Christliche Gehörlosen-Gemeinschaft

CGG Schweiz

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Ein Besuch bei Janne Kankkonen

Markus und Martin besuchen Janne in Schweden.

Martin und ich (Markus) machten in Schweden zwei Wochen Ferien. Zuerst besuchten wir das nationale Sommerlager der christlichen Gehörlosen. Es ist ähnlich wie bei unserer Osterfreizeit. Den Rest der Ferien verbrachten wir in der Hauptstadt Stockholm. Stockholm ist wirklich eine schöne Stadt, und das Wetter dort war für uns hitzegeplagte Schweizer geradezu ideal.

Am 3. August um 12 Uhr hatten wir in Stockholm einen Termin bei Janne Kankkonen.

Wer ist eigentlich Janne Kankkonen?

Janne Kankkonen mit seiner Frau
Janne Kankkonen mit seiner Frau

Janne Kankkonen ist der gehörlose Pastor der freikirchlichen Gemeinde Filadelfia (= Pfingstgemeinde) und arbeitet vollzeitlich für die Gehörlosen. Letztes Jahr lernten wir ihn in Estland kennen. Wir wollten ihm ein bisschen über die Schulter gucken und mehr über seine Arbeit wissen.

Bis zur Haltesstelle St.Eriksplan fuhren wir mit der Metro. In diesem Quartier befindet sich die Filedelfia-Kirche.

Allerdings waren wir (typisch Schweizer) etwas zu überpünktlich. So mussten wir in der Filadelfia-Cafeteria auf ihn warten. Es war ruhig, da die Gemeinde noch ‹Betriebsferien› hatte. Zum Glück kam ein netter, hörender Mitarbeiter, Göran Blomberg, zu uns und versuchte sich mit uns in schwedischer Gebärdensprache zu unterhalten. Leider konnten wir ihn nicht gut verstehen... Nach 15 Minuten kamen endlich Janne und seine Frau Irina in die Cafeteria. Seine Frau (auch gehörlos) unterhielt sich gerade auf ihrem Handy mit jemandem. Zur Info: In Schweden können die Gehörlosen bereits auf dem Handy ‹Videokonferenzen› machen. (Stichwort: UMTS) Sie müssen pro Monat nur 200 SEK (ca. 35 SFr) hinblättern und können stundenlang Videokonferenzen abhalten. Da wurden wir schon ein bisschen neidisch...

Nach der warmen Begrüssung gingen wir nach oben ins Büro von Janne Kankkonen. Sein Büro wurde irgendwann einmal auf dem Gang platziert und ist nur ca. 6 m2 gross. Neben seinem Büro befinden sich noch mehrere Büros von anderen Pastoren. Somit kann Janne besser mit allen Pastoren zusammenarbeiten. Kurz darauf schaltete Janne auf dem PC die Webcam für die Videokonferenz nach Estland ein, damit wir auf dem Bildschirm den anderen gehörlosen Pastor Riho Kurg wiedersehen konnten. Das war ein virtuelles Erlebnis!

Anschliessend übten wir mit Irina auf dem Gang ein cooles japanisches Gebärdensprachlied ein, welches wir unbedingt in die Schweiz importieren möchten. Keine Angst. Wir werden es euch vermutlich am Weihnachtsfest in Bern präsentieren.

Als wir uns einigermassen sicher fühlten, zeigten uns Kankkonens ein paar Büros. Dort werden Administrationen, Buchhaltungen, Missionsbetreuungen usw. gemacht. Die Filedelfia-Gemeinde funktioniert tatsächlich wie eine kleine Firma. Jede Abteilung ist für eine Gemeinde ‹lebenswichtig›. Falls einige Funktionen fehlen würden, wäre die Gemeinde bzw. Kirche kaum funktionsfähig. (Siehe dazu die Bibelstelle 1. Kor. 12.12-26) Im Finanzbereich trafen wir den hörenden Mitarbeiter Göran Blomberg wieder, der vorher mit uns in der Cafeteria war.

Die Gemeinde Filadelfia
Die Gemeinde Filadelfia

Im Anschluss gingen wir ein paar Stockwerke hinauf. Im obersten Stock steht ein grosser Raum für die Blindenschule zur Verfügung. In diesem Raum konnten wir viele Bücher in Blindenschrift sehen.

Daneben gibt es mehrere Schulungsräume. In einem dieser Schulungsräume wird Janne die nächste internationale Bibelschule für Gehörlose leiten. Man kann für neun Monate ein Bibelstudium absolvieren.

Nach dieser Besichtigung gingen wir nach unten zu den alten Sitzungsräumen. In diesen Räumen stehen antike Möbel aus dem Anfang des 20ten Jahrhunderts. Es roch schon recht muffig... Ein grosses Gemälde des ersten Filedelfia-Pastors konnten wir bestaunen. Das Schönste aber war der grosse alte Ofen. Dieser weisse Ofen ist mit blauer Farbe reich verziert. Janne erzählte uns, dass dieses Gebäude, ursprünglich eine Porzellanfabrik war. Man wollte eigentlich im Jahr 1930 dieses Gebäude vollständig abreissen und dort neue Wohnhäuser bauen. Aber im letzten Moment hatte die Filedelfia-Gemeinde dieses Gebäude gekauft und zu einer Kirche umfunktioniert.

Nach dieser kurzen Geschichtsstunde besuchten wir den grossen ‹aktuellen› Gottesdienstsaal. Dieser Saal wurde im Stil der 50er Jahre eingerichtet und kann 3000 Personen fassen. Neben diesem Saal sind ‹kleinere› Räume für 500 Personen vorhanden. Dann zeigte uns Kankkonens endlich den Gottesdienstraum für Gehörlose. Dieser kleine Raum sieht schön und gemütlich aus.

Der Gottesdienstraum der Filadelfia Gemeinde
Der Gottesdienstraum der Filadelfia Gemeinde

Fast jeden Sonntag um 11 Uhr morgens (!) leitet Janne den gehörlosen Gottesdienst. Das ist für uns Schweizer Gehörlose schon ein ‹geistliches Paradies›...

Nun waren wir leider mit der hochinteressanten Besichtigung fertig und gingen wieder in die Cafeteria zurück.

Ein Interview mit Janne Kankkonen folgt noch...

Allgemeines über Schweden

In Schweden hat es fast gleich viele Gehörlose wie in der Schweiz. Die Anzahl der gläubigen Gehörlosen ist auch etwa gleich hoch wie bei uns. (~ 60 Christen) Dort gibt es eigentlich keinen Verein wie CGG, sondern verschiedene Lokalgruppen. Der einzige gehörlose Pastor Janne Kankkonen ist bei der Filedelfia-Gemeinde angestellt. In Schweden wurde die Gebärdensprache bereits im Jahr 1981 anerkannt. (Wir Schweizer warten immer noch darauf.) Die Gehörlosen in Schweden haben es in vielen Bereichen viel einfacher... Übrigens hat Janne Kankkonen mit seiner Gruppe begonnen, das neue Testament in Gebärdensprache zu übersetzen. (Mit Video-Aufnahmen) Das Markusevangelium wurde bereits übersetzt. Momentan sind sie an der Apostelgeschichte.

Insider-Info

Nächstes Jahr im Sommer wird der summer camp for young deaf people (15 - 35 Jahre) wieder stattfinden. Der Event wird in Wolgagrad (RUS) durchgeführt. (Preis voraussichtlich ca. 800 SFr kosten - 150.- Lager- und 650.- Reisekosten) Das offizielle Programm wird erst im Herbst bekannt gegeben. Wer also nächstes Jahr vielleicht mitmachen möchte, sollte schon jetzt etwas Geld auf die Seite legen.

Markus

Aus der Gemeinschaft Oktober 2004