Christliche Gehörlosen-Gemeinschaft

CGG Schweiz

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Josef Schmid ist heimgegangen

Er durfte am 5. Juli 2015 nach einer kurzen, schweren Krankheit im Beisein seiner Familie friedlich einschlafen.

Josef Schmid (1942–2015)

Josef Schmid (1942–2015)

Gott hat Josef Schmid unerwartet schnell von seiner schweren Krankheit erlöst, er durfte am 5. Juli 2015 zu seinem Vater heimgehen. Es war ein Geschenk, dass er im Frieden mit Gott im Beisein seiner Frau Irene und seinen beiden Söhnen friedlich einschlafen durfte. Er wurde im Waldfriedhof in Memmingen (Deutschland) begraben. Wir sind in Gedenken mit der Familie Schmid.

In ihm verlieren wir einen eifrigen Gottesnachfolger, tollen Bibellehrer und Freund, dessen Fröhlichkeit uns alle ansteckte. Er war einer der Mitgründer der ‹CGG Schweiz›, lehrte uns Gottes Wort und war immer bereit, zu kommen, wenn er gebraucht wird. Wir vergessen darüber hinaus beispielsweise nicht, wie er in Zürich von 2007 bis 2011 unermüdliche Pionierarbeit leistete und dort eine Gehörlosengemeinde aufbaute, die heute auf eigenen Füssen steht.

Der Tod ist ein Übergang in ein neues Leben. Doch der Tod ist immer eine Prüfung. Auch für Josef. Doch Josef wusste, wo Trost zu holen ist: Bei Gott! So fand er grossen Trost im Lied «Du kannst nicht tiefer fallen, als nur in Gottes Hand. Die er zum Heil uns allen barmherzig ausgespannt». Dieses Lied möchten wir in Gedenken an ihn euch gerne weitergeben:

Du kannst nicht tiefer fallen, als nur in Gottes Hand,
die er zum Heil uns allen barmherzig ausgespannt.

Es münden alle Pfade durch Schicksal, Schuld und Tod
doch ein in Gottes Gnade trotz aller unserer Not.

Wir sind von Gott umgeben auch hier in Raum und Zeit
und werden in ihm leben und sein in Ewigkeit.

  – Arno Pötzsch, Rechte: Verlag Junge Gemeinde, Leinfelden-Echterdingen

Gerne geben wir in Gedenken an Josef euch unten sein Zeugnis weiter, das er 2006 unter dem rückblickend gesehen passenden Titel «Führe DU mein weiteres Leben» für die CGG-Zeitschrift ‹Gemeinschaft› verfasst hat.

Der CGG-Vorstand


Führe DU mein weiteres Leben

Geboren bin ich 1942 als erstes Kind meiner Eltern in dem bayerisch-schwäbischen Dorf Billenhausen bei Krumbach/Schwaben. Meine Eltern wissen sich sehr der römisch-katholischen Kirche verbunden. Sie lebten ganz bewusst in diesem Glauben. Bei ihnen bin ich mit fünf Geschwistern aufgewachsen und wurde streng katholisch erzogen. Es war der grosse Wunsch meiner Eltern und Grosseltern, dass ich als Erstgeborener Priester werden sollte. Mit sechs Jahren ging ich als hörendes Kind in die Grundschule.

Ein Jahr später bin ich gleich an mehreren Krankheiten erkrankt. Durch Gehirnhautentzündung bin ich dann völlig ertaubt. Meine Eltern und Grosseltern suchten nun viele verschiedene Ärzte auf, ob mir irgendwie das verlorene Gehör wieder zurückgegeben werden könnte. Keiner konnte ihnen Hoffnung machen.

Damit war auch der Traum meiner Eltern und Grosseltern, dass ich einmal Priester werden sollte, ausgeträumt. Der weitere Schulweg ging nun über die katholische, von Nonnen geleitete Gehörlosenschule in Dillingen an der Donau. Dort musste jedes katholische Schulkind jeden Morgen den Gottesdienst besuchen, obwohl ein Gehörloser von den Handlungen und Predigten nichts verstand. Nach der Schule lernte ich den Beruf eines Drehers. Der Katholischen Kirche war ich nun nicht mehr besonders verbunden.

Gleich nach Ende meiner Ausbildungszeit habe ich das Elternhaus verlassen: Ich wollte nicht mehr jeden Sonntag von meinen Eltern in die Kirche gedrängt werden. Auch wollte ich als Gehörloser der Einsamkeit des Dorflebens entfliehen und suchte mehr Kontakt zu anderen Gehörlosen. So führte mich der weitere Lebensweg nach Düsseldorf. Einen Arbeitsplatz und eine Wohnung hatte ich schnell gefunden. Ebenso den Kontakt zu zunächst wildfremden Gehörlosen. Nun war ich der elterlichen Aufsicht entkommen und konnte mein Leben gestalten, so wie ich es wollte.

Schon bald wurde ich von gleichaltrigen Gehörlosen in das Kneipenleben hineingeführt. Nach einem Jahr in Düsseldorf war ich soweit, dass ich an jedem Wochenende fast mein ganzes Geld verjubelte. Rauchen und Alkohol waren mir in dieser Zeit sehr angetan. In die Kirche ging ich nicht mehr.

Nach mehr als einem Jahr in Düsseldorf war ich eines Abends allein in meinem Zimmer in einem Jugendwohnheim. Ich lag auf dem Bett. Irgendwie kam ich zum Nachdenken über mein bisheriges Leben in Düsseldorf. Ich stellte mir die ehrliche Frage, ob dies das Leben sei, das ich gesucht hatte. Ich musste diese Frage mit einem klaren Nein beantworten. Sogleich wurde mir auch ganz klar, dass ich aus eigener Kraft nie aus diesem Leben herauskommen konnte. Zum ersten Mal in meinem Leben hatte ich dann Gott angerufen, ihm meine Verfehlung gesagt und ihn um Hilfe gebeten. Ich bat Ihn, mein weiteres Leben zu führen. Schon am nächsten Tag spürte ich eine grosse Erleichterung in meinem Leben und auch die Gewissheit, dass Gott mich führte. Zu dieser Zeit hatte ich noch nie eine Bibel gehabt. Es war auch kein Seelsorger anwesend.

Ich spürte deutlich Gottes Reden in mir: Schreibe an Irene. Irene, das war meine Schulkameradin, meine Jugendliebe. Ich hatte sie in der Zwischenzeit auf Drängen ihrer streng evangelischen Eltern aus den Augen verloren. Nach einigem Widerstand hatte ich diesen Schritt dann doch getan und Irene geschrieben. Wir kamen wieder in Kontakt. Nach einiger Zeit konnte ich sie bei ihren Eltern in Memmingen besuchen. Irene sagte mir, dass ihr Bruder Johannes zu den ganz ‹Frommen› gehört und dauernd von Jesus spricht. Da war in mir sogleich wieder der alte Widerstand gegen alles ‹Fromme› da. Nach einiger Zeit lernte ich auch Johannes kennen. Was ich bei ihm sofort feststellen konnte: Sein Gesicht strahlte Freude und Frieden aus.

Im August 1964 heiratete ich Irene. Meine Schwiegereltern wollten, dass ich zu Bibelfreizeiten für evangelische Gehörlose ging. Zuerst tat ich es nur deswegen, um sie zufrieden zu stellen. Bei einer Bibelfreizeit sprach mich der Geist Gottes mächtig an. Er überzeugte mich von meiner Sünde, von der Gerechtigkeit, die in Jesus Christus erlangt werden kann und vom Gericht. An einem Abend im Oktober 1964 hatte ich dann meine Sündenschuld vor Gott bekannt und die Übergabe meines Lebens an Jesus Christus vollzogen. Ich hatte diesen Schritt meiner Frau, meinen Eltern, Schwiegereltern und Freunden mitgeteilt. Zu meiner grossen Überraschung hatte meine Frau am gleichen Abend auch ihr Leben Jesus Christus übergeben. Von meinen Freunden wollte keiner mehr etwas mit mir zu tun haben. Gott hatte schon neue, bessere Freunde für mich bereit. Mit ihnen fing ich an, die Bibel zu lesen, darin zu forschen. Es war nicht immer leicht. Manchmal war alles schwer oder nicht zu verstehen, manchmal auch langweilig. Mein Schwiegervater hatte mich auch immer wieder ermuntert und darauf hingewiesen: Der Heilige Geist wird dich schon lehren und dir die Bibel verständlich machen. Mit der Zeit verstand ich immer mehr von Gottes Wort. Auch wuchs die Freude an Gottes Wort.

Damals gab es noch keine Christliche Gehörlosen-Gemeinschaft. Mit Freunden hatte ich darüber gebetet, beraten und beschlossen, eine solche zu gründen. Viele hatten meine Gabe zu Lehren und Predigen erkannt und mich dazu eingeladen. Auch hatte ich erkannt, dass viele gläubige Gehörlose weit voneinander getrennt wohnten. Sie konnten nicht so leicht zu einer Bibelstunde oder Gemeinschaft zusammenkommen. Für diese hatte ich dann in Zusammenarbeit mit leitenden Brüdern eine christliche Gehörlosen-Zeitschrift herausgegeben.

Trotz drei Kindern, die Gott mir und meiner lieben Frau anvertraut hat, trotz ständigem beruflichen Stress und trotz Hausbau hatte ich die geistliche Arbeit nicht vernachlässigt. Es war viel Segen daraus hervorgekommen. Dafür bin ich Gott dankbar. Ohne Ihn wäre das nie möglich gewesen. Als dann der gehörlose, amerikanische Missionar D. Andrew Foster von Gott heimgeholt wurde, hatte er mich auf wunderbare Weise vorbereitet, dass ich einen Teil von seiner Arbeit weiterführen sollte. Diese Arbeit mache ich nun schon seit über 15 Jahren.

Es gab viele Höhen und Tiefen in meiner über 40jährigen Nachfolge Jesu. Ich habe keinen Tag bereut, dass ich mich für die Nachfolge Jesu entschieden hatte. Besonders für die Tiefen im Glaubensleben bin ich Gott sehr dankbar. Sie lehrten und lehren mich, wegzuschauen von mir selbst - Ich kann da wie Paulus im Römerbrief 7,18 sagen: «Denn ich weiss, dass in mir, das ist in meinem Fleische, nichts Gutes wohnt das Wollen ist zwar bei mir vorhanden, aber das Vollbringen des Guten gelingt mir nicht!» und «Hinzuschauen auf IHN».

Jesus sagt in Johannes 15,5: «Ohne mich könnt ihr nichts tun» und «Sind wir untreu, so ist ER dennoch treu» (2. Timotheus 2,13).

Dafür bin ich Gott dankbar. Mit einem Liedvers möchte ich mein Zeugnis abschliessen und jeden ermuntern:

Wag es mit Jesus, was immer deine Not auch sei!
Wag es mit Jesus, ER macht dich frei!

Josef Schmid, aus: Gemeinschaft April 2006