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Projektinformationen: Südamerika-Reise 2001/2002 von Daniel F. 1. Teil

Daniel besucht die Gehörlosenschule in der Stadt Riberalta.

Im Herbst 2001 sagte mir mein Chef: Ich muss meine Ferien (rund vier Wochen) noch im alten Jahr nehmen. Ich überlegte: Vier Wochen Ferien, wo? – Dann hatte ich die Idee: Andreas Kolb in Riberalta besuchen! Und dazu noch nach Cochabamba reisen und Material mitnehmen für Priscilla(Schwester von Elisabeth, Riberalta). Die Reise führte mich über Rio de Janeiro in Brasilien zu Thomas, einem hörendern jungen Missionar von meiner Gemeinde in Bern. Am Schluss habe ich auf dieser Reise mindestens sechs MissionarInnen besucht und ihnen Sachen aus der Schweiz mitgebracht. Das wurde eine richtige Missionsreise...!

Rio de Janeiro

Am Sonntag, dem 2. Dezember landete mein Flieger in Rio de Janeiro. Thomas und David, der Leiter des Zentrums ‹Tuiuti› von Jugend mit einer Mission (JMEM) im Stadtteil São Cristovão, begrüssten mich herzlich. Mein erster Eindruck war: Frühling! und es ist warm! (30° bis 35° Grad). Thomas wohnt und arbeitet in diesem JMEM-Zentrum. Das Maracaña-Fussballstadion (das grösste der Welt) befindet sich in der Nähe. Auf dem Hügel von São Cristovão liegt das Armenviertel, in dem Thomas die Strassenkinder betreut.

Thomas bastelt mit den Jungen vom Armenviertel

Thomas bastelt mit den Jungen vom Armenviertel

‹Unser› Armenviertel (eines von 700 in Rio) ist nicht das Schlimmste. Trotzdem erzählte mir Thomas eines Morgens: In der vergangenen Nacht sind bewaffnete Leute (Drogenhändler?) in dieses Viertel eingedrungen und haben eine Schiesserei gemacht. Von Drogenhandel und Drogenkonsum über Prostitution, AIDS, Kindesmissbrauch bis zu Spiritismus (Geister anbeten) findet sich dort alles, aber auch Gottes Gnade, und Menschen, die Jesus als ihren Erlöser angenommen haben.

An diesem Sonntag nahm mich Thomas auf eine mehr als zweistündige Busfahrt in eine Baptistengemeinde mit. In dieser Gemeinde haben die Gehörlosen vor dem Gottesdienst etwa eine Stunde lang einen Gebärdensprachkurs für die hörenden Gebärdensprach ‹lehrlinge› der Gemeinde gegeben (das sind fast alles junge Frauen). Der Gottesdienst war zusammen mit den Hörenden, mit Übersetzung. Ich hatte Freude an den Gebärdenliedern. So gut gebärden möchte ich auch können!

Am Mittwoch darauf hatte Thomas eine Überraschung für mich bereit. Wir fuhren in das Stadtzentrum zum Büro der Nationalen Baptisten-Mission. Dort arbeitet Marília, eine Hörende mit ausgezeichneten Gebärdensprachkenntnissen. Sie ist verantwortlich für die baptistische Arbeit unter Gehörlosen in Brasilien. Sie stellte uns ihren Arbeitsplatz und die MitarbeiterInnen vor und nahm uns dann mit auf einen Besuch zum Gehörlosenbund von Brasilien und zu einem Gehörlosenclub. Ich war sehr erfreut zu sehen: Nicht nur bei uns in der Schweiz, in der CGG, auch in Brasilien gibt es Menschen, die setzen sich voll ein für die Anliegen der Gehörlosen in den christlichen Gemeinden. Marília sagt das gleiche wie Daniel: Die Gehörlosen haben ihre eigene (Gebärden-) Sprache und Kultur. Die christlichen Gemeinden müssen das anerkennen und mit Gebärdensprach-Dolmetschern und eigenen Räumen und Programmen für die Gehörlosen unterstützen. Marília berät die Gemeinden und unterstützt die Bildung von christlichen Gehörlosengemeinschaften. Ein anderer Hörender aus Brasilien, Marco, hat im letzten Jahr zusammen mit Paola in Cochabamba (Bolivien) Gebärdensprachkurse durchgeführt. Dieses Jahr macht Mario dort wieder einen Gebärdensprachkurs. Es ‹läuft› etwas in Südamerika in der christlichen Gehörlosenarbeit!

Während fünf Tagen konnte ich die Arbeit von Thomas kennenlernen und auch ein wenig die Stadt Rio de Janeiro. Rio ist sehr schön und interessant! Thomas ist ein sehr guter Reiseführer und hat mir einiges von Rio gezeigt. Am 7. Dezember bestieg ich das Flugzeug, um über São Paulo und Santa Cruz nach Cochabamba zu fliegen. Mein Reisegepäck hatte viel Übergewicht. Thomas sagte dem Personal im Flughafen: «Das viele Gepäck ist für Missionare in Bolivien». Ich musste nichts extra bezahlen!

Cochabamba

In Cochabamba wurde ich von Priscilla, Riitta, einer gehörlosen Missionarin aus Finnland, und Nelly am Flughafen herzlich willkommen geheissen. Priscilla ist neu in Cochabamba, sie unterrichtet seit Februar (Schulbeginn in Bolivien) Biblische Geschichte an einer christlichen Schule für hörende Kinder. Priscilla hat gute Kontakte zu Paola Innocente und zu Ruth und Alberto und ihrer christlichen Gehörlosengemeinschaft. Riitta und Nelly wohnen im gleichen Haus wie Paola. Ich war froh, endlich fast alles ‹Missionsgepäck› loszuwerden!

In Cochabamba durfte ich im Gästehaus einer amerikanischen Mission wohnen: billig, aber gut. Am Sonntag nach meiner Ankunft besuchten wir den Gottesdienst der Kirche ‹Cristo Salva›. Zuerst hatten die Gehörlosen ihre eigene ‹Sonntagsschule›, anschliessend war ein gemeinsamer Gottesdienst mit den Hörenden, mit Gebärdensprach-Dolmetscherin. Für den Sonntag Mittag haben Priscilla und ich die Gehörlosen in die Stadt in ein Restaurant eingeladen. Ich war erstaunt zu sehen, wie weit das Geld in Bolivien reicht... für meine Begriffe ist alles so billig. Für die Bolivianer nicht, sie verdienen wenig!

Die Gehörlosengruppe der Kirche «Cristo salva» im Restaurant in Cochabamba

Die Gehörlosengruppe der Kirche «Cristo salva» im Restaurant in Cochabamba

Am Montag begleitete ich Priscilla in die Stadt zum Einkaufen für ihre neue Wohnung (Möbel, Kochherd, Waschmaschine, Kühlschrank). Fernando (gehörlos) hat mit seinem Auto Taxifahrer gespielt (und ordentlich verdient daran) und die hörende Tochter von Ruth kam mit. In Cochabamba bekommt man alles Gewünschte – gegen US-Dollars!

Am Abend gingen Riitta, Nelly und ich in den Gehörlosen-Sportverein Cochabamba zu einem Jubiläumsfest. Es war so feierlich, Nelly musste zwischendrin die bolivianische Nationalhymne gebärden! Ich kam dort mit dem Präsidenten des bolivianischen Gehörlosenbundes ins Gespräch. Er erzählte mir: im Sommer lebt er in Santa Cruz. Er verdient dann seinen Lebensunterhalt, indem er Porträts (Karikaturen) von Touristen zeichnet und verkauft. Für uns unvorstellbar, aber er kann scheint’s davon leben...

Ausflug nach Santa Cruz

Am Dienstag ging ich mit auf einen Ausflug nach Santa Cruz ins Tiefland. Ruth und Alberto, Fernando und Juan und ihre Frauen und Kinder, dazu eine Grossmutter, und Riitta, Nelly, Johanna aus Finnland und ich fuhren gemeinsam in einem Kleinbus. Wir waren etwa vierzehn Erwachsene/Jugendliche und drei Kinder. Zwei hörende Verwandte steuerten den Bus. Preis pro Person: 30 Bolivianos, das sind etwa Fr. 7.50 für 462 Kilometer. Die Fahrt mit einem grossen Linienbus kostet gleich viel. Unterwegs, vor der Ortschaft Yapacani, mussten alle Autos längere Zeit warten. Es war eine Demonstration mit Strassensperre im Gang. Niemand traute sich durchzufahren, alle hatten Angst, die Demonstranten zerstechen sonst die Autoreifen mit Messern und schlagen die Scheiben mit Steinen ein. Dort wird die Strasse immer wieder blockiert, manchmal wegen politischen/sozialen Problemen, manchmal wegen dem Anbau und Handel von Coca.

Unterwegs machten wir einen Halt an einer Strassenbrücke und gingen im Fluss schwimmen. Manchmal kamen grüne Blätter den Fluss herunter geschwommen. ‹Das sind Coca-Blätter›, sagten sie mir. Wahrscheinlich Abfälle. Interessant...

In Santa Cruz wurden Riitta, Nelly, Johanna und ich in ein Hotel gebracht, die anderen übernachteten bei Verwandten. Am anderen Tag fuhren wir mit dem Kleinbus zum Flughafen, Verwandte von Juan und Fernando abholen, welche viele Jahre in Japan lebten. Am Abend trafen wir uns bei einer Baptistenkirche, wo ein christlicher Gehörlosentreff ist. Leider waren nur ganz wenige Gehörlose dort. So gingen wir einfach zusammen essen.

Am Donnerstagmorgen begleitete mich Nelly zum Bus der ‹Flota Copacabana› – es wurde Zeit für mich, zurückzufahren. Am Abend gegen 20 Uhr kam ich in Cochabamba an, und am Freitagmorgen flog ich mit Priscilla in einem Flugzeug der ‹Transporte Aereo Militar› non-stop nach Riberalta. Priscilla hatte für uns die zwei allerletzten Plätze für einen Flug vor Weihnachten erwischt.

Das Flugzeug der «Transporte Aereo Militar» in Riberalta

Das Flugzeug der «Transporte Aereo Militar» in Riberalta

Riberalta

Ich war gespannt, wie das ist mit dem Aussteigen aus dem Flugzeug in die feuchtwarme Urwald-Luft. Also: es war sehr warm, es war sehr feucht, und ich bin nicht umgekippt!

JosuAndreaSaraNoé, Mirjam, Cesar und Elisabeth , der Abwart Ricardo, alle waren da und hiessen Priscilla und mich in Riberalta herzlich willkommen. Mit dem ‹Töfftaxi› von Ricardo wurde ich zum Haus von Andreas und Sara gefahren.

Regenzeit in Riberalta

Man hat mir gesagt, dass während meinen Ferien in Riberalta Regenzeit ist. Ich habe das nicht besonders beachtet. Die Flughafenpiste in Riberalta war noch schön trocken bei meiner Ankunft am 14. Dezember. Auch nachher war das Wetter recht sonnig, wenn auch gewitterhaft. Später regnete es aber ziemlich viel. Das hat mich nicht weiter gestört. So wurde es am Tag nicht so heiss, und in der Nacht war es kühler. Dafür war es immer feucht und wurde nach jedem Regen noch feuchter.

Eines Abends während dem Gottesdienst gab es ein tropisches Gewitter. Das Kirchendach ist aus Wellblech. Der Regen hat einen Riesenkrach auf dem Dach gemacht, die Dolmetscherinnen konnten nichts mehr verstehen. Nachher hat es nur noch wenig geregnet, aber die Strassen waren keine Strassen mehr, sondern Sturzbäche. Andreas hat mir erzählt: Manchmal regnet es noch viel stärker, als ich das erlebt habe. Dann ist die Strasse vor seinem Haus so voll Wasser, dass die ‹Brücke› aus Holz, die er als Garagenzufahrt braucht, überschwemmt wird.

Alltag in Riberalta

Das Klima

Thema Nummer eins für mich war am Anfang natürlich das feuchtwarme Klima. Was muss ich machen, um das Klima zu ertragen? – Die Menschen hier schwitzen alle genau so wie ich. Man behilft sich gegen die klebenden Kleider damit, dass man die T-Shirts drei bis vier mal pro Tag wechselt und wenn nötig zwischendrin eine kalte Dusche nimmt – es hat genug Wasser in Riberalta. Natürlich muss man dann jeden Tag Wäsche machen. Nicht vergessen: immer genug sauberes Wasser trinken! Und jeden Tag nach dem Mittagessen gründlich Siesta (Mittagsschlaf) halten.

In der Nacht wird es nur ein wenig kühler (25° Grad) und bleibt feucht. Ich hatte in meinem Schlafzimmer einen Ventilator. Den habe ich jeden Abend eingeschaltet. So war es ziemlich angenehm, auch ohne teure Klimaanlage.

Sonnenschirme

In Riberalta sieht man manchmal Leute am hellen Tag mit einem aufgespannten Schirm herumspazieren. Das habe ich mit meinem Regenschirm auch gemacht. Es ist viel angenehmer unter dem selbst gemachten Schatten, und niemand lacht darüber!

Töfftaxi

In Riberalta gibt es viele sogenannte Töff-Taxis. Fast keine Autotaxis. Der Einheits-Preis auf dem Stadtgebiet ist zwei Bolivianos für eine einfache Fahrt auf dem Soziussitz. Das sind 50 Rappen. Man muss immer daran denken: die Töfftaxifahrer haben fast nie Geld zum Wechseln. Man muss ihnen die zwei Bolivianos in Münzen genau abzählen. Wie haben wir es geschafft, immer genug ‹Münz› in der Tasche zu haben? Ganz einfach: nach dem Sonntags-Gottesdienst haben Andreas und ich beim Kirchen-Kassier Geld gewechselt.

Töfffahrt in der Regenzeit

Töfffahrt in der Regenzeit

Das Leben in Riberalta

In den letzten paar Jahren ist das Leben in Riberalta besser geworden. Strassenbeleuchtung, Müllabfuhr, Werkstätten, Läden (jetzt auch ein paar Supermärkte), alles ist entweder neu dazu gekommen oder verbessert worden. Medikamente bekommt man jetzt in einer richtigen Apotheke mit Beratung. Andreas Kolb ist sehr froh darüber. Viele Sachen, auch Lebensmittel, werden aus Brasilien importiert (die Grenze ist nur 88 km entfernt).

In Riberalta gibt es einen grossen Fussballplatz mit Beleuchtung (ziemlich neu) und dazu viele kleinere Sportplätze. Dazu eine Universität zur Erforschung des Urwalds – und viele, viele Primar- und Sekundarschulen. Und eine Möbelfabrik, wo sie aus dem schönen dunklen Tropenholz spezielle Bretter (aus vielen kleinen Holzwürfeln zusammengeleimt) für Italien produzieren. Andreas wollte einmal so etwas kaufen. Zu teuer – die Preise sind schon europäisch!

Bäume und Pflanzen

Im Hof wachsen zwei Bäume. Der eine Baum heisst ‹Pitanga›. Er gibt viermal im Jahr kleine rote Früchte. Das erinnert mich ein wenig an die Bibelstellen in Hesekiel 47, 12 und Offenbarung 22,2. Die Früchte sehen aus wie Äpfel, sind aber nur so gross wie Kirschen. Die Früchte sind sehr vitaminreich. Sara macht daraus Konfitüre und einen Saft. Mirjam Weber hat vor ihrem Haus einen gleichen Baum stehen, Cesar und Elisabeth Achimo ebenfalls. Der andere Baum ist ein Avocadobaum. Er trägt noch keine Früchte, aber er ist in zwei Jahren schon vier Meter hoch gewachsen. Auf dem Grundstück nebenan, das der CGG gehört, steht ein Mangobaum. Andreas verwendet zum Ernten der Mango-Früchte eine lange Holzstange mit einer Konservendose am Ende. Auf dem Grundstück des Nachbarn stehen Bananenbäume. Bei Andreas nicht, Bananen sind auf dem Markt billiger zu kaufen!

Mirjam hat schon ein eigenes kleines Haus für sich gemietet. Im Garten vor dem Haus wächst ein Riesen-Bambus mit armdicken Stengeln, etwa sieben bis acht Meter hoch.

Paranüsse

In der Nähe von Riberalta mündet der Fluss Beni in den Fluss Madre de Dios, dieser fliesst dann an der Stadt vorbei. An einem Nachmittag ging ich mit Andreas zum Madre de Dios spazieren. Der Fluss ist sehr breit, führt viel braunes Wasser und jede Menge Treibholz mit sich. Eine ganze Anzahl Schiffe war am Ufer festgemacht. Die Schiffe bringen Sand von den Sandbänken des Rio und transportieren Lebensmittel tagelang hinaus in den Urwald zu den ‹Campos› der Almendra-Nuss-Sammler. So heissen hier die Paranüsse (kann man auch in der Schweiz kaufen). Die Leute, welche die Nüsse sammeln, oft ganze Familien, ziehen weit in den Urwald und wohnen in vielen sogenannten Campos (Lagern aus Hütten oder Zelten). Von dort aus gehen sie zu Fuss stundenlang bis zu den Paranuss-Bäumen und sammeln die Früchte unter den Bäumen zusammen. Die Paranuss-Bäume werden von den Einheimischen nicht abgeholzt – die Nüsse sind viel zu wertvoll. Die Bäume wachsen sehr hoch, man kann nicht hinaufsteigen, und schütteln darf man sie nicht, sonst hagelt es einem die Früchte auf den Kopf.

Paranuss-Bäume

Paranuss-Bäume

Die Früchte werden geöffnet und die Nüsse herausgeklaubt und in Säcke abgefüllt, die dann ins Campo getragen werden. In Riberalta gibt es eine Anzahl Fabriken, dort werden diese Nüsse geröstet, mit speziellen Apparaten von Hand geschält, sortiert, verpackt und versandt. 80 kg Nüsse pro Person und Tag sind die normale Leistung an einem Apparat zum Nüsse schälen. Dieser Apparat (von Hand bedient) hat einen Hebel wie ein ‹einarmiger Bandit›. Es gibt tonnenweise Nussschalen als Abfall, die werden gesammelt und an das lokale Elektrizitätswerk verkauft, das produziert damit einen Teil des Stromes (der Rest wird mit Diesel erzeugt). Das ist ein bisschen Recycling (Wiederverwertung) und Umweltschutz im Urwald. Aber die Arbeiter sind schlecht bezahlt, obschon die Nüsse ziemlich teuer verkauft werden.

Meine ‹Ferienarbeit› in Riberalta

In Riberalta habe ich viel fotografiert (Dias für die CGG Schweiz), Bibelvers-Zeichnungen für die Kinderstunde von Priscilla gemacht und vor allem die vielen Fragen von Andreas Kolb zum Computer beantwortet. Ich habe ihm sogar einen Computervirus aus dem PC entfernt, aber das ist eine Geschichte für sich...

Bauarbeiten an der Schule ‹Arca›

Der Innenhof der Gehörlosenschule Arca Maranata wurde während meinem Besuch umgebaut. Ein palmstrohgedeckter Pavillon (sechseckig), offen mit einer Wand für die Wandtafel, wurde neu gebaut. Das Palmstroh ist sehr gut verarbeitet und bleibt viele Jahre wasserdicht.

Der Pavillon im Bau

Der Pavillon im Bau

Der Hof wird mit frischer Erde aufgeschüttet, dann gibt es einen neuen Rasen.

Auf diesem Rasen lässt Andreas zur Zeit einige Spielgeräte aufbauen. Eines davon ist eine Art ‹Seilbahn›. Dort klettert man an einem Ende hinauf. Dann ‹steigt› man in einen Autoreifen ein, der an einer Seilrolle aufgehängt ist. Dann lässt man sich mit Schwung ans andere Ende der Seilbahn tragen.

Bau der «Spielseilbahn»

Bau der «Spielseilbahn»

Ich habe zugeschaut, wie die Arbeiter die Seilbahn bauen. Die Pfosten aus Holz sind nur zum Teil vorbereitet. Nachdem die Pfosten in den Betonsockeln einbetoniert waren, sind die Arbeiter über ein Gerüst hinaufgeklettert und haben oben an den Pfosten gesägt und gebohrt und die Stützpfosten angepasst. So arbeitet man hier. Alles muss angepasst werden beim Bau. Sogar das Haus von Andreas wurde so gebaut. Einen allgemeinen Bauplan gibt es schon. Aber Detail-Baupläne? Wozu denn. Es geht auch so. Das ist Bolivien!

Die offene Veranda unter der Wohnung von Andreas (auf der Schulhausseite) lässt Andreas zur Zeit zumauern (mit Fenstern und Türen). Dort kommt ein Schulzimmer für Mirjam Weber hinein und ein Büro für die neue Sekretärin Emelina.

Bauarbeiten für die Schule Arca: Hier entstehen ein Büro und ein Schulzimmer

Bauarbeiten für die Schule Arca: Hier entstehen ein Büro und ein Schulzimmer

Gehörlosen-Gottesdienst in Riberalta

In der Kirche ‹Maranatha› (Pastor: Cesar) in Riberalta beginnt der Gottesdienst für alle, Gehörlose und Hörende, gemeinsam mit Gebet und Singen. Später gehen die Gehörlosen in einen eigenen Raum für die Sonntagsschule. Andreas und/oder Sara geben dort unabhängig von den Hörenden eine gehörlosengerechte Predigt. An einem Sonntag durfte ich die Predigt halten – mit Dolmetscher-Unterstützung von Andreas Kolb.

Gehörlosen-Gottesdienst in der Kirche Maranatha

Gehörlosen-Gottesdienst in der Kirche Maranatha

Ich war erstaunt und erfreut zu sehen, dass in der Kirche Maranatha ziemlich viele Hörende mehr oder weniger Gebärdensprache beherrschen, nicht nur die Dolmetscherinnen.

Hochzeitspredigt ohne Hochzeitspaar

Am Sonntag vor Weihnachten hatte Cesar in einem Dorf an der Strasse nach Guayaramerin eine Trauung zu halten. Seine Frau Elisabeth sowie Priscilla gingen mit. Die Kirche dort war voll mit Hochzeitsgästen und weiteren Leuten. Aber das Brautpaar kam nicht. So hielt Cesar einfach eine Predigt darüber, was uns die Bibel sagt, wie die Männer ihre Frauen behandeln sollen und umgekehrt (Epheser 5:21-33).

Später haben wir Cesar und Elisabeth gefragt: Warum ist das Brautpaar nicht gekommen? Haben sie es sich anders überlegt? Die Geschichte ist diese: Der Bräutigam ist von Beruf Polizist. Einen Tag vor der Hochzeit ging er zum Polizeichef und sagte ihm: «Ich möchte morgen heiraten». Die Antwort des Chefs: «Das geht nicht. Du musst noch ein Jahr lang unverheiratet bei der Polizei arbeiten, dann darfst du heiraten». Warum das? Offenbar gibt es dort bei der Polizei eine Vorschrift für ledige Polizisten, welche neu anfangen: die ersten drei Arbeitsjahre dürfen sie nicht heiraten. Pech für unseren Bräutigam: er war erst zwei Jahre bei der Polizei. Eigentlich hätte er das wissen müssen. – Bei uns in der Schweiz ist eine solche Vorschrift im Prinzip nicht möglich. Aber in Bolivien schon...

Autoreparatur in Riberalta

Das Auto von Andreas Kolb ist ein so genannter Toyota Pickup Truck, das ist eine Art Kleinstlastwagen oder Jeep mit fünf Sitzplätzen vorne und einer kurzen Ladefläche hinten.

Andreas braucht das Auto als Sammeltransporter für die Sonntags-Gottesdienste, für Materialtransporte, zum Einkaufen in Guayaramerin (Bolivien), beziehungsweise über die Grenze in Guayará Mirim (Brasilien) auf der anderen Seite des Flusses gegenüber Guayaramerin. Und natürlich, um seinen BesucherInnen die Umgebung von Riberalta zu zeigen. Etwa zwei Stunden entfernt ist ein schöner See mit sauberem Wasser, wo man gut baden kann.

Leider war diesmal nichts mit diesem ‹Gästetaxi› und Baden im See. Das Auto von Andreas war in der Garage zur Reparatur. Blechschaden, Windschutzscheibe zerschlagen, Stossstange vorne eingedrückt. Was war passiert? Während einer Fahrt in der Stadt ging ihm die Verbindung vom Steuerrad zur Lenksäule kaputt. Das Auto war plötzlich nicht mehr zu steuern. Bis Andreas es stoppen konnte, hatte es eine Wand gerammt, und am Schluss fielen von der Wand noch Steine auf seine Windschutzscheibe und schlugen sie in Stücke. Zum Glück wurde niemand verletzt, aber Andreas musste lange auf eine Ersatz-Windschutzscheibe warten und auf die Reparatur des Blechschadens. Und die neu gekauften Scheibenwischer passten nicht... So konnte Andreas während meinem Besuch keine Ausflüge mit dem Auto machen.

Daniel  und Familie Kolb

Daniel und Familie Kolb

Taxi zum Flughafen fahren. Der Flughafen von Porto Velho hat eine längere Hartbelagspiste mit Nachtbeleuchtung, ganz im Unterschied zu Riberalta (dort ist die Piste bei Regen unbenutzbar). Der Weg über Porto Velho ist eine gute Möglichkeit, um nach Riberalta zu reisen.

Daniel F.

Siehe auch Südamerika Bericht Teil 2

 

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