Christliche Gehörlosen-Gemeinschaft

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Projektinformationen: 'Winterferien' in Bolivien (2. Teil)

Reisebericht von Daniel Fenner

Im Hauskreis mit Gehörlosen

Am Donnerstagabend besuchte ich zusammen mit Alberto einen Hauskreis in einer Privatwohnung im Stadtzentrum. Im Hauskreis waren Gehörlose, Schwerhörige und Hörende versammelt. Ich merkte: Wenn ich schon so viel nach Bolivien reise, muss ich unbedingt die bolivianische oder amerikanische Gebärdensprache lernen! Sonst aber klappt die Verständigung mit den bolivianischen Hörbehinderten ganz gut. Später besuchte ich einen weiteren Hauskreis im Haus von Alberto.

Sonntag, 27. Juni: Besuch aus Riberalta

Am Sonntag ging ich mit Juan in den Gehörlosen-Gottesdienst der Iglesia (Kirche)

‹Cristo Salva› (‹Christus rettet›). Bevor die Sonntagsschule zu Ende war, fuhren wir mit einem Taxi zum Flughafen, um unsere Freunde aus Riberalta zu begrüssen: Andreas Kolb, Fanny, Ricky, Jose, Remberto, Alicia und Pastor Cesar Achimo. Sie kamen als Teilnehmer der Kurse von Pastor Marco Antonio Arriens aus Brasilien (siehe weiter unten). In einem voll gestopften Taxi (sieben Fahrgäste samt Gepäck!) fuhren wir zusammen ins Stadtzentrum.

Montag, 28. Juni: Fotografieren in der Universität

Paola Innocente (Schweizerin, hörend) vom Missionswerk ‹Latin Link› lebt in Cochabamba. Sie hatte vier spezielle Kurse für Gehörlose und Hörende organisiert. Alle Kurse wurden vom hörenden Pastor Marco Antonio Arriens aus Brasilien durchgeführt. Pastor Marco kann perfekt Gebärdensprache und hat viele Jahre Erfahrung mit Gehörlosen. Die Kurse waren:

In allen Kursen, auch in den Kursen für Hörende, waren immer einige Gehörlose dabei: Andreas Kolb, Fanny, Ricky, Marcelo und andere. Andreas Kolb hat darauf bestanden, dass nicht nur Hörende in den Kursen sind. Damit es einen gegenseitigen Austausch gibt. Wie ich selber gesehen habe, hat sich das gelohnt. Andreas war auch deshalb überall dabei, damit er als Schuldirektor weiss, was seine Lehrer und Dolmetscher dort gelernt haben.

Vor allem der Kurs Nr. 2 war etwas Besonderes. Marco Arriens ist nicht nur ausgebildeter Pastor, sondern er hat auch eine professionelle Ausbildung in Theater und Pantomime. Pastor Marco kann Gesichtsausdruck, Körpersprache und Bewegung ganz lebendig und ausdrucksvoll kombinieren und darstellen.

Pastor Marco Antonio Arriens in voller Aktion in seinem Ausdruckskurs

Pastor Marco Antonio Arriens in voller Aktion in seinem Ausdruckskurs

Der Kurs ist eine gute Grundlage und Vorbereitung für Gehörlose, welche Theater oder Pantomime spielen, oder die einfach eine Geschichte oder Bibelstelle ‹mit allen Mitteln› ganz lebendig erzählen wollen. Als Beispiel erzählte Pastor Marco die Geschichte von David und Goliath, indem er abwechselnd den Goliath und den David spielte. Das war Spitze! Wie er als grosser Goliath den kleinen David ausgelacht hat...Von einem solchen Kurs könnte auch die Gehörlosen in der Schweiz viel profitieren. Pastor Marco hatte auch einige brasilianische Videos mitgebracht, die sehr gute Beispiele von ausdrucksvollem Gebärdensprach-Erzählen bringen.

Alle vier Kurse habe ich im Auftrag von Paola fotografiert. Das gab ziemlich viel Arbeit.

Dienstag, 29. Juni: Besuch in der Gehörlosenschule in Vinto

Am Dienstag besuchten Alberto, Ricky und ich die Gehörlosenschule in Vinto, wo Andreas und Sara Kolb im Dezember 1994 geheiratet haben. Andreas sagte uns: Geht erst am Nachmittag, dann ‹müsst› ihr nicht dort zu Mittag essen. Die Küche der Schule in Vinto ist schmutzig! Er muss es wissen, denn er hat ja einige Jahre in dieser Schule gearbeitet.

In der Gehörlosenschule Vinto machten wir einen Rundgang. Wir trafen einige Bekannte von früher. Es hat mir nicht so gefallen zu sehen, wie die Schüler dort wohnen. Die Wohngebäude und die Einrichtung sind nicht im gleichen guten Zustand wie in der Schule Arca in Riberalta. Wie der Schulunterricht ist, kann ich von so einem Kurzbesuch nicht sagen. Ricky sagte mir, dass die Schule in Vinto keine regelmässige direkte Unterstützung mehr aus den USA bekommt (sie wurde von Amerikanern gegründet). Die Unterschiede zwischen den zwei Gehörlosenschulen in Vinto und in Riberalta sind gross.

Pastor Marco und das Dolmetschen

Am Donnerstagabend war ich wieder zum Fotografieren im Kurs von Pastor Marco. Er zeigte den Gehörlosen diesmal auch, wie Gebärdensprach-Dolmetscher richtig dolmetschen sollten. Damit wir Bescheid wissen und wenn nötig reklamieren können. Wenn der hörende Referent ausdrucksstark und mit viel Gestik und Mimik spricht, muss der Dolmetscher ‹gleichziehen› und sich dem Stil der hörenden Person anpassen, nicht steif da stehen und knappe Gebärden zeichnen. Umgekehrt, wenn der hörende Referent leise und ruhig spricht, soll der Dolmetscher nicht zu viel Körpersprache verwenden. Wenn der hörende Referent einmal laut, einmal leise spricht, passt sich der Dolmetscher dem an, damit die Gehörlosen den Unterschied sehen können.

Sonntag, 4. Juli: Gott hat die Welt mit seinem Finger erschaffen (Psalm 8)

An diesem Sonntag ging ich am Vormittag mit anderen Gehörlosen in den Gottesdienst der Kirche ‹Cristo Salva›. Andreas Kolb hielt die Predigt in der Sonntagsschulstunde. Nach dem Gottesdienst entstand spontan eine Diskussion um Psalm 8. Dort können wir lesen, dass Gott das Weltall mit seinem Finger erschuf. Ein paar Verse weiter steht etwas vom Werk seiner Hände. Und im Johannes-Evangelium lesen wir, dass Gott die Welt durch sein Wort erschuf. Wie genau also hat Gott die Welt erschaffen? Am Ende (auch) mit Gebärdensprache? Ein interessanter Gedanke. Wichtig ist: Gott hat uns und die ganze Welt erschaffen, egal wie. Am Nachmittag war in Paolas Gemeinde im Stadtzentrum ein Spezial-Gottesdienst mit Pastor Marco. Das Predigt-Thema habe ich vergessen, aber sonst war dieser Gottesdienst eindrücklich! Mit viel ‹bewegtem› Lobpreis zu rhythmischer Musik.

Ein Unfall und ein Minigolfspiel

Am Dienstag Nachmittag fuhren Priscilla, ihr Pflegesohn Ignacio und ich mit dem Bus zum Minigolf. Unterwegs gab es zwischen unserem Bus und einem anderen Bus eine Streifkollision. Unser Bus bekam einen Blechschaden an der Seite, und dem anderen verbog es die vordere Stossstange. Beide Busse hielten kurz an, während die Fahrer die Sache erledigten. Dieser Verkehrsunfall mit dem Bus war der einzige Unfall, den ich in Bolivien hatte. Gott hat mich vor Schlimmerem bewahrt. Wenn man zuschaut, wie in Cochabamba gefahren wird, ist es ein Wunder, dass nicht viel mehr passiert.

Am Sonntag, dem 11. Juli reisten die ‹Riberalteños› (Andreas Kolb und seine Mit-TeilnehmerInnen von den Pastor-Marco-Kursen) wieder per Flugzeug zurück nach Hause. Einige Gehörlose begleiteten sie zum Flughafen.

Montag, 12. Juli: Die Seilbahn ist geschlossen - wir fahren trotzdem!

Dieser Tag war mein letzter Tag vor der Rückreise in die Schweiz. Am Vormittag machte ich letzte Einkäufe. Am Nachmittag wollten Priscilla, einige Gehörlose und Hörende und ich mit der Seilbahn auf den Hügel mit dem Cristo-Denkmal fahren. Bei der Seilbahn-Station angekommen, merkten wir: am Montag ist die Bahn ja geschlossen. Was machen? Mit dem Personal reden, so macht man das in Bolivien. Gegen einen kleinen Mehrpreis durften wir fahren. Auf dem Hügel hatte ich eine Idee: ich kann Priscilla fotografieren, wie sie Jesus die Hand gibt. Ich musste fast von unserer ganzen Gruppe solche Fotos machen und wurde auch selber fotografiert von Ignacio.

Dani vor dem Christus-Denkmal in Cochabamba, Hand in Hand mit Jesus! So wie im Psalm 73,23: (der Psalmschreiber sagt zu Gott)...Jetzt bleibe ich immer bei Dir, und Du hälst mich bei der Hand

Dani vor dem Christus-Denkmal in Cochabamba, Hand in Hand mit Jesus! So wie im Psalm 73,23: (der Psalmschreiber sagt zu Gott)...Jetzt bleibe ich immer bei Dir, und Du hälst mich bei der Hand

Rückreise

Am Dienstag, dem 13. Juli früh morgens wurde ich von Priscilla zum Flughafen gebracht und verabschiedet. Meine Reise führte mich über La Paz (sieben Stunden Wartezeit) - São Paulo - Madrid zurück nach Zürich, wo ich am Mittwochabend ankam und von meiner Hauskreisgruppe und den beiden Ruths (Maag und meine Schwester) empfangen wurde.

In Bolivien konnte ich den Alltag verschiedener Missionare mit ihren Freuden, Sorgen und Nöten teilen. Ich lernte die Kultur und die Umwelt des Gastlandes, die Menschen und ihre Bedürfnisse näher kennen. Ich konnte mich mit meinen Gaben und Fähigkeiten nützlich machen. Ich lernte, mich anzupassen. Die Zeit meiner Missionarsbesuchsreise in Südamerika hat mich persönlich bereichert. Sogar meine körperliche Fitness hat der Aufenthalt in der Höhe gestärkt. Ich hatte wertvolle Begegnungen und interessante Erlebnisse und kehrte mit angenehmen Erinnerungen nach Hause zurück.

Daniel F.

 

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