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Nachruf: Heinz Röthlisberger

Am 8. September 2017 wurde unser Bruder Heinz Röthlisberger nach langer Krankheit von Gott heimgerufen.

Heinz Röthlisberger 1963–2017

Heinz Röthlisberger 1963–2017

Mit diesem Nachruf möchten wir unserem geliebten Bruder Heinz würdigen.

Heinz wurde am 21. April 1963 in Langnau im Emmental als ältestes von vier Kindern gesund geboren. Er hatte zwei Brüder, Konrad und Markus, und eine Schwester, Susanne. Heinz wuchs auf dem Bauernhof seiner Eltern in Obermättenberg bei Langnau auf. Er half gerne seinen Eltern auf dem Bauernhof mit.

In Ilfis bei Langnau besuchte Heinz neun Jahre lang die hörende Schule. Schon als Kind übergab Heinz Jesus sein Leben. Er blieb ihm bis zu seinem Tod treu. In die Sonntagsschule auf Gartegg in der Nähe seines Bauernhofs ging er sehr gerne. Er wurde im Jahr 1978 von Fritz Wyss konfirmiert. Heinz besuchte freikirchliche Gemeinden wie die FEG Steffisburg.

Bereits in der 9. Klasse wurde seine schwere Krankheit sichtbar. Diese Krankheit begleitete ihn dann praktisch sein ganzes Leben lang. Heinz absolvierte dennoch eine landwirtschaftliche Lehre. Er arbeitete zuerst ein Jahr in Düdingen bei Freiburg und dann in Buch bei Schaffhausen.

Als Heinz aufgrund seiner Krankheit sein Gehör verlor, machte er in der Stiftung Uetendorfberg noch eine Lehre als Gärtner. Er bestand dort erfolgreich die Abschlussprüfung. Er war mit Leib und Seele Gärtner und liebte die Blumen, Pflanzen und alles, was grünt. Der Uetendorfberg wurde seine zweite Heimat.

Mit 25 Jahren war er auf beiden Ohren taub. So lernte er von den Lippen ablesen und die Gebärdensprache. Mit vielen gehörlosen Menschen pflegte er rege Kontakte.

Heinz wurde am dem 9. November 1996 Mitglied der Christlichen Gehörlosen-Gemeinschaft der Schweiz (CGG CH). Heinz reiste mit anderen gehörlosen Brüdern und Schwestern in diverse Länder, unter anderem einmal nach Israel und fünfmal nach Bolivien. Er hatte in Bolivien mit dem Missionars-Ehepaar Andreas und Sara Kolb viel Kontakt. Heinz war der Götti des jüngsten Sohns Noé. Die tropischen Pflanzen in Bolivien begeisterten Heinz

Die CGG CH hat 1999 beschlossen eine Zentralkasse einzuführen. So wurde an der Mitgliederversammlung vom 17. November 1999 ein Kassier gesucht. Heinz wurde vorgeschlagen. Er wurde einstimmig angenommen. So wurde er unser erster Kassier der CGG-Zentralkasse. 2002 wurde er in den Vorstand der CGG CH gewählt. Aufgrund seiner fortschreitenden Krankheit musste er seine Tätigkeit an der Mitgliederversammlung 2010 abgeben. Es ist für Heinz sehr schwierig gewesen, dieses Amt abgeben zu müssen. Sein Nachfolger wurde Daniel Fenner.

Heinz musste sich regelmässig im Unispital Zürich schwere Operationen unterziehen lassen. Tumore wurden an verschiedenen Stellen des Körpers immer wieder entfernt. Die Chirurgen konnten nicht alle Nerven retten, die von Tumoren befallen waren. So wurde sein Gesicht zunehmend entstellt. Die Sehkraft seiner Augen wurde immer schwächer. Nachdem sein linkes Auge immer entzündet war musste es sogar zugenäht werden. Ungefähr im Jahre 2010 begann er, Lormen zu lernen. Eine Lehrerin kam zum Unterrichten zu ihm auf den Uetendorfberg.

Im August 2011 besuchte Heinz mit seiner Begleitperson Siegfried Schmid zum ersten Mal die Taubblindenfreizeit in Hohegrete, Deutschland. Diese Freizeit wurde von Josef Schmid geleitet. Nach langer Zeit konnte er wieder richtig Ferien mit anderen machen. Seitdem besuchte Heinz bis 2016 gerne die Taubblindenfreizeit. Er konnte sich während dieser Freizeit auch geistlich auftanken.

Nach einer Kontrolle im Winter 2016/2017 in Zürich wurde ihm mitgeteilt, dass er wieder operiert werden sollte. Heinz wollte jedoch nicht mehr, er hatte definitiv genug. Er legte alles in der Hand Gottes. Trotz seiner krankheitsbedingten Abwesenheit nahm Heinz immer regen Anteil am Geschehen daheim und in der CGG CH. Alles interessierte ihn.

Nach einem erneuten Sturz in seiner eigenen Wohnung wurde er im Januar 2017 ins Spital Thun überführt. Er hatte sich beim Sturz einen zweiten Oberschenkelhalsbruch zugezogen. Da er diesen Bruch zum zweiten Mal hatte, war er definitiv auf den Rollstuhl angewiesen. Deswegen konnte er nicht mehr in seine eigene Wohnung auf dem Uetendorfberg zurück. So kam er ins Pflegeheim ‹Riedacker› in Heimberg bei Thun. Einige Monate später fand seine Familie in der ‹Lebensart Bärau› ein schönes Zimmer für Heinz. Ganz in der Nähe von Langnau. Dort verbrachte Heinz bis zu seinem Heimgang drei Monate. Er war ein geduldiger und auch humorvoller Patient. Das Pflegepersonal mochte den bodenständigen Heinz sehr.

Etwas muss noch erwähnt sein: Er war ein grosser Fan des Eishockeyclubs ‹SC Langnau Tigers›. Er war auch stolz auf seine Neffen und Nichten, die auch Eishockey spielen konnten. Als die umfassend renovierte ‹Ilfishalle› im Jahr 2012 fertiggestellt war, konnte er oft mit einer Begleitperson zusammen die Spiele vom Rollstuhlpodium aus verfolgen.

Zudem war Heinz vielen ein grosses Vorbild im Glauben und im Umgang mit schweren Krankheiten. Er konnte immer bei Gott neue Kraft tanken. Man hörte ihn nicht jammern. Jesus war seine Zukunft. Er erlebte auch verschiedene Gebetserhörungen. Für Heinz war es das grosse Wunder, dass er trotz seiner langwidrigen Krankheit bei Gott bleiben wollte. Sein Lieblingsbibelvers war Psalm 31,16. Fast jedes Mal sagte Heinz dem Besucher zum Abschied: «Ich bin nicht alleine. Jesus ist bei mir». Diese Worte ermutigten uns immer wieder neu.

Danke Heinz für alles.

Markus


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