Christliche Gehörlosen-Gemeinschaft

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Projektinformationen: Südamerika-Reise 2001/2002 von Daniel F. - 2. Teil

Daniel besucht die Gehörlosenschule und die Stadt Riberalta

Siehe auch Südamerika Bericht Teil 1

Weihnacht in Riberalta

Josua Kolb geht mit anderen Schweizer Missionarskindern in eine deutschsprachige Schule der SIM (Schweizer Indianer-Mission) in Riberalta. Am 18. Dezember war dort Schulweihnachtsfeier. Es war ein schönes kleines Fest. Die Gäste waren Schweizer, Deutsche, Österreicher, alles Missionare oder Missionsmitarbeiter. Die kleine Maria im Krippenspiel hatte ein riesiges Kissen unters Kleid gebunden. Schliesslich war sie gemäss der Geschichte im Lukas-Evangelium ja hoch schwanger...

In Riberalta habe ich noch zweimal Weihnacht gefeiert: einmal am Donnerstag vor Weihnachten zusammen mit dem Gehörlosen- ‹Club Arca› und dann am 24. Dezember abends zusammen mit Andreas Kolb und seiner Familie. Es gab keine Kerzen und keine Tannenzweige. Dafür hing an der Wand eine elektrische Lichtergirlande, die blinkte rot-blau-grün-gelb und machte Musik dazu, immer die gleiche Melodie. Den Hörenden wurde das bald zu viel, und sie stellten die Musik ab. Die Lampen haben weiter geblinkt...

Für die Familienweihnacht bei Andreas Kolb haben wir den Abwart Ricardo mit seiner Familie zum Essen eingeladen. Ricardo bekam als Geschenk einen elektrischen Ventilator.

Wenn man die Wohnung auf Weihnachten mit etwas Grün schmücken möchte, muss man Palmzweige nehmen. In Riberalta gibt es keine Tannenbäume!

Ausflug mit dem Töfftaxi

Am 31. Dezember nachmittags organisierte Andreas zwei Töfftaxis, und wir (Andreas mit Josua auf einem Töfftaxi, ich auf dem anderen) fuhren bei schönem Wetter zur Stadt hinaus. Wir kamen auf eine Landstrasse, links und rechts war flaches Land mit Wasser und Sümpfen und dahinter der Urwald. Von zwei merkwürdig gebauten Lehmhäusern sahen wir schwarzen Rauch aufsteigen. Wir stellten die Töffs ab und gingen schauen. Aha: dort werden Ziegelsteine von Hand aus Lehm hergestellt, an der Luft getrocknet, und die Lehmhäuser, das sind Brennöfen für die Ziegelsteine. Man heizt sie mit Holz. Ein solcher Ofen fasst etwa 20 000 Ziegelsteine. Das Ziegelstein-Brennen ist nicht so einfach. Wir haben in einen kalten Ofen hineingeschaut und gesehen: zuunterst sind die Ziegelsteine schwarz, sie sehen verbrannt aus. In der Mitte sind sie gut. Oben sehen sie ein bisschen zu wenig gebrannt aus.

Für fünf Bolivianos zeigte uns ein Arbeiter, wie die Ziegelsteine mit einer Holzform von Hand hergestellt werden. Für den Umbau seines Hauses kauft Andreas Ziegelsteine, die genau so aussehen wie die, welche wir besichtigten. 10 gebrannte Ziegelsteine kosten 4.50 Bolivianos, also etwa Fr. 1.12.

Ein Ziegelofen

Ein Ziegelofen

Dann fahren wir mit den Töffs weiter. Nach 100 Metern hält der Töfftaxifahrer Ricardo (das ist der Abwart der Schule Arca) an: Sein Hinterradreifen verliert Luft. Ricardo kehrt um nach Riberalta und kommt später mit dem reparierten Hinterrad wieder zurück. Wir anderen fahren voraus zum Fluss Beni und warten dort auf Ricardo. Dann setzen wir im Fährboot mitsamt den Töffs und Töfffahrern über den Fluss. Zuerst fahren wir nahe am Ufer entlang gegen die Strömung, dann quer über den Fluss auf die andere Seite.

Am Westufer des Flusses angekommen, steigen wir wieder auf die Töffs und fahren durch den Urwald ins Dorf ‹Las Piedras›. Am Eingang des Dorfs müssen wir einen kleinen Strassenzoll bezahlen. In der Zwischenzeit hat sich der Himmel bedeckt, und eine schwarze Wolkenwand ist aufgezogen. Es fängt an zu regnen. Wir stellen uns unter das Vordach eines Schulhauses und schauen dem Gewitter zu. Wir sehen: das Schulhaus, wo wir Schutz vor dem Regen gefunden haben, wird gerade renoviert. Nebenan bauen sie ein zweites grösseres Schulhaus. Wir finden das sehr gut. Wieder ein kleines Urwalddorf, wo die Regierung an die Bedürfnisse der Schulkinder denkt. Das wird sich später für das Land Bolivien lohnen.

Weil das Fährboot nur bis 19 Uhr abends fährt, müssen wir trotz Regen umkehren und werden nass. Bis wir wieder auf der Riberalta-Seite sind, regnet es fast nicht mehr, aber jetzt ist der Weg vom Fluss hinauf zur Strasse nass und rutschig! Wir schaffen es trotzdem dorthin, ohne in den Dreck zu fallen. Zurück in Riberalta gibt es ein kleines Problem: Woher die zwei mal 40 Bolivianos nehmen, um die Töfftaxi-Fahrer zu bezahlen? Das ist nicht zu viel, aber wir müssen genau 40 Bolivianos mal zwei bereit haben. In Riberalta haben die Menschen fast nie Geld zum Wechseln. Mit einer 50er Note bezahlen und 10 Bolivianos zurück bekommen? Das kann man gerade vergessen, das geht nicht. Wir schaffen es trotzdem, den zweiten Fahrer zu bezahlen. Ricardo bekommt seine 40 Bolivianos später ausbezahlt.

Silvester in Riberalta

Das Jahresende bei Andreas und Sara Kolb war im kleinen Kreis, ‹normal› (kein grosses Festessen), gemütlich und besinnlich mit Gebet. Nachher, gegen Mitternacht, haben wir hinausgeschaut, was so alles an Feuerwerk losgelassen wird. Für mich war es ein wenig trostlos: ein einziges Blitzen und Knallen, ein lauter Kracher nach dem anderen. Nur ganz wenige farbige Feuerwerkskugeln und -Sterne waren zu sehen. Andere Länder, andere Sitten...

Beginn der Heimreise: ‹Urwald-Rallye› nach Guayaramerin

Am ersten Januar vormittags war Jubiläums-Gottesdienst in der Kirche Maranatha. Vor 12 Jahren wurde die Kirche eröffnet. Sie ist eine von mehreren Kirchen in Riberalta, die Maranatha heissen. Zusammen mit Andreas, Sara und Priscilla zeigte ich das Gebärdenlied ‹Gottes Liebe ist gross wie das Meer›. Es hat den Leuten gefallen! Nach dem Gottesdienst gab es in der Kirche ein gemeinsames Mittagessen. Dann war es für mich höchste Zeit, den Koffer für die Abreise zu packen.

Am 2. Januar um 8 Uhr morgens war es so weit: ein Mann von der Kirche Maranatha kam mit seinem VW-Kombi angefahren, und die ganze Familie Kolb, Priscilla und ich nahmen Platz für die zweistündige ‹Rallyefahrt› durch den Urwald nach Guayaramerin an der Grenze zu Brasilien. Es regnete, und die Naturstrasse war nass und schlammig und voller Schlaglöcher. Ich glaube, der Fahrer kennt alle Schlaglöcher der Strasse von Riberalta bis Guayaramerin auswendig. Er fuhr auf der richtigen Strassenseite (rechts) oder dann eben links, je nachdem, wo es am besten zum Fahren war. Manchmal fuhr unser Fahrer mit 80 km/h. Das ist fast, wie wenn man in der Schweiz auf Eis und Schnee so schnell fährt... Wenn wir ein anderes Auto kreuzten, mussten wir vorher auf der linken Seite die Autoscheiben hochkurbeln. Damit kein Dreck hereingeflogen kommt... und vor dem Überholen auf der anderen Seite auch.

Andreas hat erzählt: Einmal war er mit seinem Toyota auf der gleichen Strecke unterwegs. Seine Scheibenwaschanlage war kaputt. Jedes Mal, wenn ein kreuzendes Fahrzeug vorbei gefahren war, musste sein Beifahrer durch das geöffnete rechte Seitenfenster aus einer mitgebrachten Wasserflasche von Hand die Windschutzscheibe spülen, damit Andreas den Dreck mit den Scheibenwischern wegputzen konnte...

Sandstrasse und einfacher Häuser. So leben die Leute in Riberalta und Umgebung

Sandstrasse und einfacher Häuser. So leben die Leute in Riberalta und Umgebung

Unterwegs überquerten wir einen Urwaldfluss auf einer Fähre. In der Gegenrichtung wurde ein kleiner Bus über den Fluss gebracht. Andreas sagte: Dieser Bus fährt nach La Paz. Es stimmt... diese Reise dauert ein paar Tage. Nichts für mich, da nehme ich lieber das Flugzeug.

In Guayaramerin sieht man die Nähe zu Brasilien: die Stadt hat asphaltierte Strassen und viele Verkaufsläden, anders als Riberalta. Und viel mehr Autos. Andreas begleitete mich zur Polizei für den Ausreise-Stempel im Pass. Dann fuhren wir mit einem Fährboot über den Rio Mamoré nach Guayará Mirim. Den Impfausweis mit der Gelbfieber-Impfung vorgezeigt, und wir waren in Brasilien. Für den Einreisestempel in meinem Pass nahmen wir ein Taxi zur Polizei. Das Taxi fuhr uns nachher weiter zum Autobus-Terminal. Wir hatten noch etwas Wartezeit bis zur Bus-Abfahrt um 14 Uhr, so gingen wir in der Nähe in einem Restaurant essen, dann wurde es bald Zeit zum Abschied nehmen.

Wieder in Brasilien: Guayará Mirim bis Porto Velho

Die Busfahrt nach Porto Velho war der reinste Luxus im Vergleich zu Bolivien. Klimaanlage, dunkel getönte Fensterscheiben, Liegesitze, und die ganze Strasse asphaltiert - allerdings dann auch mit einigen Schlaglöchern. Ich habe ein bisschen hinausgeschaut in die Landschaft. Man sieht zum Teil Urwald, zum Teil auch gerodeten Urwald, der jetzt Weide ist, manchmal mit sehr vielen Rindern. Man sieht noch, wie sie den Urwald entfernt haben: durch Brandrodung. Verbrannte Baumstämme stehen im Weideland. Es sah nicht immer schön aus.

Abends, nach fünf Stunden Fahrt, kam der Bus in Porto Velho an. Mit Hilfe eines Taxifahrers fand ich ein sehr gutes Hotel zum Übernachten. Es machte nichts, dass das Hotel-Personal kein Wort Deutsch oder Englisch verstand und ich sowieso kein Portugiesisch. Man konnte sich auch sonst verständigen, zum Teil mit Gebärden.

Am nächsten Tag ging ich die Stadt zu Fuss anschauen. Porto Velho ist ganz anders als Riberalta. Die Strassen sind asphaltiert, man sieht viele Autos und Stadt-Autobusse und Ladengeschäfte. Nicht weit vom Fluss fand ich einen Handarbeitsladen, da kaufte ich Souvenirs, soviel ich tragen konnte. Unter anderem zwei aus Holz geschnitzte und bemalte Papageien und einen ebensolchen Beo. Am Fluss (Rio Madeira) habe ich die alten Lokomotiven der Eisenbahnlinie ‹Estrada de Ferro Madeira Mamoré› und das Eisenbahnmuseum besichtigt, anschliessend machte ich eine Rundfahrt auf dem Fluss. Im Rio Mamoré sieht man Fluss-Delfine springen!

Am Abend liess ich mich mit einem Taxi zum Flughafen fahren. Der Flughafen von Porto Velho hat eine längere Hartbelagspiste mit Nachtbeleuchtung, ganz im Unterschied zu Riberalta (dort ist die Piste bei Regen unbenützbar). Der Weg über Porto Velho ist eine gute Möglichkeit, um nach Riberalta zu reisen.

Die zwei letzten Tage in Rio de Janeiro

In Brasilia wechselte ich das Flugzeug und kam am 4. Januar pünktlich in Rio de Janeiro an, wo schon Thomas Müller auf mich wartete. Am Nachmittag dieses Tages besuchte ich mit Thomas ein letztes Mal die Leute im Armenviertel auf dem Hügel von São Cristovão.

Samstag, 5. Januar: mein letzter Tag in Rio und Südamerika. Thomas begleitete mich in die Stadt für letzte Einkäufe und zu einem Ausflug mit der Luftseilbahn auf den Zuckerhut. Man hat von dort eine wunderbare Aussicht auf Rio und Umgebung. Am Schluss kaufte ich auf dem Markt noch günstig eine schöne Hängematte. Zwei Tage später kam ich wohlbehalten im Flughafen Zürich an.

Meine wichtigsten Eindrücke

Was mich besonders beeindruckt hat auf meiner Südamerika-Reise und was mir besonders gut gefallen hat:

Daniel F.

 

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