Christliche Gehörlosen-Gemeinschaft

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Gedanken zum Thema 'Selbstmord und die Bibel'

Catherine schreibt über Selbstmord.

In letzter Zeit haben viele Gehörlose Selbstmord begangen oder versucht. Die CGG kann und darf da nicht einfach still daneben stehen und schweigen. Auch wir müssen uns darüber Gedanken machen. Gerade für Gehörlose in Not sollten wir als christliche Gruppe Hilfe anbieten. Auch eine klare Meinung haben, was die Bibel über dieses Thema sagt.

Was sind die Hintergründe eines Selbstmordes

Ich (Catherine Walder) habe gelernt: wenn man über Gehörlose spricht, muss man die Gehörlosen beiziehen. Die Gehörlosen sind selber betroffen. Wenn man über Blinde spricht, muss man Blinde ins Gespräch einbeziehen. Die Blinden sind direkt betroffen.

Vermehrt spricht man in letzter Zeit vom Thema ‹Freitod›, auch unter Gehörlosen.

Ein wichtiges Thema. Wie geht man damit um, was soll man davon halten?

Aber auch hier: wir müssen Betroffene ins Gespräch einbeziehen. Menschen, die Selbstmord begehen wollten, aber aus irgend einem Grund daran gehindert oder errettet wurden? Wo stehen hier die Betroffenen? Man spricht von ‹Freitod›.

Das Wort ‹Selbstmord› tönt zu hart, man will sich gar nicht mit dieser Härte auseinander setzen und niemanden verletzen.

Ich bin selbst betroffen, ich stand an diesem Abgrund, wollte mich umbringen. Für mich stimmen beide Wörter (Freitod, Selbstmord). Für mich wäre ‹Selbsttötung› besser. Morden hat mit Gier, Hass, Brutalität und Verbrechen zu tun. Das ist beim Selbstmord meist nicht so.

‹Freitod› bedeutet eigentlich: ‹freiwillig› in den Tod gegangen. Das ist Schönfärberei, welches den Hinterbliebenen ein angenehmeres Gefühl geben kann.

Die Grabreden bei Menschen, die diesen Weg gegangen sind, tönen oft sehr schön. Oft sagen Pfarrer an einer Beerdigung z.B. «Er ging den Weg, den er gehen musste». Oder: «Sein Suchen hat eine Ende». Oder: «Vielleicht war sein Leben vollendet usw». Das ist doch nicht ehrlich.

‹Freiwillig› begeht niemand Selbstmord. Es ist immer Druck von aussen da (Stress, Überforderung, Sinnlosigkeit, Scheidung, schweres Leben usw.). Wirklicher ‹freiwillig› stirbt für mich nur jemand mit Geisteskrankheit. Normalerweise aber ist Selbstmord nur das Ende eines Leidens. Die Ausnahme sind wahrscheinlich die Selbstmordattentäter, die sich einer jahrelangen Gehirnwäsche unterzogen haben.

Meist aber steht die Person unter einer enormen Belastung, einem Druck dem sie nicht mehr standhalten kann. Die Selbsttötung ist in ihren Augen der einzige Ausweg. Der letzte Ausweg, aber freiwillig? Wir kennen den Tod nur von der Seite der Trauernden. Sterben ist etwas Trauriges für die Hinterbliebenen. Aber der Tod wird uns in der Not zum Freund, zum Retter. Er verspricht Ruhe, Ende des Leidens, Weggehen in eine andere Welt. Diese andere Welt können wir uns mit eigener Vorstellung ausmalen. Das Unbekannte, der Tod, erscheint uns in der Not angenehmer als das Bekannte, der bisherige Ärger und Frust. Tod ist ein leeres Wort. Wir können es mit unserer Vorstellung füllen. Wir malen uns etwas Schönes aus und töten uns. Aber wenn wir Angst vor dem Tod hätten, würden wir kaum unser Leben beenden, dann würden wir uns mit aller Kraft am Leben festhalten.

Wir sind Christen. Wir suchen Rat bei Gott, in der Bibel. Also: was sagt die Bibel zum Thema ‹Selbstmord›?

Die Bibel lehrt: Gott will, dass jeder Mensch gerettet wird. Jeder Mensch, der Gott glaubt und vertraut, wird gerettet. Ein Sünder, der nicht Busse tun will, nicht umkehren will, kann nicht gerettet werden. Er geht verloren. Nicht weil Gott böse ist, sondern weil in Gottes Heiligkeit nichts Unheiliges bestehen kann. Gott und Sünde, das passt nicht zusammen. Die Dunkelheit kann dem Licht nicht widerstehen. Das Dunkel muss weichen. Genau so kann Sünde nicht in der Heiligkeit bestehen, sie muss weichen.

Es gibt Menschen, die meinen: Gott sagte: «Du sollst nicht töten», also kann ein Selbsttöter nicht in Gottes Reich kommen. Das stimmt nicht ganz. Die korrekte Übersetzung des Gebots «Du sollt nicht töten» heisst nämlich ganz exakt: «Du sollst nicht morden (nicht: ‹töten›)». Das ist nicht ganz das Gleiche. Mord ist ein gemeines, geplantes Töten, ein schlimmes Verbrechen). Gott ist gnädig und barmherzig. Er duldet keine Sünde. Aber Gott sieht und hört den Schrei der Armen. Gott sieht und weiss genau, warum ein Selbsttöter sich umbringt. Gott sieht, was ein Selbsttöter in der letzten Minute gedacht und gefühlt hat. Wir aber wissen das nie. Darum müssen wir aufpassen mit Sprüchen wie: «Er hat sich selbst umgebracht. Er ist jetzt in der Hölle». Woher wissen wir denn das so genau? Können wir beurteilen, welche Not der Selbsttöter durchgemacht hat? Nein! Wir können es nicht genau wissen, genau weiss es nur der Selbsttöter und Gott. Darum Achtung mit verurteilen und richten. Wenn du richtest, dann frage ich dich: Hast du nie eine Sünde begangen? Darfst du richten, du bist doch selber auch ein Sünder? Hast Du noch nie Ausreden, Unwahrheiten gebraucht? Das sind doch auch Lügen? Ist die Lüge nicht Sünde? Hast du dem Selbsttöter geholfen, seine Last getragen? Hast du auch so viel gelitten wie er? Kannst du vor Gott bestehen, so wie du bist? Ich kann es nicht. Ich brauche jeden Tag Gottes Gnade und Hilfe. Und wenn mir etwas passieren würde, hätte ich sicher noch versteckte Sünden, die ich nicht bekannt habe. Was wäre dann? Es gibt Menschen, die verloren sind, Menschen, die Gottes grosse Liebe ablehnen, Menschen die Gottes Gnade nicht wollen. Diese Menschen gehen verloren. Aber passen wir auf, dass wir uns nicht zu Richtern aufspielen. Das Wort Gottes ist klar. Wir müssen Jesus aufnehmen, Sein Opfer an unserer Stelle annehmen. Wir müssen unsere Sünden bekennen. Aber gleichzeitig auch: wir sollen andere nicht richten.

Ich hatte mir im Alter von ca. zwölf Jahren geschworen: Wenn ich einmal genug vom Ärger des Lebens habe, werde ich mich selber umbringen. Ich verstand diese Welt voll Ungerechtigkeit und Sinnlosigkeit nicht. Nur: Ich merkte damals nicht, dass ich auch ungerecht war. Ich glaubte, dass ich nach dem Sterben direkt in Gottes Reich käme. Ich versuchte es, es gelang nicht. Ich kam auf die Intensivstation. Das war nicht gerade wie in Gottes Reich! In den folgenden Jahren wollte ich dennoch nicht mehr leben. Ich hatte viel zu viele Probleme. Ich sah keinen Sinn im Leben. Doch dann lernte ich Gott kennen. Den wirklichen Sinn im Leben habe ich durch die Begegnung mit Gott gefunden.

Aber ich weiss, wie es ist, am Abgrund zu stehen. Ich kenne diese Hoffnungslosigkeit, wo der Tod zum Freund wird. Ich möchte jedem, der auch an Selbsttötung denkt, zurufen: «Es gibt einen Sinn, es gibt eine Hoffnung, es gibt ein Ende für alles Leiden, es gibt ein ‹Ja› zum Leben. Du kannst es schaffen».

Es gibt Menschen, die dir helfen wollen, die dir die Last von den Schultern und dem Herzen nehmen wollen. Melde dich bei uns!

Catherine Walder

Aus der Gemeinschaft April 2002