser ‹Gehörlosen-Zentrum›.

Als die alte Gehörlosenschule erstmals eröffnet wurde (etwa 1975), war das eine kleine Klasse in einer Hörenden-Schule, einer Privatschule der Kirche ‹Maranatha›. Die Kirche Maranatha ist eine sehr schnell wachsende Kirche in Riberalta. Sie hatte schon damals eine Privatschule für hörende Kinder. Es ist eine der besten Schulen in Bolivien. Heute hat es über 500 hörende Kinder in allen Schuljahren. Leiterin ist Edith Ramirez, eine Schweizerin, verheiratet mit dem Pastor der Maranatha, Francisco Ramirez. Beide sind wie Andreas Kolb bei der Schweizerischen Missionsgemeinschaft in Küsnacht ZH (SMG) als Missionare angestellt.

Bald kamen mehr gehörlose Kinder. Ein holländischer Missionar, Frederik (‹Freek›) van Berg, kaufte ein Grundstück neben der Schule Maranatha und baute darauf ein Haus. Dieses Haus hatte einen grossen Saal, genug für zwei Klassenzimmer. Daneben war eine 2-Zimmer-Wohnung mit Küche und Toilette für die damals 2 Lehrerinnen. So zügelte die Gehörlosenschule vom Haus der Maranatha in das neue Gebäude und erhielt den Namen ‹Logos›. Die Verwaltung (Schulbewilligung, Kontakt mit Schulbehörden, Lehrerlöhne, ‹Papierkram›, usw) aber blieb bei der Maranatha. Die ‹Logos› war immer der Maranatha unterstellt.

Dann wurde die ‹Logos› geschlossen. Keine Lehrer mehr. Und 1995 wurde der Eigentümer, Freek van Berg, pensioniert und wollte nach Holland zurückkehren. Was sollte mit dem Schulgebäude der ‹Logos› geschehen? Freek van Berg ging zu einem Notar in Riberalta und liess eine Urkunde schreiben: Er schenkt das ganze Gebäude und das Grundstück der Kirche ‹Maranatha›. Die Kirche ‹Maranatha› muss es aber gratis zur Verfügung stellen, wenn jemand wieder mit Gehörlosen arbeiten will. So hat Freek es uns schon im Dezember 1995/Januar 1996 gesagt, als Richard Bührer, Andreas und ich in Riberalta waren. Und so ist es auch geblieben. Als Andreas 1998 die Schule wieder eröffnen wollte, durfte er das alte Haus der ‹Logos› benutzen. Er muss nur Strom und Wasser bezahlen, mehr nicht. Eigentümerin der Grundstücks und der Gebäudes aber bleibt die Kirche ‹Maranatha›.

Daher der Name ‹Gehörlosenzentrum Arca Maranatha›.

 

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