Christliche Gehörlosen-Gemeinschaft

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Yasmani

Das Lebenslauf von Yasmani aus der Gehörlosenschule Arca in Riberalta, Bolivien

Yasmani

Im April 2005 tauchte ein Händler mit einem jungen gehörlosen Mann in unserem Zentrum auf. Bis heute haben wir die Eltern nicht angetroffen, und so setzt sich unser Wissen aus den Erzählungen des Händlers und der Schwester des Gehörlosen zusammen. Er wurde auf dem Land geboren, hat eine Schwester. Der Vater verliess die Familie, und die Kinder lebten mit der Mutter. Sie zogen nach Riberalta in die Stadt um. Als die Kinder im Teenageralter waren, lernte die Mutter einen neuen Mann kennen. Doch vertrugen die Kinder sich nicht mit dem neuen Stiefvater, oder er kam nicht mit ihnen zurecht. So ging die Mutter mit ihm wieder aufs Land, die Kinder blieben in Riberalta. Der Gehörlose (ungefähr 12-jährig) begann zu stehlen… Der gläubige Händler sprach ihn an, erklärte ihm, dass sein Lebenswandel nicht korrekt sei, und bot ihm Arbeit an. Zwei Monate arbeitete der Gehörlose bei ihm, danach verschwand er. Nach 1 ½ Jahren kam er zurück und arbeitete wieder beim gleichen Händler, der ihn nun im April in unser Zentrum brachte.

Neue Schüler, ganz rechts ist Yasmani

Neue Schüler, ganz rechts ist Yasmani

Da er keine Geburtsurkunde hat und niemand seinen genauen Namen zu kennen scheint, heisst er momentan einfach ‹gehörlos›. (Die Schwester konnte uns nur einen Mädchennamen nennen. Es ist möglich, dass die Mutter nicht wusste, dass dies kein Jungenname ist.).

Einen Gebärdennamen, der für die Gehörlosen wichtiger ist, hat er hier im Zentrum bekommen. Er kannte keine ‹offiziellen› Gebärden, konnte nicht lesen und schreiben. Aber er hat ein gesundes Selbstbewusstsein, suchte von Anfang an die Kommunikation durch Gestik, Mimik und natürlich Gebärden mit allen Leuten im Zentrum. Rasch macht er nun Fortschritte, versteht immer mehr Gebärden, lernt rechnen, buchstabieren und lebenspraktische Dinge. Er ist lernwillig, offen und aufmerksam und scheint sehr gerne zur Schule zu kommen. Morgens arbeitet er jetzt mit seiner Schwester in einer Nuss-Fabrik und wohnt nun auch bei ihr im Haus. Wir warten auf die Rückkehr der Mutter, um seinen Namen und noch etwas mehr Details über ihn zu erfahren, so dass eine offizielle Geburtsurkunde ausgestellt werden und er seinen eigenen Namen schreiben lernen kann.

Sein Gebärdenname ist wie die Geste von Popeye, jedoch nur mit einem Arm. Also den Arm angewinkelt (wie man es macht, wenn man seine Muskeln zeigen will), die Hand zur Faust geballt, Handrücken zeigt nach hinten.

Abdruck genehmigt von C. Lehmann (Riberalta) und Stefan Leu, CBM (Christoffel-Blinden-Mission), Zürich

Aus der Gemeinschaft Januar 2006