Christliche Gehörlosen-Gemeinschaft

CGG Schweiz

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Interview mit Nicole

Die Interviewreihe wird mit Nicole fortgesetzt.

MartinaHallo Nicole, ich freue mich, heute mit dir ein Interview zu machen und bin gespannt auf deine Antworten.
Wie bist du darauf gekommen, Gebärdensprache zu lernen um für Gehörlose zu übersetzen?
NicoleJa, das ist wirklich etwas speziell. Ich besuchte damals seit zwei Jahren regelmässig den Gottesdienst im Christlichen Zentrum Buchegg. Dabei sass ich immer auf der Empore (Balkon) in der Nähe der Gehörlosen. So konnte ich jeden Sonntag die Gehörlosen und die Dolmetscher sehen und auch beobachten. Es gefiel mir sehr gut und ich bekam eine richtige Liebe für die Gehörlosen. Gleichzeitig fehlte mir aber der Mut, sie anzusprechen und Kontakt mit ihnen aufzunehmen. An einem Sonntag wusste ich plötzlich, jetzt muss ich auf sie zugehen und fragen, wie man die Gebärdensprache lernen kann. Ich bin überzeugt, dass Gott mir das auf’s Herz gelegt hatte. Denn an diesem Sonntag hatte Reggie für neue Übersetzer gebetet. Eigentlich glaubte ich nicht, dass ich das wirklich lernen könnte. Es schien mir viel zu schwierig.
Also nahm ich allen Mut zusammen und sprach diese Gruppe an. Sie freuten sich sehr, dass ich mich dafür interessierte und erklärten mir vieles. Ich habe dann auch einige Gebärdensprachkurse besucht und den Rest haben mir Catherine, Regula und Ines gezeigt. Dann habe ich am Anfang versucht, die Lieder zu übersetzen. Mit der Zeit, als ich immer mehr Übung hatte, konnte ich sogar die Predigten übersetzen.
MartinaWie war damals der Hauskreis in Zürich und das Team CGG Steffisburg? Hast du an diese Zeit noch schönen Erinnerungen?
NicoleEs war eine sehr schöne Zeit im Hauskreis. Am Anfang waren wir eine recht grosse Gruppe. Leider sind wir dann mit der Zeit geschrumpft. Ich habe sehr viel gelernt von den Gehörlosen und über die Gehörlosen. Auch die Gottesdienste in Steffisburg waren am Anfang neu für mich. Die habe ich vor allem durch Joachim kennen gelernt. Er hatte ja damals schon dort gedient zusammen mit Reinhold Scharnowski. Auch diese Zeit habe ich in sehr guter Erinnerung.
MartinaDieses Jahr feiern wir in der CGG das 20-jährige Jubiläum. Was wünschst du dir für die nächsten Jahre?
NicoleIch wünsche mir, dass alle Mitglieder der CGG ihre Begeisterung für Jesus behalten und zu einer starken Einheit werden. Und dass noch viele neue Gehörlose Jesus dadurch kennen lernen können und ihn als ihren Herrn und Erlöser annehmen.
MartinaWas begeistert dich an Jesus?
NicoleAn Jesus begeistert mich vor allem seine bedingungslose Liebe. Er nimmt mich an, wie ich bin. Ich muss nicht zuerst etwas leisten, damit er mich liebt. Und er vergibt mir immer wieder. Auch wenn ich manchmal den gleichen Fehler nochmals mache. Er hat so viel Geduld mit mir! Dafür bin ich ihm dankbar! Ich finde es auch super, dass Jesus seine Versprechen hält. Und ich freue mich sehr darauf, ihn eines Tages sehen zu können!
MartinaWie hat sich dein Glaubensweg entwickelt?
NicoleIch habe mich 1987 im Buchegg bekehrt und habe dann bald einen Hauskreis besucht. Dort habe ich viel gelernt über Jesus und das Leben als Christ. Das war für mich sehr hilfreich. Später im Dienst mit den Gehörlosen habe ich mich auch weiterentwickelt. Dann lernte ich Joachim kennen und wir heirateten. Auch im Leben als Ehepaar lernt man immer wieder viel und geht gemeinsam den Weg mit Jesus. Wir wurden dann beide Hauskreisleiter bei den Hörenden und Gehörlosen. So war mein Leben immer voll ausgefüllt. Nach etwa acht Jahren Leiterschaft wurde es mir zuviel. Und ich brauchte ein Jahr lang Pause. Danach bin habe ich als Sonntagschullehrerin angefangen und in diesem Dienst bin ich immer noch. Der gefällt mir sehr gut, weil man durch das Vorbereiten selber viel über die Bibel und Jesus lernt. Seit wir vom Buchegg nach Silbern gewechselt haben, sind auch Gehörlose im Gottesdienst integriert. Leider kommen noch nicht so viele Gehörlose. Das ist sehr schade.
Wenn man sein Leben mit Jesus lebt, ist man nie fertig. Es gibt immer etwas, das man noch lernen möchte oder sollte. Auf jeden Fall ist es immer spannend.
MartinaWer ist in der Bibel sonst deine Lieblingsperson?
NicoleEine meiner Lieblingspersonen ist Josef. Er hat so viel Schlimmes erlebt (verkauft von den eigenen Brüdern, unschuldig im Gefängnis). Aber trotzdem hat er sich immer an Gott festgehalten und ihm vertraut. Er hat sich nie beklagt oder aufgegeben. Und Gott hat dies belohnt, indem er ihn zum zweitmächtigsten Mann in Ägypten gemacht hat und er sogar Frieden mit seiner Familie schliessen konnte. Josef ist mir wirklich ein Vorbild.
MartinaWie geht es deine Familie? Sind deine Kinder noch in der Schule oder schon in der Lehre?
NicoleUnserer Familie geht es sehr gut und dafür bin ich auch sehr dankbar. Joachim und ich haben drei Kinder. Sarina wird im August 14 Jahre alt und geht in die erste Oberstufe. Für sie beginnt nächstes Jahr die Berufswahl in der Schule. Mirco wurde diese Woche zwölf Jahre alt und kommt im Sommer in die sechste Klasse. Timon ist im Moment noch in der dritten Klasse und zehn Jahre alt. Beide Buben spielen sehr gerne Fussball (wie der Papa) und Sarina macht Geräteturnen. Von daher ist bei uns immer etwas los.
MartinaVom wem möchtest du das nächste Mal mehr erfahren?
NicoleIch würde gerne von Marie-Lou mehr erfahren. Ich habe sie vor mehr als zehn Jahren in der CGG kennen gelernt, habe sie dann aber ein paar Jahre nicht mehr gesehen. Jetzt kam sie ein paar Mal zu uns in den Gottesdienst. Das ist super! Leider hatten wir bis jetzt noch nicht so viel Gelegenheit miteinander zu sprechen. Darum wäre es schön, von ihr mehr zu erfahren.
MartinaDanke für das Interview und ich wünsche dir weiterhin viel Freude im Leben mit JESUS.

Aus der Gemeinschaft Juli 2011